Nach „Lyonerhochzeit“ Klagewelle droht – Ärger nach Schröder-Übernahme durch Schwamm

Update | Saarbrücken · Wurden nach der Übernahme des Wurstherstellers Schröder durch den Konkurrenten Schwamm Vereinbarungen nicht eingehalten? So lautet der Vorwurf der Gewerkschaft Nahrung-Genuss, Gaststätten (NGG), die nun mit einer Klagewelle droht.

 Nach der Schröder-Übernahme durch Schwamm beklagt die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) nicht eingehaltene Vereinbarungen.

Nach der Schröder-Übernahme durch Schwamm beklagt die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) nicht eingehaltene Vereinbarungen.

Foto: BeckerBredel

Die als Lyoner-Hochzeit bezeichnete Übernahme von Schröder durch den Konkurrenten Schwamm könnte Monate danach vor Gericht landen. Denn die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) erhebt nach der Übernahme schwere Vorwürfe.

Mehr als 100 Klagen bereitet die NGG vor

Der saarländische NGG-Chef Tobias Wolfanger kündigt am Montag, 4. Dezember, eine mögliche Klagewelle an. Die Rede ist von „mehr als 100 Klagen“, die im Raum stünden.

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Foto: Nina Zapf-Schramm

Es geht um Zusagen, die nach der Übernahme von Schröder durch Schwamm nicht eingehalten worden seien. Dadurch gingen den betroffenen Beschäftigten beim ehemaligen Arbeitgeber etliche Forderungen durch die Lappen.

NGG-Chef Tobias Wolfanger spricht von nicht eingehaltenen Zusagen

Und die Liste dessen, auf der Umsetzung NGG pocht, ist lang, wie Wolfanger im Gespräch mit der SZ sagt. So seien vereinbarte Wechselprämien von 6000 Euro pro Angestellten nur vereinzelt geflossen, sagt er. „Überstunden aus der Zeit bei Schröder sind bislang nicht abgegolten.“ Hier gehe es im Einzelfall um bis zu 100 Stunden pro Mitarbeiter und damit um ein Monatsgehalt.

Darüber hinaus gehe es um Geld der früheren Lieferantenfahrer bei Schröder, das nach wie vor nicht ausbezahlt worden sein soll. Anteiliges Urlaubsgeld und noch nicht genommene Urlaubstage stünden ebenso aus.

Zig ehemalige Schröder-Beschäftigte warten auf ihre Papiere

Doch es seien nicht nur die finanziellen Ausstände, die Wolfanger anprangert. Arbeitszeugnisse seien zugesagt worden, bislang aber nicht ausgestellt. „Dabei ist das wichtig, um eine neue Stelle zu erhalten.“ Gleiches gelte für Gesundheitspapiere für Fahrer. Nur mit diesen Papieren seien sie berechtigt, Frischware auszuliefern.

Aus der einstigen Lyoner-Hochzeit vom Sommer drohe dadurch „wohl bald ein Rosenkrieg“ zu werden warnt der NGG-Geschäftsführer. Denn mindestens 100 Arbeitnehmer, die einst bei Schröder-Fleischwaren beschäftigt waren, warteten darauf, dass die vereinbarten Zusagen endlich eingelöst werden.

Die NGG betonte am Montag zwar, dass die Forderungen rechtlich nicht gegenüber der Firma Schwamm bestehen, sondern gegenüber der alten Firma Schröder Fleischwarenfabrik GmbH & Co.KG, deren Personal, Gebäude und Immobilien sowie Rezepte und Marke von Schwamm aufgekauft wurden. Jedoch sieht die NGG auch Schwamm als Käufer und Geldgeber von Schröder in der „moralischen Verantwortung“.

Nur noch 90 der einst 200 Mitarbeiter übrig

Von den einst 220 Schröder-Beschäftigten seien knapp 90 übernommen worden. NGG habe darum insbesondere für Verkäufer eine Wechselprämie ausgehandelt. Außerdem sollten sie für bis zu einem Jahr in einer Transfergesellschaft unterkommen, um darüber in einen neuen Job zu wechseln.

Wolfanger informiert in einer Pressemitteilung: „Der Deal war, dass die Kolleginnen und Kollegen nach dem 1. Oktober schnell ihre Offenstände durch die bisherige Firma Schröder Fleischwarenfabrik GmbH und Co. KG, wie z. B. die Wechselprämie, Überstunden, Urlaubsabgeltung, Fahrerkautionen, anteiliges Weihnachtsgeld sowie ein qualifiziertes Arbeitszeugnis und eventuell notwendige Unterlagen wie Gesundheitszeugnisse ausgehändigt bekommen.“

NGG spricht von Forderungen von mehreren 100 000 Euro

Doch auch zwei Monate später warteten die meisten ehemaligen Schröder-Mitarbeiter darauf. Wolfanger: „Das ist ein Skandal.“ Unzählige Gespräche mit Verantwortlichen hätten zu keinem Ergebnis geführt. Grund genug für NGG, alle Mitglieder, die einst bei Schröder unter Vertrag waren, anzuschreiben. Die Gewerkschaft biete ihnen an, die Offenstände einzuklagen.

Die Zeit drängt, denn der NGG und den betroffenen Beschäftigten sitzt eine Frist im Nacken, die etwaige Ansprüche zum Jahreswechsel verfallen lässt, wie Wolfanger sagt. Nach grober Schätzung geht er davon aus, dass die Forderungen der Schröder-Mitarbeiter mehrere 100 000 Euro ausmachen könnten, sagt er.

Unterdessen reagierte die Schröder-Geschäftsführung über die Anwaltskanzlei Abel auf die NGG-Vorwürfe. So präzisierte diese die geschäftlichen Beziehungen zwischen Schwamm und Schröder einerseits sowie andererseits zu den Abmachungen mit der Gewerkschaft.

Rechtsanwaltskanzlei verweist im Namen des Unternehmens auf getrennte Buchführung von Schwamm und Schröder

So habe die NGG „weder einen Deal mit der Firma Schröder noch mit der Firma Schwamm abgeschlossen“. Hintergrund: Nachdem Schwamm die benachbarte Fleischwarenfirma Schröder übernommen hatte, brachte der Neubesitzer das Unternehmen Schröder als neu gegründete Gesellschaft an den Markt. So sei Schröder nach wie vor für die Forderungen zuständig.

So sei nach Schröder-Angaben zwischen dem Betriebsrat und der Firma Schröder eine Betriebsvereinbarung geschlossen „und auf deren Basis eine Transfergesellschaft errichtet“ worden. In dieser seien rund 85 Mitarbeiter. Laut Abel und der Schröder-Leitung sollen „bereits rund 25 davon eine neue Arbeitsstelle gefunden“ haben. Die übrigen bekämen zurzeit Geld von dieser Transfergesellschaft. „Rückstände bestehen keine.“ Mit den anderen ehemaligen Schröder-Beschäftigten seien einvernehmlich Aufhebungsvereinbarungen geschlossen worden.

Verzögerungen eingeräumt

Die Schröder-Geschäftsführung betont abermals, dass es keine Vereinbarung zwischen der NGG und der Firma Schwamm gebe. Denn diese sei „weder Vertragspartner der Betriebsvereinbarung, noch hat sie Zahlungen zugesagt oder ist mit solchen in Rückstand“. So richteten sich Ansprüche ausnahmslos an die ehemalige Schröder-Gesellschaft. Diese Abrechnung sei teilweise schon erfolgt. In der Tat habe es dabei aus organisatorischen Gründen Verzögerungen gegeben. An der Aufarbeitung werde „mit Hochdruck“ gearbeitet. Die entsprechenden Kollegen sollten die Abrechnung abwarten.

Trotz der offiziell getrennten Buchführung beider Unternehmen Schwamm und Schröder bleibt Wolfanger in einer Richtigstellung zu den Gesellschafterstrukturen dabei: „Schwamm steht nach unserer Auffassung aber jedenfalls in der moralischen Verpflichtung als Käufer und Geldgeber, dass alle, die er nicht übernehmen wollte, zu ihrem Recht kommen.“ Indes versteht Abel als Rechtsvertreter nicht, warum die Gewerkschaft es auf eine Konfrontation anlegt.

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