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Unesco - Schule Waldorfschule Bexbach erinnert an Opfer des Nationalsozialismus

Erinnerungsarbeit : Damit Opfer nicht vergessen werden

Elftklässler der Waldorfschule in Bexbach engagieren sich beim Projekt „Jeder Name zählt!“ der Unesco-Projektschulen und halten die Erinnerung an die Verbrechen der Nazi-Herrschaft wach.

Die Schülerinnen und Schüler der elften Klasse der Freien Waldorfschule Saar-Pfalz in Bexbach beteiligen sich an dem Projekt „Jeder Name zählt!“ – Bildungs- und Erinnerungsarbeit zum Nationalsozialismus an Unesco-Projektschulen.

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit; der 27. Januar ist somit internationaler Gedenktag für die Opfer und Überlebenden des Nationalsozialismus. Schülerinnen und Schüler aus mehr als 20 Unesco-Projektschulen beteiligen sich vor diesem Hintergrund an der Initiative #everynamecounts der Arolsen Archives. Die Sammlung Arolsen Archives in der hessischen Stadt Bad Arolsen beherbergt über 30 Millionen Akten über Holocaust-Opfer, KZ-Häftlinge, NS-Zwangsarbeiter und die Überlebenden. Die Erinnerung an die Verfolgten und Ermordeten des Nationalsozialismus wachzuhalten, ist Ziel der Institution, die von den Alliierten gegründet wurde, um die Verbrechen der Nationalsozialisten und die Schicksale der Opfer zu dokumentieren. Das Archiv ist für jeden zugänglich und steht teilweise auch online zur Verfügung.

Ausgangspunkt für das Engagement der Bexbacher Schüler war eine Unterrichtseinheit in den vergangenen Wochen zur Entwicklung der „Kunst im Umbruch in die Moderne“ und die Diffamierung als „Entartetete Kunst“ durch die Nationalsozialisten, wie es in der Pressemitteilung der Schule weiter heißt.

Das Schicksal des jüdischen Malers Felix Nussbaum bildete die Brücke zu der Beteiligung an dem Projekt der Arolsen Archives. Bereits 1933 versuchte Felix Nussbaum den Repressionen des NS-Regimes zu entkommen, hielt sich in Belgien, Italien und Frankreich auf, wurde verhaftet und interniert, konnte fliehen und fand in Belgien bei einem befreundeten Bildhauer ein Versteck bis er denunziert wurde. 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert und umgebracht. Die Erfahrung der Repressionen, der Verfolgung und die Zerstörungen durch den Krieg spiegeln sich in dem Werk des Malers.

Durch die Beteiligung in dem Projekt #everynamecounts gewannen die Schüler der Bexbacher Unesco-Projektschule einen eigenständigen Einblick in das Leben anderer Opfer der NS-Verfolgung. Wie bereits das Unterrichtsprojekt zur Kunst der Moderne, fand die Beteiligung an dem Projekt vollständig online statt.

„Das Netzwerk der Unesco-Projektschulen setzt damit auch auf digitalen Wegen ein starkes Zeichen für das historisch-politische Lernen und die Auseinandersetzung mit Holocaust und Nationalsozialismus! Gemeinsam mit den Arolsen Archives wirken wir auch zukünftig an der Gestaltung einer aktiven Erinnerungskultur im Sinne der Global Citizenship Education mit“, unterstreicht Klaus Schilling, Bundeskoordinator der Unesco-Projektschulen.

Mit der Initiative #everynamecounts haben die Arolsen Archives den Aufbau des größten digitalen Denkmals und weltweit umfangreichsten Online-Archivs zu Verfolgten des Nationalsozialismus gestartet.

Aus den zum Weltdokumentenerbe der Unesco zählenden Beständen der Arolsen Archives mit Angaben zu über 17,5 Millionen Menschen werden die Namen und weitere biografische Daten zu Lebenswegen und Familienangehörigen von Opfern des Nationalsozialismus durch Freiwillige digital erfasst. Die Unesco-Projektschulen unterstützen die von 2020 bis 2025 geplante Aktion der Arolsen Archives. Die Initiative steht unter der Schirmherrschaft der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters.

Speziell für die Umsetzung an Schulen wurde Online-Unterrichtsmaterial zur Einführung, Einübung der Datenerfassung und Vertiefung entwickelt. Die gemeinsame Arbeit der weltweit aktiven Freiwilligen für #everynamecounts funktioniert über eine Crowdsourcing-Plattform, auf der zum 27. Januar rund 600 000 Dokumente aus deutschen Konzentrationslagern bereitstanden.

Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives, verdeutlicht in der Pressemitteilung der Schule: „Das Projekt baut eine Brücke zwischen dem Gedenken an die Vergangenheit und dem Engagement der Menschen von heute. Junge Leute, die keinen persönlichen Bezug zum Holocaust haben, sind dankbar für diese Möglichkeit, persönlich und nachhaltig dazu beizutragen, dass die Namen der Opfer nicht vergessen und ihre Geschichten erzählt werden.“