Bankangestellte streiken in Saarbrücken für mehr Geld

Warnstreik im Rahmen der Tarifverhandlungen : Bankangestellte streiken in Saarbrücken für mehr Geld

In Saarbrücken sind heute hunderte Mitarbeiter von Sparkassen, Saar-LB und der Commerzbank auf die Straße gegangen.

Barbara Meiser von der Sparkasse Neunkirchen bringt die Einstellung der Sparkassen-Mitarbeiter auf den Punkt. „Wir sind mehr als Personalkosten. Wir sind es, die die Banken aus der Krise geführt haben“, sagte sie am Donnerstag bei der Protestkundgebung der Gewerkschaft Verdi auf dem Tblisser Platz vor dem Staatstheater in Saarbrücken.

Verdi hatte zum Warnstreik im Rahmen der Tarifverhandlungen mit dem Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes und dem Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands aufgerufen. Rund 1500 Mitarbeiter der Sparkassen im Land, der Saar-LB und der Commerzbank sind nach Angaben der Gewerkschaft von der Europagalerie durch die Stadt gezogen, um für höhere Gehälter zu demonstrieren.

Vor dem Staatstheater waren dann nur gut 500 Protestierende dabei, als Jan Duschek, Bundesfachgruppenleiter Bankgewerbe die verfahrene Lage in den Verhandlungen mit den Kreditinstituten aus seiner Sicht skizzierte. Seit Jahren habe es kaum noch nennenswerte Tarifabschlüsse gegeben, sagt er. Ende 2018 sei die letzte Stufe der Gehaltsrunde von 2016 in Kraft getreten, eine Erhöhung von 1,1 Prozent. „Damit verliert Ihr real Geld“, sagt er. Nicht ohne hinzuzufügen, dass bei den Verhandlungen vor drei Jahren nicht mehr zu erzielen gewesen sei.

Umso mehr drängt die Gewerkschaft nun auf eine signifikante Verbesserung bei den Gehältern: Sechs Prozent mehr Geld bei zwölf Monaten Laufzeit fordert die Gewerkschaft aktuell. Außerdem eine Übernahme des Abschlusses auch für die außertariflich Beschäftigten. Sechs Gesundheits- und Entlastungstage sollen die Mitarbeiter zusätzlich erhalten, da, wie Duschek betonte, die Zahl der Krankheitstage aufgrund von Überlastung besorgniserregend ansteige. Mitarbeiter sollen zusätzlich einen verbindlichen Anspruch auf Weiterbildung haben – bei finanzieller Beteiligung der Arbeitgeber. Auszubildende sollen unbefristet übernommen werden. Verdi-Mitglieder sollen außerdem mit Zulagen besser gestellt werden. Und dann macht die Gewerkschaft noch eine Anleihe bei den Metall-Kollegen, die durchgesetzt haben, dass die Mitarbeiter zwischen einer Gehaltssteigerung oder mehr Freizeit wählen können.

Bei den Arbeitgebern stoßen all diese Forderungen weitgehend auf Ablehnung. Diese hatten im Verhandlungstermin am 11. April das Angebot vorgelegt, die Tarifgehälter um 3,4 Prozent mit einer Laufzeit von 36 Monaten zu steigern. Für Themen wie Aus- und Weiterbildung hätten sie Lösungsvorschläge vorgelegt, teilt der Arbeitgeberverband AGV Banken mit, ohne diese weiter zu konkretisieren. Ansonsten müsse Verdi sein Forderungspaket noch deutlich verschlanken hieß es. „Wir erwarten jetzt ein klares Signal, dass die Gewerkschaften die Tarifrunde nicht länger mit kostenträchtigen Zusatzforderungen überfrachten“, sagte Gunar Feth, Vorsitzender der Tarifgemeinschaft öffentlicher Banken und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Saar-LB.

Duschek weist dieses Angebot als inakzeptabel zurück. „Bankmitarbeiter sind Fachkräfte, und die müssen angemessen bezahlt werden“, sagte er. „Ein Angebot, bei dem Ihr faktisch Geld verliert akzeptieren wir nicht“, rief Duschek in die Menge und verweist dabei auf die aktuelle Inflation von zwei Prozent.

Verdi ist überzeugt davon, dass die Institute eine entsprechende Gehaltserhöhung auch trotz der aktuellen Niedrigzinsphase stemmen können. „Die saarländischen Sparkassen sind alle nicht notleidend, sondern haben ihre Strukturen angepasst“, sagte Jürgen Grandjot von Verdi in Saarbrücken. „Insofern ist es durchaus möglich, auch die Mitarbeiter wieder besser zu entlohnen.“ Und was große Banken wie die Deutsche Bank angeht, verweist die Gewerkschaft darauf, dass dort immerhin noch üppige Bonuszahlungen ausgeschüttet werden – ein Zeichen, dass durchaus Geld vorhanden ist.

Die Tarifverhandlungen gehen am 20. Mai in die vierte Runde. Sollten auch diese Gespräche wieder scheitern, kündigt Verdi weitere Streiks an.

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