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Zum Welttag des Hörens : Führung in der Barock-Gemäldegalerie im Edelhaus im Römermuseum Schwarzenacker

Welttag des Hörens : Barocker Augenschmaus und Hörgenuss

Zum Welttag des Hörens am 3. März gab es eine Sonderführung in der barocken Gemäldesammlung des Römermuseums in Schwarzenacker.

Das Thema „schlecht hören“ geht viele an, dennoch bleibt es oft still darum. „Das hat auch damit zu tun, dass viele Betroffene aus Scham verschweigen, dass sie nicht gut hören. Sie ziehen sich zurück, meiden gesellige Situationen und geraten leicht in soziale Isolation“, ist die Erfahrung von Sabine Emser vom Römermuseum in Schwarzenacker, als sie die Audioführung vorstellt. Hier ermögliche die Technik der FM-Anlage (drahtlose Signalübertragung mittels frequenzmodulierter Funksignale) „einen neuen Zugang und damit auch wieder eine kulturelle Teilhabe für Menschen mit Hörschädigungen“, so Sabine Emser.

Dabei tragen die Gästeführerinnen ein Sendegerät, ein kleines Mikrofon, das die Signale an die Empfangsgeräte der Teilnehmer überträgt – an Kopfhörer oder auch direkt an Cochlea-Implantate oder Hörgeräte der Teilnehmer. Die Technologie ist natürlich auch einsetzbar bei Führungen für Menschen ohne Hörschädigungen – „das ist ein echter Hörgenuss“, ergänzt Stefanie Sartorio vom Römermuseum, die Teilnehmer könnten sich leichter auf das Gesprochene konzentrieren, weil störende Nebengeräusche und -unterhaltungen ausgeblendet werden. „Wir achten darauf, bei den Führungen mit der FM-Anlage besonders sauber zu artikulieren, vielleicht etwas langsamer zu sprechen“, sagen Stefanie Sartorio und Sabine Emser.

Auch wenn das Römermuseum seit zwei Jahren die FM-Anlage nutzt, in Zusammenarbeit mit der Saarpfalz-Touristik und dem Netzwerk Hören, ist das Angebot bislang immer noch eine Art „Geheimtipp“.

Am Aktionstag ging es nun in die Gemäldegalerie, die im barocken Edelhaus untergebracht ist, eine kleine, feine Sammlung spätbarocker Werke, eine Dauerleihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München, die damit in ihre „alte Heimat“ zurück gekehrt sind.

Also: Empfangsgerät umhängen, Kopfhörer aufsetzen, und hinein ins 18. Jahrhundert, in die Zeit und an den Hof von Herzog Christian IV. in Zweibrücken. Denn die meisten Gemälde stammen von dessen Hofmaler Johann Christian von Mannlich (1741 – 1822), wie Gästeführerin Roswitha Chèret berichtet. „Weil die Eltern früh starben, ermöglichte Herzog Christian, der passionierter Kunstkenner, -liebhaber und -sammler war, dem jungen, talentierten Johann Christian von Mannlich eine fundierte Ausbildung als Maler – er konnte sich auf Studienreisen an den italienischen, französischen und flämischen Meistern schulen“, wie Roswitha Chèret erzählt, die ein schier unerschöpflicher Quell an Geschichten rund um den Zweibrücker Hof und das Adelsgeschlecht der Wittelsbacher ist. Denn, wie sie sagt, „Kunst lässt sich ja nicht von Geschichte trennen“, ist verhaftet in Ort und Zeit ihrer Entstehung.

Die rund 30 Ölbilder der Sammlung waren Auftragswerke für den Zweibrücker und Karlsberger Herzogshof, Porträts, Landschaftsszenen und Tierbilder, von Johann Christian von Mannlich, Georg Friedrich Meyer, Daniel Hien, Ferdinand Kobell und Philippe Leclerc.

 „Weiße Schnepfe“, ein Bild aus dem „Vogel-Werk“ von Hofmaler Johann Christian von Mannlich, Öl auf Leinwand, 1779.
„Weiße Schnepfe“, ein Bild aus dem „Vogel-Werk“ von Hofmaler Johann Christian von Mannlich, Öl auf Leinwand, 1779. Foto: jennifer Klein/Jennifer Klein

Hofmaler Johann Christian von Mannlich, der nach dem Tod von Herzog Christian IV. unter dessen Nachfolger Herzog Karl II. August  die „Direktion über sämtliche schönen Künste“ innehatte, rettete einen Großteil der herzoglichen Gemäldesammlung und des Schloss-Inventars vor den französischen Revolutionstruppen und brachte sie nach München. Sie bildeten einen Grundstock für die Sammlung der Alten Pinakothek in München. Seit 2003 sind rund 30 Bilder in Schwarzenacker in der Galerie im Edelhaus untergebracht.

Ein echter „Hingucker“ hängt gleich im ersten Raum: „Büßende Maria Magdalena“ von Johann Christian von Mannlich (1777, Öl auf Leinwand). „Erkennbar an dem Salbengefäß rechts und ihrer üppigen Haarpracht, denn Maria Magdalena salbte ja bekanntlich die Füße Jesu und trocknete sie mit ihrem Haar“, so Roswitha Chèret. Modell für Maria Magdalena habe Mannlichs Frau Barbara gestanden, eine Französin aus Straßburg, die – wie Zeitzeugenberichten zu entnehmen sei – tatsächlich so langes Haar besaß, dass es bis auf den Boden fiel.

In den zumeist idealisierten Landschaften finden sich auch Anklänge an die Region, zum Beispiel die Klosterruine Wörschweiler. Tierszenen zeigen detailreich gemaltes Weidevieh und botanische Studien, oft im milden Licht des Spätnachmittags. Das für das Barock typische „Memento Mori“ (lat. „Gedenke des Todes“), also die Erinnerung an die Vergänglichkeit, findet sich in Ruinen und gebrochenen Säulen. Jagdszenen, Trophäenbilder und Vogelbilder ergänzen die Auswahl.

Und über allem wacht das Porträt von Herzog Christian IV., dessen Blick einem durch den ganzen Raum zu folgen scheint.

Natürlich kann man sich das alles auch alleine anschauen. Aber so, wie es Roswitha Chèret präsentiert, kenntnisreich angerichtet mit vielen Geschichten, das macht einfach Spaß beim Zuhören – ein barocker Augenschmaus und „Hörgenuss“ zugleich.

Eine weitere Führung mit FM-Anlage findet zum Internationalen Museumstag am 17. Mai statt, 15 Uhr, Eintritt frei. Führungen sind auch möglich nach Vereinbarung: Tel. (0 68 48) 73 07 77, E-Mail info@roemermuseum
-schwarzenacker.de

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