1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis

Umschulung mit Stockschlägen

Umschulung mit Stockschlägen

Homburg. "Als ich versuchte, mit links zu schreiben, schlug der Lehrer mit dem Stock auf meine linke Hand", erzählt der 69-jährige Helmut Steitz, Landwirt aus Websweiler. Wie so viele andere seiner Generation, wurde er als Linkshänder in der Schule gezwungen, mit rechts zu schreiben. Helmut Steitz war als kleines Kind schon geprägt, alles mit links zu machen

Homburg. "Als ich versuchte, mit links zu schreiben, schlug der Lehrer mit dem Stock auf meine linke Hand", erzählt der 69-jährige Helmut Steitz, Landwirt aus Websweiler. Wie so viele andere seiner Generation, wurde er als Linkshänder in der Schule gezwungen, mit rechts zu schreiben. Helmut Steitz war als kleines Kind schon geprägt, alles mit links zu machen. Als er 1945 eingeschult wurde, benutzte er beim Malen noch die linke Hand. Doch dann, als es an die ersten Buchstaben ging, fiel dem Lehrer auf, dass er mit der "falschen" Hand schrieb. "Anfangs fiel es mir schwer, die rechte Hand zu benutzen, doch der Lehrer war immer mit dem Stock hinter mir her, also blieb mir keine Wahl", sagt Steitz. Das Schreiben mit der rechten Hand hat er schließlich gelernt - und es macht ihm auch keine Mühe mehr. Er ist sogar froh, mit rechts schreiben zu können. "Mit links zu schreiben wirkt vom Schriftbild her so unnatürlich, da kann man gar nicht lesen was man schreibt", findet Helmut Steitz.Psychische BelastungEr stehe nicht hinter dem Zwang, mit rechts schreiben zu müssen, der damals herrschte, aber für ihn persönlich sehe er es im Nachhinein nicht mehr unbedingt als Nachteil an. Außer Schreiben führt Steitz jedoch alle Arbeiten nach wie vor mit links aus. Besonders die Dinge, die sehr viel Präzision erfordern, wie zum Beispiel beim Schießen oder beim Benutzen von Werkzeugen. "Ich habe einfach viel mehr Geschick mit der linken Hand", sagt er. Auf die Frage, ob er denn Werkzeuge speziell für Linkshänder habe, antwortet er: " Ich sehe keinen Nachteil für mich bei den herkömmlichen Werkzeugen und habe auch nie darauf geachtet, ob sie für Links-, oder für Rechtshänder gemacht sind." Manche, wie im Falle von Landwirt Steitz, haben Glück und sind durch diese Umschulung nicht psychisch belastet. Doch es gibt andere Fälle, die sehr unter dieser Umstellung litten und immer noch leiden. Psychologen nehmen an, dass die Handlungshand überkreuz verbunden ist mit der dominanten Gehirnhälfte -, im Falle der linken Hand ist es also die rechte Gehirnhälfte. Durch die Umschulung würde die Handlungshand zwar durch Zwang gewechselt, doch die dominante Gehirnhälfte bleibt dieselbe. Somit sei diese Gehirnhälfte überlastet und aktionsbehindert. Ein Mangel an Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit, sowie Belastbarkeit, seien nur einige der Folgen, die auftreten könnten. Auch beim Sprechen könnten durch eine Umschulung negative Folgen auftreten. Durch die Überlastung der rechten Gehirnhälfte vergäßen umgeschulte Linkshänder sehr schnell was sie sagen wollen, sie verhaspelten sich und fingen an zu stottern, was sie am Ende zu sehr anstrengenden Gesprächspartnern mache.sst