Arbeitskammer-Betriebsbarometer: Saarländer wollen mir Weiterbildung

Kostenpflichtiger Inhalt: Arbeitskammer-Umfrage : Saarländer wollen mehr Fortbildung in den Betrieben

Saar-Arbeitgeber legen zu wenig Wert auf die Weiterqualifizierung, rügen Arbeitnehmervertreter in einer neuen Umfrage der Arbeitskammer.

Viele Betriebe im Saarland bieten nach Angaben der Arbeitskammer keine oder nur wenig Weiterbildung an. Das kritisieren einer Umfrage zufolge immer mehr Beschäftigte, die verunsichert sind von den zahlreichen Veränderungen durch die Digitalisierung und dem stärkeren Einsatz von Robotern.

Die Arbeitskammer hat in ihrem neuen Betriebsbarometer 2019, in dem 236 Betriebs- und Personalräte zu der Stimmung und den Arbeitsbedingungen in den Saar-Betrieben befragt wurden, nach eigenen Angaben einen starken Wunsch vieler Mitarbeiter nach mehr Weiterbildung ausgemacht. Die 236 Arbeitnehmervertreter repräsentieren nach Angaben der Arbeitskammer insgesamt 120 547 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Saar-Arbeitskammer. Foto: Pasquale D'Angiolillo/PDA

„Die saarländischen Betriebe und Dienststellen sind von einer vorausschauenden und systematischen Weiterbildungsstrategie noch weit entfernt“, kritisiert Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Saar-Arbeitskammer. Das Betriebsbarometer kommt zugleich zu dem Schluss, dass immer mehr Stellen nicht mehr besetzt werden können, weil Fachkräfte fehlen. Gerade auch vor diesem Hintergrund werde es immer wichtiger, dem vorhandenen Personal Weiterbildung und Qualifizierung anzubieten, damit es neue Herausforderungen und andere Tätigkeiten annehmen kann. Doch in der Realität existiere nur in etwa der Hälfte der Betriebe an der Saar überhaupt ein Weiterbildungsbudget. Gleichzeitig stellt die Arbeitskammer fest: „Je höher die Position oder Qualifikation, desto wahrscheinlicher ist es, von Weiterbildung zu profitieren.“

Tatsächlich nähmen aber nur in gut einem Drittel der Betriebe und Dienststellen im Saarland Führungskräfte häufig an Weiterbildung teil. Auch das stelle ein großes Problem dar. Wo schon keine Führungskräfte an Weiterbildungsangeboten teilnähmen, da werde noch seltener Weiterbildung für einfache Mitarbeiter angeboten. Verlierer seien hier besonders ungelernte Kräfte. Für sie gibt es nach den Erkenntnissen des Betriebsbarometers fast nie Weiterbildung. Gerade sie könne man mit einer Weiterqualifizierung zu Fachkräften ausbilden.

Martin Schlechter, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie (ME Saar) widersprach gestern der Analyse der Arbeitskammer. Weiterbildung sei in Saar-Betrieben ein wichtiges Thema. Gerade angesichts der Digitalisierung und ihrer höheren Herausforderungen „setzen die Unternehmen auf Weiterbildung, um ihre Mitarbeiter für die neuen Anforderungen auf den neuesten Stand zu bringen“.

Große Mängel in den Arbeitsbedingungen stellte die Arbeitskammer in ihrem Betriebsbarometer im Bereich der Pflegeberufe fest. Hier werde von Arbeitnehmervertretern besonders über nicht verlässliche Dienstpläne, hohen Krankenstand und fehlendes Personal geklagt.

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