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Auswirkungen von Corona auf Handwerk und Baugewerbe im Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Auswirkungen des Coronavirus : Die Folgen der Krise für das Saar-Handwerk

Die Corona-Epidemie wirkt sich auf verschiedene Branchen sehr unterschiedlich aus. Vor allem kleine Handwerksbetriebe sind betroffen. Das Baugewerbe bleibt bisher weitgehend verschont. Schornsteinfeger stehen vor ganz eigenen Problemen.

Die saarländische Bauwirtschaft mit ihren rund 10 000 Beschäftigten kommt bisher insgesamt noch gut mit den Folgen der Corona-Krise zurecht. Viele Baustellen liefen weiter, erläutert Claus Weyers, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Saarländischen Bauwirtschaft (AGV). „Die Hygiene- und Verhaltensregeln sowie genügend Abstand werden von den Betrieben eingehalten. Das ist im Interesse von allen“, sagt Weyers.

Probleme entstünden derzeit am ehesten bei den Fahrten zu Baustellen, da Teams wegen des vorgeschriebenen Mindestabstands nicht mehr in einem Fahrzeug zusammensitzen können. Das werde mittlerweile anders organisiert. Ein zunehmendes Problem seien auch die Lieferketten. „Wenn Baustellen nicht mehr betrieben werden können, dann liegt das in erster Linie daran, dass der ein oder andere kein Material mehr vom Großhandel bekommt“, sagt Weyers. Aber verstärkt drängten auch verunsicherte Unternehmen und Privatpersonen darauf, Arbeiten an Gebäuden vorerst zurückzustellen. „Ich kann verstehen, wenn manch einer davor zurückscheut, wenn mehrere Leute im Haus arbeiten wollen.“

Weniger verständlich sei diese Angst bei Außenarbeiten wie etwa der von Dachdeckern. Manche Betriebe könnten in einer solchen Situation derzeit allerdings noch andere Aufträge vorziehen, erklärt der AGV-Hauptgeschäftsführer. Generell könne die saarländische Bauwirtschaft der Corona-Krise bisher erfolgreich widerstehen, denn viele Betriebe hätten Anfang 2020 noch ein gutes Auftragspolster gehabt.

Auch für die Zeit nach Corona bleibt der Arbeitgeberverband aus heutiger Sicht vorsichtig optimistisch. „Unsere Branche hat schon viele Krisen durchleben müssen“, sagt Weyers. „Auch diese Krise wird Narben und Verluste mit sich bringen. Aber wir werden es auch diesmal hinbekommen.“ Wenn sich die Lage bis Mai oder Juni nicht verbessere, könne es aber kritisch werden. Denn dann müsse es eigentlich rund gehen: vom Straßenbau bis hin zur Modernisierung und dem Neubau von Gebäuden.

Das Saar-Handwerk mit seinen 12 000 Betrieben und 68 000 Beschäftigten darf auch in der Corona-Krise trotz der Schließung zahlreicher Branchen grundsätzlich weitermachen. Allerdings gibt es auch hier Einschränkungen durch verfügte Schließungen, etwa für Friseure und Kosmetiker. Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Arndt Klein-Zirbes geht deshalb davon aus, dass Existenz-Probleme am ehesten in Kleinstbetrieben entstehen. Die Beratungsangebote der Kammer per Telefon und Internet hätten in kürzester Zeit einen Anstieg der Anfragen um 300 Prozent erfahren.

Probleme entstehen zunehmend auch Schornsteinfegern, weil Eigentümer sie nicht mehr ins Haus lassen. Eric Scherer, Landesinnungsmeister der Schornsteinfeger, verweist auf geltende Fristen, die nach wie vor einzuhalten seien. Das gelte besonders für die Reinigung von Kamin- und Holzöfen. „Die Verpflichtung des Kunden, die Fristen einzuhalten, werden nicht durch Corona unterbrochen“, mahnt Scherer. Komme der Hauseigentümer dem nicht nach, müsse der Schornsteinfeger dies dem Ordnungsamt anzeigen. Dies könne zu Zwangsmaßnahmen führen. Besser sei es, einen neuen Termin zu vereinbaren.

Generell dokumentiere der Schornsteinfeger jeden Fall, auch, um sich selbst abzusichern. Schornsteine müssten dreimal im Jahr gefegt werden. Das sei auch im Interesse des Kunden, gerade auch jetzt, wo noch der ein oder andere kalte Tag zu erwarten sei. „An solchen kalten Tagen machen die Leute gerne noch mal den Kamin an. Und ein Schornstein stößt dann leicht an seine physikalischen Grenzen, was die Brandgefahr erhöht.“ Scherer befürchtet zudem, „dass es während der Corona-Krise auch passieren kann, dass Betriebe in Existenznot geraten, besonders Kleinstbetriebe“. Insgesamt gibt es im Saarland derzeit 129 Schornsteinfegerbetriebe.