Azubis der Dillinger Hütte und von Saarstahl sollen auch nach dem Ende der Ausbildung bleiben.

Azubis der Dillinger Hütte und von Saarstahl können hoffen : Hoffnung für Azubis der Stahlhütten

Nach Angaben der IG Metall wollen Dillinger Hütte und Saarstahl ihre Auszubildenden bis auf Weiteres übernehmen.

Viele Stahlarbeiter an der Saar haben Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes und ihres Lohns. Besonders bangen derzeit jene um ihre Stelle, deren Verträge ohnehin nur befristet sind. Das betrifft in erster Linie Auszubildende und Zeitarbeitnehmer an den Stahlstandorten der Dillinger Hütte und von Saarstahl.

Für die Betroffenen hat die Industrie-Gewerkschaft (IG) Metall jetzt jedoch eine gute Botschaft. Demnach sollen sowohl die Auszubildenden als auch jene mit Zeitverträgen zumindest vorerst übernommen werden. Das teilte Lars Desgranges, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Völklingen, am Dienstag der Saarbrücker Zeitung mit. Entsprechende Zusagen sollen von Peter Schweda kommen, dem Arbeitsdirektor und Vorstand der Dillinger Hütte sowie von Saarstahl. Nach Gewerkschaftsangaben sind in der saarländischen Stahlindustrie gegenwärtig insgesamt rund 500 Auszubildende beschäftigt. Hinzu kommen 490 mit Zeitvertrag, also befristet Angestellte. Leiharbeiter soll es derzeit nur in geringem Umfang geben, heißt es weiter.

Sowohl die Dillinger Hütte als auch Saarstahl halten sich mit einer offiziellen Stellungnahme zu den jüngsten Aussagen der Gewerkschaft zurück. Gestern hieß es auf Nachfrage lediglich von einer Unternehmenssprecherin, die Azubis würden übernommen. Zu einer Verlängerung befristeter Verträge wollte sich der Konzern zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern.

Unterdessen setzt die IG Metall ihren Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze in der saarländischen Stahlindustrie unvermindert fort. Dazu hat sie jetzt einen 14 Punkte umfassenden Forderungskatalog verfasst, der unserer Zeitung vorliegt. Er enthält detaillierte Positionen zu einer Strategie, wie man die Stahl-Arbeitsplätze an der Saar auch künftig erhalten kann. Die Gewerkschaft wendet sich mit ihrem Forderungskatalog sowohl an die Bundesregierung in Berlin als auch die EU-Kommission in Brüssel.

Vorrangig sei es, jetzt endlich faire und für alle nachvollziehbare Wettbewerbsbedingungen auf den weltweiten Stahlmärkten zu schaffen. Dazu gehöre es vor allem, die riesigen Mengen an Billig-Stahl, insbesondere aus China, einzudämmen. Es könne nicht länger sein, dass Billig-Stahl ohne Auflagen zum Umweltschutz nach Europa gelangen, während die hiesige Stahlindustrie durch hohe Zusatzkosten belastet wird. Des Weiteren sollen die hohen Sozial- und Umweltstandards, die in Deutschland gelten, zugleich auch Vorbild im internationalen Vergleich sein.

Die IG Metall unterstützt die Position der Stahl-Unternehmer, dass Berlin und Brüssel den technischen Umbau der Produktionsstätten mit milliardenschweren Förderprogrammen unterstützen sollen. Nur so könne es gelingen, die geforderten CO2-Einsparungen auch zu realisieren. Wegen der Ankündigung seitens der Arbeitgeber, 1000 Arbeitsplätze in Dillingen und bei Saarstahl ausgliedern zu wollen (Outsourcing), um Lohnkosten zu sparen, heißt es in dem IG-Metall-Papier: „Der Grundsatz ‚Eigenarbeit geht vor Fremdarbeit’ bleibt erhalten. Outsourcing an Billiganbieter ohne Tarifbindung und ohne Betriebsrat ist abzulehnen.“ Außerdem sollen sich die Arbeitgeber dazu bekennen, dass alle Stahl-Standorte im Saarland auch weiterhin erhalten bleiben. Saarstahl und Dillinger Hütte hatten wegen der wirtschaftlichen Branchenkrise angekündigt, 1500 Stellen zu streichen. Weitere 1000 Arbeitsstellen sollen an Dienstleister ausgelagert werden. Nach der Bekanntgabe dieser geplanten Einschnitte war es in der Folge zu mehreren Protestmärschen in Dilllingen, Völklingen und Saarbrücken gekommen. Dabei erhielten die Stahlarbeiter auch Unterstützung von Politikern.

Lars Desgranges, erster Bevollmächtigter der IG Metall Völklingen. Foto: Ruppenthal

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sowie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) trafen zudem mit Gewerkschaftern und Betriebsräten vor Ort zu Gesprächen zusammen, um zu klären, welche Hilfsmaßnahmen zum Erhalt der Arbeitsplätze man ergreifen könnte. Auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sowie seine Stellvertreterin und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) schickten Hilferufe nach Berlin zur Unterstützung des Industriestandorts an der Saar. Das Saarland könne ohne Industrie und ihre zahlreichen Arbeitsplätze nicht existieren. Letztere sei die wichtigste Stütze zur Weiterentwicklung der saarländischen Wirtschaft.

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