Betriebsvereinbarungen bei Saarstahl und Dillinger zum Stellenabbau

Kostenpflichtiger Inhalt: Gehen mehr Mitarbeiter als geplant? : Saarstahl und Dillinger Hütte setzen bei Jobabbau auf Freiwillige

Die Betriebsvereinbarungen sind geschlossen: 1400 ältere Mitarbeiter von Saarstahl und Dillinger sollen in den Ruhestand oder in Altersteilzeit gehen. Eine Transfergesellschaft nimmt die Befristeten auf, deren Verträge nicht verlängert werden.

Die Pläne zum angekündigten Personalabbau bei Saarstahl und Dillinger Hütte nehmen Gestalt an. „Die Sozialverhandlungen mit der betrieblichen Mitbestimmung sind abgeschlossen“, bestätigte eine Sprecherin des Mutterkonzerns Stahl-Holding-Saar (SHS). Die Beschäftigten wurden vom Betriebsrat am vergangenen Wochenende über vier neue Betriebsvereinbarungen informiert. Diese regeln, wie der Jobabbau bei SHS konkret ablaufen soll.

Die Sparmaßnahmen – und ein damit einhergehender Abbau von 1500 Stellen – waren vom Vorstandsvorsitzenden von Dillinger und Saarstahl, Tim Hartmann, bereits im September angekündigt worden. Jetzt sei beschlossen worden, an beiden Standorten zusammen 100 Millionen Euro an Personalkosten einzusparen, erklärt der Betriebsratsvorsitzende der Dillinger Hütte, Michael Fischer. „Davon sollen 67 Millionen Euro von der Dillinger und 33 Millionen Euro von Saarstahl kommen“, sagt Fischer. Der Abbau soll sozialverträglich ablaufen, bis zum Jahr 2022 seien betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Das bestätigte der Konzern auf SZ-Anfrage.

Im Rahmen eines Freiwilligenprogramms wurden laut Betriebsrat vielmehr insgesamt 1400 SHS-Mitarbeiter angeschrieben – davon 740 bei der Dillinger und der Rest bei Saarstahl. Sie können jetzt entweder freiwillig aus dem Betrieb ausscheiden oder in Altersteilzeit gehen. „Das Angebot richtet sich an Mitarbeiter mit Jahrgang 1961 oder älter“, erklärt Michael Fischer.

Für befristet Beschäftigte, deren Verträge zum Jahresende auslaufen, wurde eine Transfergesellschaft gegründet. Jeweils rund 60 Mitarbeiter von Dillinger und Saarstahl seien bereits dorthin gewechselt, sagt Fischer. Zusätzlich zum Transferkurzarbeitergeld bekämen sie 5000 Euro von der SHS ausgezahlt, erklärt Lars Desgranges, erster Bevollmächtiger der IG Metall in Völklingen. „Sie sollen jetzt wieder in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden.“ Die Verträge von jeweils 25 befristet Beschäftigten beider Standorte seien hingegen um ein halbes Jahr verlängert worden, sagt Michael Fischer. Der Konzern macht keine Angaben darüber, wie viele Menschen insgesamt betroffen sind. Laut IG Metall haben Dillinger Hütte und Saarstahl zusammen 490 Mitarbeiter mit Zeitverträgen. Diese haben aber unterschiedliche Laufzeiten und reichen zum Teil weit über das Jahresende hinaus.

„Der geschlossene Kompromiss entspricht natürlich nicht unserer Wunschlösung“, sagt Lars Desgranges. Der Kernpunkt der Gewerkschaftsforderungen, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, sei aber erfüllt worden. „Zumindest wird zum ersten Januar niemand arbeitslos“, so Desgranges. Das habe der Betriebsrat über Monate erstritten, betont der Gewerkschafter, „obwohl es bei diesem Punkt keine formale Mitbestimmung gibt“.

Gute Nachrichten gibt es hingegen für die Auszubildenden des Stahlkonzerns. „Sie werden unbefristet übernommen“, sagt Michael Fischer. Zudem würden bei Dillinger und Saarstahl weiterhin jeweils 65 neue Azubis pro Jahr aufgenommen. Auch das bestätigte der Konzern. „Diese Entscheidung zeigt, dass ein echter Glaube an eine Zukunftsfähigkeit der Standorte vorhanden ist“, sagt Lars Desgranges.

Fischer fürchtet allerdings, dass SHS mit den Sparmaßnahmen, über deren weitere Details der Konzern erst in der Betriebsversammlung Mitte Februar 2020 informieren will, über das Ziel hinausschießen könnte. „Ich habe Angst, dass mehr Leute gehen als geplant“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Dadurch könne die Produktionssicherheit gefährdet werden. „Wenn die Aufträge im kommenden Jahr wieder hochgehen sollten, könnten wir Probleme bekommen“, fürchtet Fischer.

Laut dem Vorstandsvorsitzenden Tim Hartmann sind insgesamt Einsparungen in Höhe von 250 Millionen Euro vorgesehen. 1500 Stellen sollen dazu abgebaut, weitere 1000 ausgelagert werden. Insgesamt beschäftigt die SHS rund 14 000 Mitarbeiter.