Arbeitskammer will Förderungen für Industriewandel im Saarland

Kammer-Auftaktveranstaltung : Arbeitskammer fordert Hilfen für Strukturwandel in der Saar-Industrie

Um das Saarland zur Wasserstoffregion zu machen und Arbeitsplätze zu sichern, seien politische Förderungen unerlässlich, so die Kammer.

Die Anstrengungen der Landesregierung, das Saarland zur Modellregion in der Wasserstoff-Technologie zu machen, werden von der Arbeitskammer (AK) begrüßt. „Der Wasserstoff kann in der saarländischen Industrie direkt genutzt werden“, sagte AK-Vorstandschef Jörg Caspar am Freitag anlässlich der Kammer-Auftaktveranstaltung 2020. Das sei sowohl beim Antrieb von Autos mithilfe der Brennstoffzelle als auch bei der Roheisen-Produktion möglich. Dadurch könnten die zentralen Elemente der saarländischen Industrie erhalten bleiben „und sogar gestärkt werden“, sagte Caspar.

Allerdings sollte der Wasserstoff nicht im Saarland hergestellt werden, betonte AK-Hauptgeschäftsführer Thomas Otto. Die Erzeugung, die sehr viel elektrische Energie benötigt, „sollte in Norddeutschland ablaufen, wo an Land und auf dem Meer eine große Menge Windstrom produziert werden kann“. Er kann sich auch eine europäische Lösung vorstellen, bei der die Wasserstoff-Produktion den sonnen- und windreichen Regionen des Kontinents – zum Beispiel Italien oder Spanien – vorbehalten bleibt. Europa verfüge über ein dichtes Netz an vorhandenen Gas- und Ölleitungen, die dann für den Wasserstoff-Transport genutzt werden könnten, wenn die Zeit der fossilen Brennstoffe zu Ende gehe. Die Herstellung von ausreichend Wasserstoff müsse mit Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne gelingen, so Caspar. Eine Renaissance der Atomkraft, um den hohen Bedarf an elektrischer Energie zu decken, „lehne ich rundweg ab“.

Für den AK-Vorstandschef ist es unerlässlich, „dass die Industrie das Rückgrat der saarländischen Wirtschaft bleibt“. Klimaschutz sei wichtig, doch er könne nicht damit erkauft werden, „dass unsere Industrie kaputt gemacht wird und die Produkte stattdessen in Regionen hergestellt werden, in denen der Umweltschutz keine so große Rolle spielt“. Wenn Deutschland und die EU von der Industrie verlangten, Produkte und Produktion möglichst schnell klimaschonend zu machen, „muss die Politik diesen von ihr geforderten Transformationsprozess auch unterstützen“. Dies könne sie nicht allein den Unternehmen aufbürden. Europa müsse massiv in die Forschung investieren, aber auch die Firmen direkt fördern. „Wir sprechen hier nicht von Millionen, sondern von Milliarden Euro Förderbedarf“, sagte Caspar. Außerdem müsse die Förderung technologieoffen sein. Den derzeitigen Fokus auf die Elektro-Mobilität lehnt er ab.

„Auch die Arbeitnehmer müssen auf den ökologischen Transformationsprozess, den die Betriebe bewältigen müssen, vorbereitet werden“, forderte Otto. Dazu müsse das Saarland eine Weiterbildungsoffensive starten, „um die Qualität der Beschäftigung zu erhöhen“. Hier habe das Land Nachholbedarf. Der Anteil der Menschen, die zwischen 25 und 64 Jahre alt sind und an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, liege im Saarland bei 7,9 Prozent, bundesweit schon bei 8,3 Prozent und im EU-Durchschnitt bei 11,1 Prozent. Die Betriebe müssten zudem die Möglichkeit bekommen, bei Kurzarbeit Weiterbildung zu ermöglichen. „Wir brauchen ein Transformations-Kurzarbeitergeld, um Beschäftigung und Qualifizierung zu sichern“, forderte Caspar.