Bosch Homburg: Reaktion auf Krise beim Diesel - Personalabbau

Kostenpflichtiger Inhalt: Diesel-Krise : Wie das Bosch-Werk in Homburg auf geplanten Personalabbau reagiert

Die Nachfrage nach Diesel-Autos geht seit geraumer Zeit zurück. Bosch-Vorstandschef Volkmar Denner will jetzt Konsequenzen ziehen.

Die Nachricht schlägt ein wie eine Bombe. Ganz unerwartet kommt sie dennoch nicht. Volkmar Denner, Chef des weltgrößten Autozulieferers Bosch, zieht jetzt die Notbremse, weil die Nachfrage nach Diesel-Fahrzeugen schon seit langer Zeit immer weiter zurückgeht. „Diesel-Gate“, immer mehr Fahrverbote in Städten sowie eine große Verunsicherung bei Autokäufern ziehen immer größere Kreise und machen jetzt auch dem weltgrößten Autozulieferer Bosch zu schaffen. Denner kündigte deshalb gestern im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ als Reaktion auf die Entwicklung den Abbau von Arbeitsplätzen an, vor allem in den Diesel-Standorten des Zulieferers. Alleine seit 2015 habe man rund ein Viertel des Diesel-Umsatzes in Europa verloren. Auch die weltweite Fahrzeug-Produktion sei deutlich zurückgegangen.

Das alles trifft auch massiv das saarländische Werk in Homburg, das als Leitwerk für modernste Diesel-Technologie für Pkw und Lkw gilt. Die derzeit noch knapp 4000 Mitarbeiter in Homburg spüren den Rückgang der Nachfrage nach dem Diesel in der täglichen Schichtproduktion. Timm Stegentritt, Bosch-Pressesprecher für den Standort Homburg, spricht gegenüber der Saarbrücker Zeitung davon, dass es auf jedem Fall einen Personalabbau geben werde. Die genaue Größenordnung stehe allerdings noch nicht fest. Das hänge auch von der weiteren Auftragsentwicklung ab. Gerade im Pkw-Bereich müsse man in der Nachfrage mit Schwankungen nach oben und unten rechnen. Man könne aber jetzt schon absehen, dass bereits am Jahresende zu viele Leute an Bord sein werden. „Wir sehen für das vierte Quartal einen leichten Beschäftigungsüberhang“. sagt Stegentritt.

 Es sei auch noch nicht klar, ob man den weiteren Personalabbau mit den bisher im Homburger Werk vereinbarten Maßnahmen abdecken könne. Bosch setzt auf sozialverträgliche Lösungen, auf Altersteilzeit und Arbeitszeitkonten, Abfindungsprogramme sowie die Reduzierung von befristet Beschäftigten. Zudem seien mit dem Betriebsrat bereits Schließtage vereinbart worden, etwa Brückentage wie in der kommenden Woche aus Anlass des Feiertages Mariä Himmelfahrt, sowie eine generelle Betriebsruhe in der Weihnachtszeit. Hinzu kommen weitere acht Urlaubstage, die nach den jüngsten Tarifvereinbarungen mit der IG Metall anstelle von tariflichem Zusatzgeld genommen werden können. Bosch Homburg habe im Rahmen dieser Vereinbarung allen Mitarbeitern sechs Urlaubstage angeboten, so Stegentritt. Diese Regelung werde von 60 Prozent des Personals in Anspruch angenommen.

All das helfe bereits, Beschäftigungszeiträume zu strecken und darauf zu hoffen, dass sich doch noch eine Besserung einstellt. Zumal man bei Bosch generell glaubt, dass der Verbrennungsmotor noch über viele Jahre hinweg gebraucht wird. Positiv für den Standort Homburg sei derzeit, dass es deutlich besser in der Diesel-Produktion für Lkw läuft. So habe man 2018 einen Großauftrag aus China erhalten. Generell sei die Diesel-Nachfrage für Lkw höher. Deshalb werde in Homburg auch versucht, Teile der Belegschaft zu verlagern von der Produktion für Pkw hin zur der für Lkw.

 Für 2019 sei wohl keine Besserung zu erwarten. Prognosen sprächen von einem Rückgang der weltweiten Auto-Produktion um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bosch-Chef Denner betont zudem, dass man auch im Rahmen der neuen Technologien künftig deutlich weniger Mitarbeiter brauche. Beschäftige man heute zehn Leute im Bereich Diesel, brauche man drei oder vier für Benziner und nur noch einen für den Elektroantrieb.

Trotz allem verbreitet Stegentritt auch ein Stück Optimismus für den künftigen Bestand des saarländischen Bosch-Werkes. Für die mobile Brennstoffzelle als neue Technologie stelle man drei Teilkomponenten her: einen Luftverdichter, ein Rezirkulationsgebläse sowie das Wasserstoff-Dosier-Ventil. Homburg sei das Leitwerk für diese drei Komponenten. „Wir haben heute schon Kooperationen in den USA, wo Lkw auf langen Strecken mit der Brennstoffzelle mehrere hundert Kilometer ohne Tankstopp fahren“, betont Stegentritt. Künftig erhoffe man sich hier auch deutliche Effizienzsteigerungen im Pkw-Bereich.

Die IG Metall Homburg-Saarpfalz reagiert gefasst auf die jüngsten Entwicklungen im Bosch-Werk. Denn die Belegschaft sei so hoch qualifiziert, dass man bei Bedarf auch etwas anderes herstellen könne als Diesel-Produkte, betont Peter Vollmer, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Homburg-Saarpfalz. Wichtig sei, dass möglichst viele Mitarbeiter an Bord bleiben. Alles andere wäre aus seiner Sicht eine Katastrophe, auch für den Wirtschaftsstandort Saarland. Vollmer fordert weitere Zukunftsinvestitionen zur Herstellung der Brennstoffzelle. Gleichzeitig räumt er ein, „dass die Auslastung im Bereich Pkw sehr bedenklich ist. Sie wird ein Stück weit von der Produktion im Bereich Lkw abgefangen.“ Man brauche mehr Beschäftigung durch den Ausbau neuer Technologien statt immer weiter Personal zu reduzieren.

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