Betriebsrat der Dillinger Hütte will mit jungen Leuten über Umweltschutz reden.

Betriebsratschef der Dillinger Hütte sucht das Gespräch mit Klimaschützern : Was kann die Dillinger Hütte fürs Klima tun?

Betriebsratschef Michael Fischer will junge Leute einladen und zeigen, wie Stahl-Unternehmen mit Umweltschutz umgehen.

Zu Zehntausenden gehen bundesweit junge Menschen auf die Straße, um für eine lebenswertere Umwelt zu demonstrieren. Der Betriebsratschef der Dillinger Hütte Michael Fischer möchte auf diese und alle weiteren Jugendlichen, die sich für Umweltschutz stark machen zugehen. Er möchte sie einladen, einen Blick hinter die Kulissen der Dillinger Hütte zu werfen und sich vor Ort ein Bild davon zu machen, was die Stahl-Unternehmen in Sachen Klimaschutz unternehmen.

Die Öffentlichkeit ist zwiegespalten: Kritiker wollen die jungen Klimademonstranten damit abqualifizieren, sie schwänzten für die Demos die Schule. Andere zollen ihnen Respekt für ihre Ziele und ihren Mut, dafür auch auf die Straße zu gehen. Zugleich sehen sich zahlreiche Industriebetriebe, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft darstellen und mit ihrer Leistung wesentlich zum Wirtschaftswachstum sowie zu mehr Wohlstand beitragen, in die Defensive getrieben. Sie verweisen auf Milliardeninvestitionen an den Standorten in neue Anlagen und Technologien, mit denen längst ein aktiver Beitrag zu einem besseren Klima geleistet werde. Doch solche Botschaften erreichen wohl viele junge Menschen noch nicht.

Deshalb will Fischer interessierte junge Leute in die Dillinger Hütte einladen. Er will mit ihnen ins Gespräch kommen, erläutern, was konkret für die Umwelt getan wird und zugleich aufzeigen, was die neuen Anlagen alles in der Produktion leisten, um sauberer zu produzieren. Zudem soll im Dialog mit jungen Menschen darüber geredet werden, was alles in Deutschland dafür getan werden kann, um das Ziel des Klimaschutzes künftig besser zu erreichen. Fischer verspricht sich viel von diesem Gesprächsangebot. Er sieht im offenen Dialog den besten Weg, diesen Zielen näherzukommen. „Wir haben gemeinsame Ziele. Nur über den Weg dorthin gibt es noch unterschiedliche Auffassungen“, sagt Fischer. Auch in den Familien der Stahlarbeiter werde das Thema Klimaschutz kontrovers diskutiert.

Konkret sollen die jungen Leute die Chance bekommen, das Werk zu besichtigen, neue Produktionsanlagen und Leitstände im Einsatz zu sehen, die die Produktion steuern. Zudem solle möglichst auch ein Mitglied des Vorstandes den jungen Leuten Rede und Antwort stehen. Man wolle auch darüber reden, welche objektiven Probleme auf dem Weg zu einem besseren Klima noch zu überwinden sind. Denn die Stahlindustrie müsse sich gegenwärtig auch damit auseinandersetzen, dass noch nicht alles machbar ist, was man jetzt schon gerne umsetzen würde. So existierten die Verfahren noch nicht, mit denen man eine CO2-freie Stahlproduktion gewährleisten kann, wie es 2050 der Fall sein soll. Auch das gehöre zur Wahrheit in der Diskussion. Für eine CO2-freie Stahlproduktion werde Wasserstoff in großen Mengen benötigt. Auch hierfür fehlten bisher die Werke und nötige Tests.

An diesem Punkt fordert der Konzernbetriebsrat auch ein deutlich stärkeres Engagement durch die Bundesregierung, um weitere Vorstöße zum Klimaschutz überhaupt erst möglich zu machen. Die Stahlunternehmen seien selbst unmöglich in der Lage, die weiteren Milliardeninvestitionen allein zu stemmen, um neue Technologien und Werke auf der Produktionsbasis von Wasserstoff auf den Weg zu bringen. Der Bund, der so oft vom Klimaschutz rede, müsse auch selbst große finanzielle Beträge in die Hand nehmen und so die Stahlunternehmen in der technologischen Umsetzung unterstützen. An den Stahlunternehmen scheitere weder der Fortschritt, noch der Klimaschutz, betont Fischer. Durch die Forschung nach klimaschützenden Produktionsmethoden und neuen Technologien entstünden zudem zahlreiche neue Berufsbilder sowie Arbeitsplätze für junge Menschen.

Aber auch diese Botschaft richtet Konzernbetriebsrat Fischer an die Jugendlichen: sollte die deutsche Stahlindustrie wirklich von den Weltmärkten verschwinden, dann verschwinde kurze Zeit später auch das Kino um die Ecke, der Bäcker, viele Vereine, Supermärkte, Kneipen und vieles mehr. Dann drohe eine Verödung ganzer Regionen. Denn: Viele lebten von der Stahlindustrie. Fischer selbst ist davon überzeugt, dass der Klimaschutz gemeinsam gelingt und die Saarhütten noch lange bestehen bleiben. Ein Indiz dafür sei auch, dass allein die Dillinger Hütte jedes Jahr immer noch 1000 Bewerbungen bekomme.

Der Betriebsratschef befindet sich nach eigenen Worten noch in der Abstimmung seiner Idee mit dem Vorstand der Dillinger Hütte und den Gremien. Im Idealfall könnten die Einladungen schon im September beginnen. Fischer, der zugleich Konzernbetriebsrat ist, sucht zudem auch Gespräche mit seinen Kollegen bei Saarstahl mit dem Ziel, den Dialog mit interessierten jungen Leuten auch dort zu führen.

Michael Fischer, Betriebsratschef der Dillinger Hütte. Foto: Fischer

Wer sich für die Idee des Dialogs interessiert und sich beteiligen möchte, kann sich informieren unter Tel. (0 68 31) 47 55 55.

Mehr von Saarbrücker Zeitung