Abel: 600 Jobs fallen bei Gusswerke Saarbrücken, Ex-Halberg-Guss, weg

Kostenpflichtiger Inhalt: Autozulieferer kämpft ums Überleben : 600 Mitarbeiter der Gusswerke Saarbrücken müssen gehen

Bei den Gusswerken Saarbrücken verkündet der Insolvenzverwalter einen drastischen Stellenabbau. Doch es soll weitergehen – mit einem saarländischen Unternehmen als Investor.

Hiobsbotschaft für die Belegschaft der insolventen Gusswerke Saarbrücken. 600 Mitarbeiter werden zunächst freigestellt und verlieren ihren Job. Das verkündete Insolvenzverwalter Franz Abel am Mittwochmittag auf einer Betriebsversammlung. Mit 400 Beschäftigten soll es weitergehen. Mit der Neunkircher Ferraro Group, einem großen Abrissunternehmen, als Investor. Doch auch das ist nicht sicher. Voraussetzung sei, dass die verbliebenen Kunden bei der Stange bleiben, sagte Abel. Also vor allem die Motorenhersteller Deutz und Perkins sowie in kleinerem Umfang Volvo und Iveco.

Unmittelbarer Auslöser des radikalen Stellenabbaus ist der Ausstieg des größten Kunden General Motors (GM). Am vergangenen Donnerstag habe der amerikanische Autobauer erklärt, keine Teile aus Saarbrücken mehr abnehmen zu wollen. Er bezieht die Gussteile nun von der Gießerei Fritz Winter mit Firmensitz in Stadtallendorf (Hessen), die im Jahr nach eigenen Angaben insgesamt rund 470 000 Tonnen Gussprodukte herstellt. Mindestens sieben Monate habe GM den Wechsel vorbereitet, sagte Abel, will dem Kunden aber keinen Vorwurf machen. „Sie waren es einfach leid.“ VW, GM,und die anderen Kunden hatten unter dem früheren Eigentümer Prevent massiv überhöhte Preise zahlen müssen, und auch unter One Square Advisors lagen sie vermutlich nicht unwesentlich über dem Marktniveau.

„Das Ganze ist alternativlos“, bekräftigte Abel die Notwendigkeit dieses drastischen Jobabbaus. Dabei hatte es nach Darstellung des Insolvenzverwalters bis Donnerstag vergangener Woche, als GM die Absage schickte, noch viel besser ausgesehen, wie Abel erläuterte: Das Zukunftskonzept baute auf Zusagen von GM, Deutz, Perkins und weiteren Kunden. Der saarländische Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD) und ein Vertreter von Abels Kanzlei waren in die USA geflogen und hatten dort bei GM und Perkins, einer Tochter des durch Baumaschinen bekannten Konzerns Caterpillar, vorgesprochen. Mit Erfolg, so Abel. Die Gießerei wäre in der Lage gewesen, „mit 70 000 Tonnen im Jahr schwarze Zahlen zu schreiben, und einen Käufer hatten wir auch“, eben die Ferraro Group. Dann wäre nur der Abbau von etwa 100 Arbeitsplätzen nötig gewesen, schätzt Abel. Die Verträge seien unterschriftsreif gewesen, aber dann sei die Absage von GM gekommen.

Jetzt soll es trotzdem mit 400 Leuten weitergehen. Ferraro stehe weiter als Investor bereit. Voraussetzung sei aber, dass die Kunden insgesamt Zusagen für 30 000 bis 34 000 Tonnen Gussteile im Jahr machten. Auch der Personalabbau sei Bedingung, um an dem Kauf festzuhalten, sagte der Insolvenzverwalter. Es liefen auch Anfragen bei VW und Daimler nach Aufträgen. „Bisher sind keine Absagen gekommen“, sagte Abel. „Wir werden alles daransetzen, den Rest zu retten. Es ist nicht unrealistisch, aber unheimlich schwer.“

Ferraro sei an den Gusswerken interessiert, weil bei den Abrissprojekten rund 400 000 Tonnen Schrott anfielen. Und Schrott ist der Hauptgrundstoff beim Gießen von Motorblöcken. Das Neunkircher Unternehmen wolle damit auch weitere Geschäftsfelder jenseits des reinen Abrisses erschließen, sagte Abel.

Am Ende der Betriebsversammlung können laut Insolvenzverwalter die Mitarbeiter an Infoständen erfragen, ob sie zu denen gehören, die gehen müssen, oder ob sie bleiben können. Auch die Bundesagentur für Arbeit werde vor Ort sein, so dass die, die vom Stellenabbau betroffen sind, den Bezug des Arbeitslosengeldes schnell regeln können. Bei der Auswahl sei maßgeblich gewesen, die „Know-how-Träger zu halten“, sagte Abel. Ansonsten laufe der Stellenabbau quer durch alle Abteilungen. Um den Betroffenen die Formalitäten mit der Arbeitsagentur zu erleichtern, soll in Räumen des Betriebs eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet werden.

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