Bosch baut in Homburg weiter Stellen ab

Wegen Diesel-Schwäche : Bosch baut in Homburg weiter Stellen ab

Der Diesel-Skandal lässt den Hersteller nicht los, trotzdem setzt sich der Konzern hohe Ziele in Sachen Klimaschutz.

Die rund 4000 Mitarbeiter der Dieseltechnik-Sparte von Bosch in Homburg müssen sich auf einen weiteren Stellenabbau einstellen. Vorstandschef Volkmar Denner machte daraus am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz keinen Hehl. Zugleich sieht er aber in der Brennstoffzellen-Technik eine Chance für den Standort.

„Es wird auch dieses Jahr zu Stellenanpassungen kommen“, sagte Denner. Betriebsbedingte Kündigungen soll es aber nicht geben. 2018 waren in Homburg 300 befristete Verträge nicht verlängert worden, 100 Arbeitsplätze, die durch Vorruhestand frei wurden, blieben unbesetzt. Mindestens in gleichem Umfang sollen in diesem Jahr Stellen unbesetzt bleiben, wenn Mitarbeiter in Vorruhestand gehen, sagte Uwe Gackstatter, Vorsitzender des Bereichsvorstands Powertrain Solutions.

Grund dafür sind weiter rückläufige Verkaufszahlen bei Dieselautos. Entsprechend rufen die Autobauer bei Bosch weniger Dieseleinspritz-Systeme aus Homburg ab. Nur der Nutzfahrzeugsektor, der in der Homburger Fertigung 43 Prozent ausmacht, sei recht stabil, sagte Gackstatter. Trotz des Abwärtstrends rechnet Denner damit, dass 2030 noch drei Viertel der Autos und leichten Transporter mit einem Verbrennungsmotor fahren. Auch treibt Bosch die Entwicklung sauberer Diesel voran. „Bereits 84 Prozent der neuen Diesel unterbieten die Grenzwerte, die erst ab nächstem Jahr gelten“, sagte Denner und fügte hinzu: „Die Emissionen moderner Verbrennungsmotoren werden zur Luftbelastung in den Städten keinen nennenswerten Beitrag mehr leisten.“

Die Zukunft spielt für den Autozuliefer- und Industriekonzern aber woanders: In der Elektromobilität erwartet der Konzern 2025 einen Umsatz von fünf Milliarden Euro – zehnmal so viel wie 2018. Auch autonomes Fahren beziehungsweise die Vorstufen davon, Fahrerassistenzsysteme, sind ein Wachstumsmarkt. In diesem Jahr will Bosch hier 15 Prozent zulegen und zwei Milliarden Euro Umsatz erzielen.

Darüber hinaus „bereiten wir uns auch auf den Durchbruch der Brennstoffzellen-Technik vor, beim Pkw, vor allem aber im Lkw“, sagte Denner. Davon profitiert auch der Standort Homburg. Dieser hatte vor einigen Wochen den Zuschlag für die Fertigung von Brennstoffzellen-Komponenten erhalten. Zunächst werden im Saarland Prototypen der komplexen Teile gebaut. Die wegfallenden Stellen der Diesel-Technik werden Brennstoffzellen vorerst nicht ausgleichen können – insgesamt arbeiten laut Gackstatter in Deutschland rund 200 Beschäftigte an vier Standorten an dieser Technik. Doch 2022 will Bosch damit in Serie gehen, sagte Gackstatter. „Ich persönlich glaube, dass langfristig die Brennstoffzelle das größte Potenzial hat, insbesondere im Nutzfahrzeugbereich Diesel- oder Gasmotoren abzulösen. Wenn der Wasserstoff für die Brennstoffzelle regenerativ erzeugt ist, ist die Brennstoffzelle CO2-seitig die sauberste Lösung, die man sich vorstellen kann.“ Zurzeit ist die Wirtschaftlichkeit der Technologie noch ein Hauptproblem. Gackstatter erwartet, dass Bosch dafür Lösungen findet. Die Mitarbeiter in Homburg sollen Antworten auf die Frage finden, wie eine industrielle Fertigung aussehen kann. In der Ansiedlung dieses Zukunftsprodukts im Saarland sieht er ein „klares Bekenntnis zum Standort Homburg“.

Der starke Wandel in den Produkten – weg vom Verbrennungsmotor – steht bei Bosch in einem größeren Zusammenhang. Der Konzern will „Nachhaltigkeit vor allem technologisch verstehen und verwirklichen“, sagte Denner. Die großen politischen Themen Klima- und Umweltschutz werden nicht als Kostenlast verstanden, sondern als Chance für neue technische Lösungen. Man will „Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit auf einen Nenner bringen – und dabei mit innovativen Lösungen wachsen“, sagte Denner.

Bosch sieht sich als Vorreiter und sieht sich nicht nur mit den Produkten, sondern auch mit der Fertigung in der Verantwortung. Alle Fabriken weltweit sollen ab dem kommenden Jahr klimaneutral arbeiten. „Wir sind das erste große Industrieunternehmen, das dieses ehrgeizige Ziel in nur gut einem Jahr realisiert“, sagte der Bosch-Vorstandschef. Dazu trägt auch das Werk in Homburg bei. Es ist die Pilot-Fabrik, um die Energieeffizienz bei Bosch zu steigern. Ein wesentlicher Hebel dafür ist die Vernetzung der Maschinen. Über die Energy-Plattform sind in Homburg gut 10 000 Messpunkte vernetzt. Damit lasse sich der Stromverbrauch jeder einzelnen Maschine verfolgen und steuern. Das Ergebnis: „nahezu 5000 Tonnen oder elf Prozent weniger Kohlendioxid-Ausstoß in den vergangenen beiden Jahren“, sagte Denner. Inzwischen haben mehr als 30 Bosch-Werke weltweit solch eine Energiespar-Plattform. Und „die Lösung ist so erfolgreich, dass wir sie auch extern vermarkten“, sagte Denner.