Tipps für Pilzesammler und mehr bei Pilzfreunde Saar-Pfalz in Bexbach

Herbstzeit ist Pilzzeit : Reise ins faszinierende Reich der Pilze

Pilze sind überall. Es gibt Pilze an Land, im Wasser, in der Erde, an Bäumen oder im Kühlschrank, auf Füßen oder im Darm. Manche Pilze sind essbar, andere giftig, einige können heilende Wirkung haben.

Wie groß und vielfältig das Reich der Pilze ist, fasziniert auch Thomas Brandt und Jörg Schuh von den Pilzfreunden Saarpfalz immer wieder. Brandt ist auch geprüfter Pilzsachverständiger der deutschen Gesellschaft für Mykologie. Die Pilzfreunde Saarpfalz mit ihren rund 130 Mitgliedern sind übrigens der einzige pilzkundliche Verein im Saarland.

„Die meisten Menschen interessiert zunächst: Welcher Pilz ist essbar, welcher nicht?“, ist die Erfahrung der Pilzexperten. Jenseits des obligatorischen Champignons in Rahmsoße, dekoriert auf einem Schnitzel, gibt es ja noch anderes: Mit Pfifferlingen, Steinpilzen, Stockschwämmchen und Co. lassen sich kulinarische Köstlichkeiten zubereiten. Wer den Pilzgeschmack und auch die Unterschiede der einzelnen Pilzsorten herausschmecken möchte, dem rät Thomas Brandt zur puristischen Variante: mit Butter in der Pfanne anbraten, salzen und pfeffern, Brot dazu. Darüber hinaus gibt es schier unendliche Variationen, vom Omelett über das Pilzragout bis hin zur Wildschwein-Terrine mit Trüffeln.

„Pilzzeit ist eigentlich das ganze Jahr über“, erklärt Brandt. Aber gerade im Herbst, wenn genügend Regen fällt, ist „Schwammerl-Zeit“, wie man in Österreich sagt, dann sprießen die Pilze besonders üppig. Für alle, die mit Körbchen und Messer „in die Pilze“ gehen wollen, haben die Pilzfreunde einige Faustregeln: Mit sogenannten „Schwammpilzen“ ist man eher auf der sicheren Seite als mit Lamellenpilzen – ein Blick unter den Pilzhut offenbart, zu welcher Gruppe der Pilz gehört. Ein typischer Schwammpilz ist zum Beispiel der Maronenröhrling, der recht häufig vorkommt. Pilze sammeln darf man übrigens aus Naturschutzgründen nicht in großem Stil, sondern für den Eigenbedarf, zulässig sind ein Kilo pro Tag pro Person. Was das Bestimmen von Pilzen angeht, gilt: „Übung macht den Meister“. Ein Pilzbestimmungsbuch ist hilfreich. Je öfter man im Wald unterwegs ist und Pilze anschaut, umso mehr Sicherheit gewinnt man, weiß Jörg Schuh aus eigener Erfahrung. Er sei schon als kleiner Bub mit seinem Vater in den Wald gegangen, und habe so im Lauf der Jahre Vieles über Pilze gelernt, und sich dann später selbst intensiver mit dem Thema beschäftigt.

Stockschwämmchen stehen in ganzen Grüppchen zusammen. Foto: Thomas Brandt

Und weil die moderne Technik auch im Reich der Pilze angekommen ist, gibt es verschiedene Pilzbestimmungs-Apps. Lädt man sich die App herunter, kann man dann das Handy über seinen Fund halten, und die App sagt einem, um welchen Pilz es sich handelt. Die Apps seien zwar „nicht unbedingt verkehrt – dadurch kommen einige Leute in den Wald, die sich vorher nicht mit dem Thema befasst haben“, erklärt Thomas Brandt. Blind vertrauen sollte man den Apps allerdings nicht. Besser sei es, im Zweifelsfall den Fund bei Pilzsachverständigen absichern zu lassen –  einfach anrufen nach dem Waldspaziergang und seinen Fund zeigen. Mit ihrer Beratung haben die Pilzfreunde schon einige Vergiftungen verhindert.

Pfifferlinge gehören zu den bekanntesten Speisepilzen. Foto: Thomas Brandt

Denn zum Beispiel die leckeren Stockschwämmchen haben einen giftigen „Doppelgänger“, den Gifthäubling – besonders gefährlich deshalb, weil beide teils auf einem Stamm wachsen und deshalb leicht verwechselt werden können. Der Gifthäubling unterscheidet sich nur durch seine silbrig überfaserten Stiele vom Stockschwämmchen.

Und wer noch das alte Pilzbestimmungsbuch des Opas zu Hause hat: Inzwischen gebe es einige neue Erkenntnisse, so Schuh. Der Grünling beispielsweise, der gerne auf Sandböden unter Kiefern wächst, sei früher oft als Speisepilz gesammelt worden. Heute seien jedoch einige Fälle bekannt, in denen der Pilz eine Muskelschwäche teils mit tödlichem Ausgang verursacht hat.

Der Maronenröhrling kommt auch in unserer Region häufig vor und bereichert die Pilzpfanne. Foto: Thomas Brandt

Oder Spezialfälle wie der Falten-Tintling, der jung essbar ist, allerdings in Verbindung mit Alkohol giftig ist. Symptome sind eine rote, allmählich ins Violette gehende Verfärbung des Körpers, nur Ohrläppchen und Nasenspitze bleiben blass. Weitere Nebenwirkungen können Hitzegefühl, Herzklopfen sowie Sprach- und Sehstörungen sein.

„Beim Sammeln sollte man darauf achten, dass die Pilze frisch sind, ein leichter Daumendruck auf den Hut zeigt, ob der Pilz prall und frisch oder trocken ist. Ansonsten gilt: keine rohen Pilze essen, lange genug dünsten, nicht lange lagern, sondern möglichst frisch verzehren“, sagt Brandt.

Eher selten zu finden ist der Riesen-Scheidenstreifling – vom Verzehr wird abgeraten. Foto: Thomas Brandt

Nach dem Reaktorunfall 1986 in Tschernobyl waren viele Waldpilze radioaktiv belastet, das sei inzwischen im Saarland kein Problem mehr, so Brandt, die Pilzvorkommen werden immer noch regelmäßig dahingehend kontrolliert. In Südbayern dagegen, wo der Fallout damals besonders hoch war, werden noch heute hohe Cäsium-137-Konzentrationen in Pilzen gemessen.

Brandt und Schuh sehen den Verein auch in der Verantwortung, wenn es um Naturschutz geht und wollen darauf aufmerksam machen, wie wichtig gerade die Pilze im Ökosystem sind. Sie dokumentieren auch, wenn sie beim Rundgang ein seltenes oder besonderes Exemplar entdecken. Den Falschen Satansröhrling etwa. Oder Trüffeln. „Alle Trüffelsorten sind geschützt und dürfen nicht gesammelt werden“, erklärt Brandt. Obwohl Trüffeln als kulinarische Rarität gelten, finde man sie häufiger als gemeinhin angenommen, auch bei uns. Trüffeln mögen kalkhaltige Böden. Man muss also nur wissen, wo man suchen muss.

Klassiker: der Steinpilz. Foto: Thomas Brandt

Gleiches gilt für „Zauberpilze“, magic mushrooms, eine Modedroge. Psylocybinhaltige Pilze wie der Spitzkegelige Kahlkopf (bei uns der häufigste Vertreter) lösen Rauschzustände, Empfindungs- und Wahrnehmungsveränderungen aus, indem sie bestimmte Rezeptoren im Gehirn ausschalten. Wer das in literarischer Form erleben will, der lese Martin Suters „Die dunkle Seite des Mondes“. Der Schweizer Autor beschreibt darin eindrücklich die Persönlichkeitsveränderung eines Staranwaltes nach einem Pilztrip.

Alexander Flemming entdeckte 1928 die Wirkkraft des Schimmelpilzes, penicillium notatum. Millionen von Menschen wurden mit dem Antibiotikum „Penicillin“ gerettet.

Wer sich mit Mykologie näher beschäftigt, der findet Faszinierendes über Pilze. Nicht nur verschiedenste Wirkungsweisen – siehe oben. Sondern auch, dass Pilze weder Tiere noch Pflanzen sind und eine eigene Gattung bilden.

Seltenheitswert: Für den Falschen Satansröhrling sind nur sehr wenige Fundorte verzeichnet. Foto: Thomas Brandt/Pilzfreunde Saar-Pfalz

„Viele Pilze leben in Symbiose mit Bäumen – Steinpilz oder auch Trüffel sind Mykorrhiza-, also Symbiosepilze. Das heißt, Baum und Pilz profitieren voneinander: Der Pilz versorgt den Baum mit Nährelementen und Wasser und bekommt dafür Kohlenstoff in Form von Zucker. Im Wurzelwerk bilden Pilzfäden ein ausgedehntes Netzwerk. Pilze kommunizieren miteinander, tauschen Nährstoffe aus“, beschreibt es Brandt – eine eigene Welt, in der es für Forscher noch einiges zu entdecken gibt.

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