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Abel: Weiterbetrieb der Gusswerke Saarbrücken bis Ende März gesichert

Kostenpflichtiger Inhalt: Gießerei kämpft ums Überleben : Gusswerke Saarbrücken vor sofortiger Schließung bewahrt

Auf der Gläubigerversammlung der Gusswerke Saarbrücken ging es am Mittwoch um alles. Beinahe hätte ein Gläubiger das Aus des Unternehmens durchgesetzt. Jetzt gibt es doch wieder Hoffnung auf eine echte Rettung.

Auf der Gläubigerversammlung der insolventen Saarbrücker Gusswerke ging es am Mittwoch hoch her. „Es stand Spitz auf Knopf“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD) im Anschluss. Der Gießerei drohte die sofortige Schließung. „Wir haben die Fortsetzung des Betriebs bis zum 31. März erkämpft“, sagte Insolvenzverwalter Franz Abel nach stundenlangen Auseinandersetzungen vor dem Insolvenzgericht in Sulzbach. Damit sind die Arbeitsplätze der noch gut 400 Beschäftigten zumindest bis dahin gesichert. Gekündigt worden war ihnen schon im Dezember zum 31. März. Damals schien aber der Weiterbetrieb mit einer Rumpfbelegschaft zunächst in trockenen Tüchern, nachdem zwei Wochen zuvor schon nach dem Abspringen des Kunden General Motors (GM) 600 Beschäftigte freigestellt worden waren.

Nun versuchte aber laut Abel der frühere Großkunde über eine Millionenforderung eine sofortige Stilllegung durchzusetzen. Die Gründe dafür sind allerdings unklar. Eigentlich hätte der US-Autokonzern GM die Stimmenmehrheit in der Gläubigerversammlung gehabt, Abel setzte vor dem Insolvenzgericht aber eine Halbierung der Stimmrechte durch. Dadurch konnten die anderen Gläubiger GM überstimmen.

Der Insolvenzverwalter der Gusswerke Saarbrücken, Franz Abel, hält weiterhin eine Rettung des Unternehmens für möglich. Foto: BeckerBredel

Aus Abels Sicht könne man „nicht ausschließen, dass GM bewusst die Insolvenz hinausgezögert hat“. Der Autobauer hatte sich im vergangenen Jahr mit der hessischen Gießerei Fritz Winter einen neuen Lieferanten gesucht. Die Umstellung muss viele Monate gedauert haben. Möglicherweise hatte GM über lange Zeit mit Aufträgen an die Gusswerke Saarbrücken einen Puffer mit Motorblöcken aufgebaut, um Lager zu füllen und Zeit für die Umstellung zu haben. Die Gusswerke meldeten im September Insolvenz an. Davor hatten die frühere Geschäftsführung von One Square Advisors über Monate vergeblich versucht, eine Einigung von GM, Deutz und VW über ein Sanierungskonzept für die Gusswerke zu erzielen.

„Nun haben wir Luft gewonnen bis zum 31. März“, sagte Abel, nachdem das sofortige Aus abgewendet ist. Die verbliebenen Kunden, vor allem der Motorbauer Deutz, hätten signalisiert, dabei zu bleiben. Weiterhin werde gemeinsam mit dem potenziellen Investor, der Neunkircher Ferraro Group, an einem Zukunftskonzept gearbeitet. Um genügend Aufträge für den Weiterbetrieb zu haben, würden die früheren Großkunden VW und Daimler angesprochen, sagte der Insolvenzverwalter. Neukunden helfen den Gusswerken im Moment nicht, weil der Vorlauf für den Start eines Produkts bis zu einem Jahr dauern kann. Natürlich würden auch Aufträge von GM helfen. Darauf hatte auch Abel im Dezember noch gehofft. „Das ist vorbei“, sagte er jedoch mit Blick auf die Forderung von GM auf der Gläubigerversammlung.

Ferraro hat sich nach Angaben des Insolvenzverwalters mit einem ausgewiesenen Guss-Experten verstärkt, um die Chancen auf Aufträge zu steigern. Denn mancher potenzieller Kunde ist anscheinend skeptisch, einer Gießerei Aufträge zu geben, hinter der ein Unternehmen steht, das sein Geld im Wesentlichen mit dem Abbruch von Gebäuden verdient. Mit dem Fachmann an der Seite hofft man bei Ferrao offenbar, mögliche Kunden leichter überzeugen zu können.

Außerdem sicherte Wirtschaftsstaatssekretär Barke den Einstieg des Landes zu, wenn ein überzeugendes Zukunftskonzept vorliegt. Das Engagement kann Bürgschaften umfassen, aber auch den Kauf von Immobilien und Anlagen, die Ferraro dann zum Beispiel mieten könnte. Abel und Barke halten nach wie vor eine Rettung der Gusswerke für möglich, so dass die Schließung Ende März verhindert werden kann. Dadurch könnten erst einmal zumindest 400 Arbeitsplätze auf Dauer gesichert werden. Im Juli hatte die frühere Halberg Guss noch 1200 Mitarbeiter.