1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis

Urgestein Adolf Holtzmann erinnert sich an die Anfänge des Poolbillards

Billard : Mit fast 80 lehrt er die Jungen das Fürchten

Adolf Holtzmann hat die Anfänge des Poolbillards in den 70er Jahren hautnah miterlebt. Der mehrfache Saarlandmeister und DM-Dritte greift bei den Pool Billard Freunden Blieskastel auch heute noch selbst zum Queue. Gemeinsam mit seinem Sohn Ralf, mit dem er in einer Mannschaft spielt.

Seinen Anfang nahm alles bei einem Glas Bier an der Theke. Denn als Adolf Holtzmann in den frühen 1970er Jahren dem Billardsport verfiel, waren nur wenige Spieler in Vereinen organisiert. Die meisten spielten für Gasthäuser oder Kneipen, die gegeneinander antraten.

Zu jener Zeit war Holtzmann allerdings schon über 30 Jahre alt, geboren wurde er am 20. April 1941 als noch der Zweite Weltkrieg tobte. In wenigen Wochen feiert Holtzmann also seinen 80. Geburtstag. Die saarländische Billardszene mischt der Zweibrücker aber noch immer auf. Er greift in der vierten Mannschaft der Pool Billard Freunde (PBF) Blieskastel in der Bezirksliga zum Queue – an der Seite seines Sohnes Ralf (58). Und der schwärmt davon, was sein Papa auch im fortgeschrittenen Alter am Billardtisch zu leisten imstande ist. „Es ist so schwer, gegen meinen Vater zu spielen. Ich kann nur den Hut davor ziehen, was er noch drauf hat. Es ist toll, mit ihm zusammen spielen zu dürfen“, sagt Ralf Holtzmann. Er wohnt ebenfalls in Zweibrücken und holt den Vater immer zum Training und zu den Spielen ab. Beide sind gelernte Maschinenschlosser und erlernten den Beruf bei der Firma Demag.

Mit dem Billard begonnen hat Adolf Holtzmann in der Gaststätte „beim Leo in der Ixheimer Straße“. Bei einem Freundschaftsspiel im Tanzcafé Astoria in der Poststraße sei der Gegner auf sein Können aufmerksam geworden. „Von denen bin ich dann praktisch ‚abgeworben’ worden“, erinnert sich Holtzmann Senior mit einem Schmunzeln. Das Tanzcafé schloss sich als Verein dem Billardverband im Saarland an. „Zu dieser Zeit ist es dann mit dem Poolbillard überhaupt erst richtig losgegangen“, berichtet Holtzmann, der den Sport mit großem Ehrgeiz betrieb und praktisch jeden Tag trainierte. Und die harte Arbeit trug rasch Früchte. In der „Blauen Taube“ in Kaiserslautern, deren Club ebenfalls unter der Flagge des saarländischen Verbandes spielte, gewann Holtzmann 1979 die Saarlandmeisterschaft im 8-Ball. Zu jenem Zeitpunkt war er bereits zum PBC Zweibrücken gewechselt. Im gleichen Jahr nahm er auch an den Deutschen Meisterschaften teil. In Geldern, in der Nähe der holländischen Grenze, gewann er die Bronzemedaille. „Ich habe sogar einen Spieler aus der damaligen Nationalmannschaft bezwungen und das Finale nur haarscharf verpasst. Das war im Grunde mein größter sportlicher Erfolg“ sagt der Routinier nicht ohne Stolz.

Auch im Seniorenbereich blieb Holtzmann ein gefürchteter Gegner, sammelte auf Landesebene fünf Titel in verschiedenen Altersklassen. Bei der deutschen Seniorenmeisterschaft wurde er Dritter. Im Länderpokal trat er für das Saarland an und fuhr mit dem Team viele respektable Ergebnisse ein. Was zunächst fehlte war „der ganz große Wurf“, erinnert sich Holtzmann. Bis er bei den Länderkämpfen in Mannheim mit der Saar-Auswahl im Finale das Team aus Heidelberg bezwang und den Titel errang.

„Billard war schon immer mein einziges Hobby. Ich bin nun der Älteste im Verband, der noch aktiv ist“, erzählt Adolf Holtzmann. „Ich bin aber leider bekannt wie ein bunter Hund. Deshalb nimmt mich kein Gegner auf die leichte Schulter. Auch wenn er mehrere Jahrzehnte jünger ist als ich“, sagt der fast 80-Jährige und lacht. Er habe zwar nicht mehr ganz das Niveau wie noch vor zehn, 15 Jahren. „Aber ich bin noch immer ehrgeizig und dank meiner Erfahrung kann ich die Jüngeren auch heute noch ärgern“, betont er.

Es sei für ihn etwas Besonderes, im Training gegen seinen eigenen Sohn – und bei den Spielen gemeinsam mit ihm in einer Mannschaft anzutreten. Aber wer von den beiden ist heute der bessere Spieler? „Ich kann noch mithalten“, beantwortet das Billard-Urgestein salomonisch.

Sohn Ralf hatte im Alter von 15 Jahren mit dem Poolbillard begonnen. „Mit 16 habe ich dann bereits zusammen mit meinem Vater beim PBC Zweibrücken in der ersten Mannschaft gespielt. Nach drei oder vier Jahren habe ich dann nach meiner Heirat zunächst aufgehört. Damals war es eben noch ein Kneipensport, bei dem es immer spät wurde“, sagt Holtzmann Junior. In den 1990er Jahren habe er den Sport dann aber wieder aufgenommen. Sein Vater hatte den PBC Zweibrücken zu jenem Zeitpunkt verlassen und sich einem Verein in Bruchhof angeschlossen, ehe er über Altstadt den Weg zu den PBF Blieskastel fand. „Hier fühle ich mich sehr wohl. Ich werde in meinem Leben nicht mehr wechseln“, verspricht der Zweibrücker.

Der 1. Vorsitzende der PBF, Markus Bott, ist stolz darauf, mit Adolf Holtzmann einen „so erfahrenen Spieler in unseren Reihen“ zu haben. „Auch wenn Adolf gesundheitlich etwas angeschlagen ist, bringt er immer noch seine Leistung und hat auch in dieser Saison viele Spiele ‚zu null’ gewonnen.“ Bott ergänzt::„Ich habe ein ganz besonderes Verhältnis zu Adolf, da er mich vor 35 Jahren selbst zum Billardspielen gebracht hat. Es ist toll, einen Spieler hier zu haben, der bereits bei Deutschen Meisterschaften auf dem Siegerpodest stand.“

 Mit seinem Sohn Ralf (links) spielt Adolf Holtzmann noch heute in einer Mannschaft bei den Pool Billard Freunden Blieskastel.
Mit seinem Sohn Ralf (links) spielt Adolf Holtzmann noch heute in einer Mannschaft bei den Pool Billard Freunden Blieskastel. Foto: Stefan Holzhauser

Darüber hinaus sei Adolf Holtzmann der beste Beweis dafür, dass Billard bis ins hohe Alter körperlich und geistig fit halte. Auch wenn dessen Laufbahn vor rund 50 Jahren gewissermaßen mit einem Bier am Tresen einer Kneipe in der Ixheimer Straße in Zweibrücken begann.