Angst vor der Insolvenz der Gusswerke Saarbrücken

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarbrücker Gießerei in der Krise : Gibt es noch Rettung für die Gusswerke Saarbrücken?

Die Zukunft der Gusswerke Saarbrücken steht auf Messers Schneide. Die Furcht vor einer Insolvenz wächst. Der Betriebsratschef der Saarbrücker Gießerei rechnet an diesem Freitag mit einer Entscheidung.

An diesem Freitag ist der Tag der Entscheidung für die Gusswerke Saarbrücken. Davon geht der Betriebsratsvorsitzende Bernd Geier aus. „Entweder Insolvenz – oder es geht weiter“, sagt er. Seitdem Ende August weder die zugesagten Abfindungen für rund 200 ausgeschiedene Beschäftigte noch Löhne für die verbliebenen rund 1000 Mitarbeiter gezahlt wurden, wächst die Angst vor der Pleite. „Die einen sind wütend, andere resigniert, wieder andere in der Arbeit vergraben“, beschreibt Geier die Stimmung der Betroffenen.

Dieser Freitag, 20. September, könnte in der Tat ein entscheidender sein. Denn nach SZ-Informationen gehen alle, die an den Verhandlungen über eine Rettung der Gießerei beteiligt sind, davon aus, dass seit Monatsbeginn eine wichtige Drei-Wochen-Frist läuft. Ein Unternehmen muss nämlich wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden, „wenn es nicht in der Lage ist, 90 Prozent seiner fälligen Verbindlichkeiten innerhalb von drei Wochen zu begleichen“, erläutert der Saarbrücker Insolvenzanwalt Marc Herbert. Überschreiten Geschäftsführer diese Frist, müssen sie strafrechtliche und finanzielle Folgen für sich fürchten.

Die Angst vor der Insolvenz erhält Nahrung durch einen Bericht des Handelsblatts. Demnach ist die vorige Woche verkündete Einigung von Großkunden, die eigentlich die Rettung bedeuten sollte, wieder geplatzt. Volkswagen soll demnach vor Unterzeichnung der Verträge Nachbesserungen gefordert haben, die sich nicht realisieren ließen. Dabei soll es um Garantien für versprochene Landesbürgschaften gegangen sein. Allein das Saarland hatte Hilfen im Umfang von 50 Millionen Euro zugesagt – vor allem in Form von Bürgschaften für Zukunftsinvestitionen. Diese sind aber abhängig von einem Gutachten, das den Gusswerken eine positive Zukunftsprognose bescheinigt. Dafür soll aber die Zusage für einen mittleren einstelligen Millionenbetrag fehlen, schreibt das Handelsblatt mit Berufung auf das Umfeld der Investoren von Avir Guss. Die Avir Guss Holding ist die Dachgesellschaft der Gusswerke Saarbrücken und des Schwesterunternehmens in Leipzig. Auf wiederholte Anfragen der SZ reagiert die Geschäftsführung von Avir Guss und der Gusswerke bislang nicht.

Vor einer Woche schien noch die Rettung der Motorblock-Gießerei gesichert. Avir-Guss-Geschäftsführer Frank Günther hatte verkündet, dass sich die wichtigen Großkunden Volkswagen, General Motors (GM) und auch der Motorenhersteller Deutz auf ein Hilfspaket verständigt hätten. Von den Großkunden hängt das Wohl und Wehe der früheren Neue Halberg Guss ab. Schon die Übernahme der Gießerei vom früheren Eigentümer Prevent war von Großkunden finanziert worden: im Wesentlichen von General Motors und Deutz. Volkswagen hatte sich nicht unmittelbar beteiligt, aber nach eigenen Angaben feste Zusagen über die Abnahme von Gussteilen gemacht.

Die neue Vereinbarung der Großkunden sollte nun nicht nur die Zahlung der Löhne und der Abfindungen absichern, sondern auch die Kosten der langfristigen Sanierung. Dem Handelsblatt zufolge kommen aus dem Investorenkonsortium Vorwürfe, dass es VW am guten Willen fehle, sich an der Rettung wie alle anderen  zu beteiligen. Der Wolfsburger Konzern sieht das anders. So habe VW neben Aufträgen etwa die Zahlung von 4,2 Millionen Euro für den Standort Leipzig bewilligt. Auch habe der Konzern Zahlungen vorgezogen, um Löhne abzusichern. Ausgeschlossen ist eine Rettung der Gusswerke aber nicht. Auch an diesem Freitag soll weiter verhandelt werden, hieß es.

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