Saar-Verkehrsministerin sieht 365-Euro-Ticket von Bundeszuschuss abhängig

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarland fordert Bundesmittel für ÖPNV-Verbesserung : Rehlinger will das 365-Euro-Jahres-Ticket

Jeden Tag für nur einen Euro überall im Saarland Busse und Bahnen benutzen zu können: Der Traum vieler Saarländer könnte wahr werden.

Immer mehr Saarländerinnen und Saarländer wollen angesichts des Klimawandels selbst einen Beitrag zum Umweltschutz leisten und auf Busse und Bahnen umsteigen. Doch nicht nur die fehlenden Verbindungen sorgen dabei für Frust, sondern auch die hohen Preise für die Fahrkarten des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Vergleich zu anderen Städten und Regionen. So bezahlen etwa Schüler, die ihre Bildungsstätten erreichen müssen und auf den ÖPNV angewiesen sind, jährlich durchaus mehr als 700 Euro für ihr Monatskarten-Abonnement. Dagegen erscheint die österreichische Hauptstadt Wien wie ein ÖPNV-Schlaraffenland: das 365-Euro-Jahres-Ticket haben dort im vergangenen Jahr laut Medienberichten mehr als 800 000 Bus- und Bahnnutzer gekauft. Für jeden Tag einen Euro in den ÖPNV zu investieren, scheint also vielen Zeitgenossen eine lohnende Investition.

Auch in Deutschland gibt es vielerorts Bestrebungen, mit einem 365-Euro-Jahresticket die Menschen zum Umsteigen vom Auto auf den ÖPNV zu animieren. In Görlitz und Reutlingen gibt es dieses Angebot schon. Die von Pendlerströmen und Auto-Chaos dauergestresste Region Rhein-Main mit den Großstädten Frankfurt, Wiesbaden und Mainz hat jetzt einen cleveren Vorstoß gestartet, um mit Hilfe von Bundes-Millionen das 365-Euro-Jahre-Ticket in der ganzen Region zu etablieren. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) will nämlich ÖPNV-Modellregion des Bundes werden. Der RMV-Aufsichtsratschef und Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sandte deshalb ein entsprechendes Schreiben an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU),wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete.

Auch Saarbrücken zieht täglich zehntausende Pendler an, die meisten kommen per Auto. Deshalb will auch die Saar-Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) gerne auf den fahrenden Zug der überall in Deutschland propagierten Verkehrswende aufspringen. „Wir wollen Bus und Bahn im Saarland günstiger, einfacher und attraktiver machen. Als einen Baustein dafür habe ich eine Tarifreform vorgeschlagen, die beispielsweise die unbeliebte Wabe weitgehend unbedeutend macht“, erklärte Rehlinger der SZ. Saarlandweite „Flatrates“ zu günstigen Preisen könnten den ÖPNV für viele attraktiv machen, die ihn bislang nicht nutzten oder eine finanzielle Entlastung schaffen, etwa für Schülerinnen und Schüler, sagte die Nunkircherin. „Die erfolgreiche Einführung des Job-Tickets vor zwei Jahren hat gezeigt, dass dieser Weg besser ist als das wiederholte Drehen der Preisschraube nach oben, das nur zu immer weniger Nutzern geführt hat“, räumte Rehlinger ein. Die vorgeschlagene Tarifoffensive wäre ein Paradigmenwechsel und ein großer Schritt in Richtung eines 365-Euro-Tickets, so die Saar-SPD-Chefin.

Die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD). Foto: dpa/Andreas Arnold

Sie habe eine Tarifoffensive vorgeschlagen, die mit den begrenzten finanziellen Mitteln von Land und Kommunen den größtmöglichen Effekt für eine einfaches, günstiges und attraktives Tarifsystem erziele und sich über die neue Nutzer in Teilen auch refinanzieren könne. „Das 365-Euro-Ticket ist eine sehr gute Idee, die allerdings ohne massive finanzielle Unterstützung des Bundes für Land und Kommunen nicht leistbar ist“, betonte Rehlinger. Ob sich das Saarland in Berlin als Modellregion für das 365-Euro-Ticket bewerben kann, prüft das Verkehrsministerium.

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