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Autoindustrie durch Corona unter Druck - Folgen für Zulieferer

Folgen für Zulieferer wie ZF : Virus legt Autoindustrie lahm

Jetzt drückt auch BMW auf die Bremse und stellt die Autoproduktion in seinen europäischen Werken sowie in Südafrika wegen der Corona-Krise für vier Wochen ein. Betroffen sind nach Angaben des Konzerns insgesamt 30 000 Mitarbeiter.

Kurzarbeit sei möglich, aber zunächst einmal gingen die Arbeitszeitkonten bis zu 300 Stunden ins Minus, sagte dazu Personalchefin Ilka Horstmeier.

Vorstandschef Oliver Zipse erläuterte, die Nachfrage nach Autos sinke deutlich, viele Händler in Europa hätten bereits geschlossen. „Ab heute fahren wir unsere europäischen Automobilwerke und das Werk Rosslyn in Südafrika herunter. Die Produktionsunterbrechung wird voraussichtlich bis zum 19. April eingeplant.“ Zuvor hatten schon der VW-Konzern, Daimler, Opel, Peugeot, Renault, Ford und Fiat-Chrysler beschlossen, ihre Bänder in Europa ganz oder zum großen Teil stillstehen zu lassen. BMW-Betriebsratschef Manfred Schoch sagte zudem, ein BMW-Tarifmitarbeiter erhalte bei Kurzarbeit mindestens 93 Prozent seines Nettolohns. Unterdessen beabsichtigt Ford, das Kurzarbeitergeld in Saarlouis auf 80 Prozent auzuheben.

BMW-Vortandschef Zipse äußerte sich zugleich vorsichtig zuversichtlich. Es werde auch eine Zeit nach Corona geben mit stabilen Trends wie der steigenden Nachfrage nach Elektro- und nach Premiumautos. Nächstes Jahr werde ein Viertel der BMW-Neuwagenflotte elektrifiziert sein. In elf Werken würden heute schon Plug-in-Hybride oder Elektroautos gebaut. Zudem sagte Zipse: „Wir halten die Zahl unserer Mitarbeiter stabil.“ In Deutschland beschäftigt BMW derzeit insgesamt rund 90 000, weltweit 134 000 Mitarbeiter.

Angesichts der vorübergehenden Stilllegung der Produktion bei der Autoherstellern wird auch für die zahlreichen Zulieferer die Situation immer schwieriger. Im Saarland trifft das besonders die 16 Unternehmen im Ford-Supplier-Park, der gewöhnlich Teile direkt an die Ford-Bänder liefert. Auch ZF, Bosch und Eberspächer sind betroffen. ZF will am heutigen Donnerstag bekanntgeben, ob bestimmte Produktionslinien oder ganze Standorte vorübergehend stillgelegt werden. Auch Bosch entscheidet noch diese Woche, wie es in Homburg weitergeht. Beschlossen ist schon, dass die Produktion an einigen Standorten im Ausland heruntergefahren oder gestoppt wird: Dies betrifft Werke in Frankreich, Italien und Spanien. Die Lieferketten zu Kunden blieben gewährleistet. Das schwäbische Familienunternehmen Eberspächer, das sich im Werk Neunkirchen auf Abgasnachbehandlungssysteme wie Krümmer, Rohre und Schalldämpfer spezialisiert hat, zieht vorerst noch keine Konsequenzen, hieß es auf Anfrage.