Arbeitskammer untersucht Arbeitsbedingungen im Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Umfrage unter Betriebs- und Personalräten : Saar-Pflegekräfte beklagen hohe Belastung

Die Arbeitskammer hat die Arbeitsbedingungen in der saarländischen Pflege untersucht. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

In keiner anderen Branche im Saarland sind die Arbeitsbedingungen so angespannt wie in der Pflege. Das geht aus dem neuen Betriebsbarometer 2019 der Arbeitskammer (AK) des Saarlandes hervor. Alle zwei Jahre befragt die Kammer Betriebs- und Personalräte. 24 Rückmeldungen, die 17 000 Beschäftigte in der Pflege repräsentieren, davon 5000 Pflegende, verweisen in diesem Jahr auf besonders hohen Stress in den Pflegeberufen. Dieser entstehe vor allem durch eine zu dünne Personaldecke. Auch der Krankenstand sei so stark angestiegen wie in keiner anderen Branche. Die AK sieht hier dringenden Handlungsbedarf.

Am häufigsten wird demach kritisiert, dass es keine Verlässlichkeit in den Dienstplänen gebe. Wegen der hohen Krankenstände müssten Mitarbeiter häufig Schichten von Kolleginnen und Kollegen übernehmen. Die Verlässlichkeit von Dienstplänen und die Planbarkeit von Arbeit und Freizeit sei das häufigste Anliegen, das von Mitarbeitern gegenüber Personalräten und Betriebsräten vorgebracht werde.

Die dünne Personaldecke führe auch verstärkt zu psychischen Belastungen, denn auch der Umgang mit Patienten, Kunden, Klienten und Lieferanten gestalte sich wegen des erhöhten Stresses für viele schwierig. Da sich herumspreche, wie anstrengend und kräftezehrend eine Tätigkeit in der Pflege sein kann, falle es immer schwerer, Stellen zu besetzen, geht aus der Umfrage hervor.

Die Arbeitskammer fordert deshalb die Arbeitgeber in der Pflege und die Landesregierung dazu auf, mehr für gute Arbeitsbedingungen zu tun. Zumal die Beschäftigten ihren Beruf grundsätzlich gerne ausübten.

Zunehmende Belastungen durch Zeitdruck und Stress wird in allen Branchen, die die Arbeitskammer untersucht hat, als Hauptkritikpunkt genannt. Am häufigsten kommt diese Klage aus der Gruppe der Beschäftigten im Handel und Verkehr, gefolgt von Mitarbeitern in Betrieben des produzierenden Gewerbes und auch aus der Verwaltung. Aus Betrieben von privaten Dienstleistern mit häufigem Kundenkontakt kommt zudem verstärkt die Beschwerde, Kunden seien zunehmend fordernd und aggressiv, was die psychischen Belastungen der Mitarbeiter erhöhe, zeigt das Betriebsbarometer.

Neben der Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen bemängelt die Arbeitskammer eine fehlende Bereitschaft in zahlreichen Betrieben, Weiterbildung anzubieten. „Die saarländischen Betriebe und Dienststellen sind von einer vorausschauenden und systematischen Weiterbildungsstrategie noch weit entfernt“, kritisiert Kammer-Hauptgeschäftsführer Thomas Otto. Besonders tragisch wirke sich das für ungelernte Arbeitskräfte aus. Für sie gebe es so gut wie nie Weiterbildung. Dabei könnten sie mit einer entsprechenden Förderung auch zu Fachkräften ausgebildet werden.

Der Verband der Metall- und Elektroindustrie widerspricht der Arbeitskammer. „Weiterbildung ist für die saarländischen Unternehmen ein essenziell wichtiges Thema“, sagt Hauptgeschäftsführer Martin Schlechter. Gerade angesichts der Herausforderung durch die Digitalisierung setzten die Betriebe auf Weiterbildung, um ihre Mitarbeiter für die geänderten Anforderungen auf den neuesten Stand zu bringen.

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