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Wegen Coronakrise: Junioren-Radrennen Trofeo fällt in diesem Jahr aus

Interview zur Trofeo-Absage : „Viele Menschen sprechen uns Mut zu“

Die Trofeo, das internationale Junioren-Radrennen der Gemeinde Gersheim, fällt in diesem Jahr aus.

Wolfgang Degott ist ein Trofeo-Urgestein. Schon bei der ersten Auflage des Radrennens, das jährlich die besten Nachwuchsfahrer der Welt in die Region lockt, war er vor 33 Jahren mit dabei. Doch diesen Sommer wird der Cheforganisator der veranstaltenden Gemeinde Gersheim zum ersten Mal arbeitslos sein, wenn eigentlich die internationalen Jungprofis im Saarland und in Frankreich in die Pedale treten sollten. Aufgrund der Corona-Pandemie fällt die LVM-Trofeo aus. Im SZ-Interview spricht Degott über die „unvermeidliche“ Absage, die Zukunft des Rennens – und wie er die freien Tage nutzen will, wenn er nicht die größte Radrennveranstaltung des Saarlandes koordinieren muss.

Herr Degott, wie sehr hat es Sie geschmerzt, die 33. Trofeo in diesem Jahr absagen zu müssen?

Sehr. Ich bin seit der ersten Auflage mit dabei. Seitdem fand das Rennen in jedem Jahr statt. Es war eine schwere Entscheidung. Und sie stellt eine echte Zäsur dar. Letztendlich war die Absage aber nicht zu vermeiden

Wie viel Zeit und Arbeit sind bereits in die Vorbereitung der Trofeo geflossen?

Die Vorbereitungen liefen seit einem halben Jahr. Die Hardware stand, das Fundament war geschaffen. Wir haben alle nötigen Anträge gestellt, die Etappen ausgearbeitet. Wir haben uns mit der Polizei und den Behörden abgestimmt, die Zeitmessung bestellt und Flyer erstellt. Die Sponsoren waren an Bord und die Helfer standen bereit. Wir waren vorbereitet.

Lässt sich der finanzielle Verlust konkret beziffern?

Normalerweise wären wir zu diesem Zeitpunkt richtig in die Werbung gegangen. Dann wäre es sehr teuer geworden. Aber auch so beträgt der Verlust 6000 bis 7000 Euro.

Wolfgang Degott (rechts) stellt jedes Jahr die Etappen der Trofeo vor. Die Etappen standen auch dieses Jahr schon fest. Doch das Rennen muss ausfallen. Foto: Thorsten Wolf

Hatten die internationalen Teams Verständnis für die Absage?

Na sicher, sie wussten ja selbst nicht, ob sie überhaupt ein Team hätten entsenden können. Außerdem sind wir keine Insel, stehen mit der Absage nicht allein da. Auch Paris-Rubaix und die Tour de Suisse fallen aus.

Christian Prudhomme, der Chef der Tour de France, wollte die – nun verschobene – Frankreich-Rundfahrt ab Ende Juni um jeden Preis stattfinden lassen. Und das mit Zuschauern. Haben Sie dafür Verständnis?

Nein. Und mir war auch klar, dass das nicht funktionieren wird. Auch weil in Frankreich aktuell ein so strenges Kontakt- und Ausgehverbot herrscht. Es gibt Dinge, die kann man im Rahmen der Vorbereitung nicht per Video- oder Telefonkonferenz klären. Da muss man sich treffen, vor Ort sein.

Die Folgen der Corona-Krise – auch die wirtschaftlichen – sind im Moment kaum abzusehen. Auch nächstes Jahr könnte das Geld bei bisherigen Sponsoren nicht mehr so locker sitzen. Ist die Trofeo über dieses Jahr hinaus in Gefahr?

Wir hatten eine ähnliche Situation während der Finanzkrise 2008. Die hat uns, was die Sponsoren angeht, schon schwer getroffen. Allerdings sind wir nicht mit dem einen großen Sponsor verheiratet, haben einen großen Mix aus Unterstützern. Wenn da einer abspringt, könnten wir das noch kompensieren. Außerdem unterstützt uns das saarländische Innenministerium jährlich mit 30 000 Euro. Wenn man dann noch draufrechnet, was der Saarpfalzkreis und die teilnehmenden Kommunen und Gemeinden beisteuern, liegt der Anteil, den die Sponsoren am Gesamtetat tragen, bei weniger als der Hälfte.

Also keine Probleme?

Doch natürlich. Wir machen mit der Trofeo keinen Gewinn. Kommen jedes Jahr in etwa bei plus/minus null wieder raus. Jeder Sponsor, den wir verlieren, tut weh. Und wie die Situation bei den Kommunen in einem Jahr aussieht, ist jetzt noch gar nicht abzuschätzen. Denen entgehen durch Corona ja auch Steuereinnahmen. Oder Steuern werden gestundet – inwiefern die zurückgezahlt werden können, muss abgewartet werden. Im Augenblick gibt es noch ganz viele Fragezeichen.

Die Trofeo-Pause bedeutet einen Bruch. Könnte es noch andere Schwierigkeiten geben, die Veranstaltung nächstes Jahr wieder neustarten zu müssen?

Da es diese Situation in der 33-jährigen Geschichte der Trofeo noch nicht gab, kann ich das schwer beurteilen. Ausschließen kann ich es nicht. Wir schließen mit Sponsoren keine Verträge über mehrere Jahre ab. Wir treten jedes Jahr aufs Neue an die Menschen ran.

Dennoch sind Sie zuversichtlich, dass die Trofeo 2021 wieder an den Start geht?

Ja. Ich habe viele Reaktionen von Menschen bekommen, die uns Mut zugesprochen oder ihr Bedauern geäußert haben. Darüber, wie schade es ist, dass die Veranstaltung dieses Jahr ausfallen muss. Die Menschen merken, dass sie die Trofeo vermissen, wenn sie mal nicht stattfindet.

Die Planungen für kommendes Jahr sind schon angelaufen?

Der Antrag bei der UCI (Union Cycliste Internationale, Anm. d. Red.), dass das Rennen nächstes Jahr wieder über vier Tage im Rahmen des Junior-Nations‘-Cup stattfindet, ist eingereicht. Und auch das Datum, vom 10. bis 13. Juni, steht schon fest.

Die Trofeo hätte in diesem Jahr vom 11. bis 14. Juni stattfinden sollen. Normal haben Sie als Cheforganisator dann kaum eine ruhige Minute. Haben Sie schon Pläne, wie Sie die freien Tage nutzen wollen?

Ich werde vielleicht mit ein paar Leuten die Etappen, die für dieses Jahr geplant waren, abfahren. Nicht die volle Distanz, aber die meisten Etappen sind ja Rundkurse. Für ein oder zwei Runden reicht meine Kraft noch.

Das Interview führte Mirko Reuther.