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Ausbildungsplätze im Saarland könnten wegen Corona-Krise knapp werden

Gewerkschafter fürchten Folgen auch im Saarland : Das Virus infiziert den Ausbildungsmarkt

Viele Betriebe sind durch Corona in finanzielle Schieflage geraten und bieten keine Lehrstellen mehr an. Für Azubis könnte es eng werden.

 Die Corona-Krise schlägt auch auf den Ausbildungsmarkt durch. Nach Angaben von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) werden derzeit acht Prozent weniger Lehrstellenangebote verzeichnet als im Vorjahresmonat. Einmal mehr wird nun der Ruf nach staatlichen Hilfen laut – auch aus dem Saarland.

Laut dem aktuellen Berufsbildungsbericht des Bundes fielen schon im vergangenen Jahr einige Schatten auf dem Ausbildungsmarkt. So boten die Betriebe etwa 11 000 Lehrstellen weniger an als 2018. Die Gesamtzahl lag bei 578 000. Auch die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ging um 6300 auf gut 525 000 zurück. Gleichzeitig sank jedoch auch die Zahl der Bewerber demografiebedingt um 6347 auf knapp 550 000. Rein rechnerisch kamen auf 100 Bewerber immer noch etwa 105 Lehrstellenangebote.

Weil viele Betriebe aktuell um ihre Existenz bangten, seien sie aber „zurückhaltend in der Ausbildungsplanung“, sagte Karliczek. Im Klartext: Die Aussichten, eine passende Lehrstelle zu finden, könnten sich wegen Corona deutlich eintrüben. Von den rund 2,2 Millionen Unternehmen in Deutschland war im vergangenen Jahr ohnehin nur noch knapp jedes Fünfte ein Ausbildungsbetrieb. Nach einer aktuellen Umfrage wollen sich nun allein 25 Prozent der Handwerksbetriebe wegen der Pandemie aus der Ausbildung zurückziehen. Und nach Angaben der IG Metall führt derzeit nur ein Drittel der Unternehmen die laufende Ausbildung ohne Einschränkungen durch. Acht Prozent der Firmen rechneten mit Problemen bei der Übernahme der Ausgebildeten, so die IG Metall.

Die saarländische Handwerkskammer (HWK) erwartet hierzulande allerdings keine gravierenden Engpässe. Abgesehen von Dienstleistern wie etwa Frisören hätten die meisten Saar-Handwerker in der Corona-Krise weiterarbeiten können, sagte ein HWK-Sprecher. „Daher bleibt die Ausbildungsbereitschaft im saarländischen Handwerk wahrscheinlich auch in Zukunft hoch.“

Die Bundesegierung setzt auf die „Allianz für Aus- und Weiterbildung“, in der sich Vertreter von Bund, Ländern, Wirtschaft und Gewerkschaften um die Sicherung von Lehrstellen kümmern. Sie sollen nach den Worten Karliczeks „in den nächsten Wochen“ die Situation analysieren und anschließend Handlungsempfehlungen geben. Der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung, Friedrich Hubert Esser, verwies darauf, dass die Unternehmen in einer Art „Warteschleife“ steckten und auf eine wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr hofften. Viele Betriebe hielten deshalb an ihren Ausbildungsangeboten fest, so Esser.

Gewerkschaften und Wirtschaft machten sich am Mittwoch für staatliche Hilfen stark. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte Boni für Unternehmen, die Lehrlinge aus Pleite-Betrieben übernehmen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) regte einen Bonus für Betriebe an, die zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten.

Eine solche Prämie sei auch für saarländische Firmen dringend notwendig, sagte DGB-Landesjugendsekretärin Hannah Meuler. „Wir können bereits jetzt beobachten, dass es im Sommer weniger Ausbildungsplätze im Saarland geben wird.“ Viele Firmen können sich Lehrlinge laut Meuler schlicht nicht mehr leisten. „Dabei haben wir hier bereits seit Jahren das Problem, dass zu wenige Betriebe ausbilden.“