Saar-Wald wird zur Müllkippe

Saar-Wald wird zur Müllkippe

Saarbrücken. Die Täter kommen in der Nacht und häufig am Wochenende. Sie gehen heimlich vor, niemand soll sehen, was sie im Dunkeln aus ihren Autos laden. Erst das Licht des Tages enthüllt die umweltschädliche und landschaftsästhetische Katastrophe.In den saarländischen Wäldern landet immer mehr Müll

Saarbrücken. Die Täter kommen in der Nacht und häufig am Wochenende. Sie gehen heimlich vor, niemand soll sehen, was sie im Dunkeln aus ihren Autos laden. Erst das Licht des Tages enthüllt die umweltschädliche und landschaftsästhetische Katastrophe.In den saarländischen Wäldern landet immer mehr Müll. Aus fast allen Revieren des Saarforst-Landesbetriebes wurde auf Anfrage ein starker Zuwachs der illegal im Wald entsorgten Abfälle gemeldet. Für die meisten Saar-Förster gehört das Aufsammeln von Müll mittlerweile zur Tagesordnung. "Die Hemmschwelle der Bürger, ihren Müll einfach aus dem Fenster zu werfen respektive den Müllsack einfach aus dem Kofferraum in den Wald hinaus zu stellen, scheint in den letzten beiden Jahren drastisch gesunken zu sein," beschwert sich Peter Schneider, Förster im Urwald vor der Stadt Saarbrücken. "Die Müllsünder handeln offenbar nach dem Motto: Zwei Minuten Angst und du bist das Problem los!"

In den vergangen Jahren haben Müllsünder so gut wie alles in saarländischen Wäldern entsorgt. Tonnenweise Katzenstreu meldet das Revier Sulzbach. Fernseher und Kühlschränke wurden im Revier Lauterbach gefunden. Drei Schubkarren mit Brötchen und ein Hundekadaver wurden im Revier Kirkel entsorgt. Im Staatsforst St. Arnual musste der Förster 46 Autoreifen aus dem Wald entfernen. In St. Ingbert fand der Revierförster-Nord vor einiger Zeit sogar einen Anhänger mit etwa 600 weggeworfen Pornovideos. Im Urwald bei Saarbrücken musste Umweltalarm ausgelöst werden, weil ein Müllsünder mitten im Naturschutzgebiet sein Altöl entsorgte. Dazu kommen im ganzen Land riesige Mengen Bauschutt, gewerbliche Abfälle, Autowracks und Säcke voller Windeln. "Der Saarforst Landesbetrieb gibt jährlich weit über 200 000 Euro dafür aus, wild und illegal abgelagerten Müll aus dem Staatswald zu entfernen," sagt Saarforst Pressesprecher Volker Wild. Die Behörde bringt wilde Müllablagerungen grundsätzlich zur Anzeige und versucht, den Verursachern auf die Spur zu kommen. Doch nach Auskunft der Revierförster werden die wenigsten Müllsünder gestellt. Bußgeldverfahren verlaufen häufig im Sand.

Auffallend ist, dass die Menge des Restmülls, der illegal im Wald entsorgt wird, nach Aussage der meisten Revierleiter vor Ort im letzten Jahr stark zugenommen hat. Viele Förster sehen die Anfang 2011 neu eingeführte Gebührenordnung des Entsorgungsverbands Saar (EVS) als Ursache. "Es mag richtig sein, wenn der EVS sagt, dass der Müll in den Tonnen abgenommen hat. Aber wir Förster wissen auch, wo der Müll landet - in unserem Wald," beschwert sich ein Förster. Diese Vermutung wird von der Saarforst-Leitung nicht geteilt. Sie sieht keine Verbindung zwischen der Restmüll-Zunahme und dem neuen EVS-Gebührensystem.

Das saarländische Umweltministerium nimmt die Aussagen der Saar-Förster zur Kenntnis, will aber keine zusätzlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der illegalen Müllentsorgung treffen. "Wir können nicht ausschließen, dass die Zunahme an Müll im Wald am EVS-Gebührensystem liegt. Wir werden deshalb aber kein System ändern, das die Müllmengen senkt," erklärt eine Sprecherin des Ministeriums.

Der EVS sieht keinen breiten Trend zu Vermüllung der Landschaft. "Wir haben bei unseren Kommunen nachgefragt und festgestellt, dass nicht mehr Müll illegal im öffentlichen Raum entsorgt wird", sagte eine Unternehmenssprecherin. Nur in Einzelfällen wäre Restmüll in öffentlichen Papierkörben gelandet. "Und Leuten, die meinen, sich für Gebühren rächen zu müssen, indem sie ihren Müll in den Wald werfen, kann der EVS auch nicht mit geringeren Gebühren helfen", sagt die Sprecherin.

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