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SZ Museumsserie Schriftkultur im Hofgut Königsbruch in Homburg

Stiftung Schriftkultur im Hofgut Königsbruch in Homburg : Begegnungen mit Schrift und Kunst

Im Hofgut Königsbruch in Homburg ist die Stiftung Schriftkultur zuhause: Museum, Galerie, Bibliothek und Jean-Larcher-Archiv unter einem Dach. Auch Kurse werden angeboten.

Kalligrafie, Katharina Pieper, Königsbruch – vielleicht ist es ein Zufall, dass auch Kreativität und Kunst mit dem Buchstaben K beginnen. Die möchte man jedenfalls noch hinzufügen, um die K-Reihe zu vervollständigen. Denn die Schriftkünstlerin Katharina Pieper hat im Hofgut Königsbruch im Homburger Stadtteil Bruchhof mit der Stiftung Schriftkultur einen Hort der Kunst geschaffen, aber auch einen Ort der Erinnerung, der Begegnung und der Inspiration.

Die offenen, gut fünf Meter hohen Räume der ehemaligen Scheune stellen eine gelungene Verbindung von historischen und modernen Elementen dar. Im Gewölbekeller befindet sich das Museum mit dem Nachlass von Jean Larcher (1947 – 2015), international bekannter Kalligraf aus Paris und Partner von Katharina Pieper.

Die linke Empore beherbergt eine Bibliothek mit Literatur rund um Kalligrafie und Typografie. Darunter auch die von Katharina Pieper unter dem Titel „Traits de Caractère – Linien mit Charakter“ herausgebrachte Sonderedition mit den Arbeiten Jean Larchers.

Der Kalligraf Jean Larcher beim Schreiben  Foto: Katharina Pieper
Blick von der Bibliothek aus in die Galerie. Die langen Präsentationstische werden auch bei Workshops genutzt.   Foto: Jennifer Klein

Die zweite Empore gegenüber dient als Ausstellungsraum: Hier präsentiert Katharina Pieper ihre  Arbeiten, es gibt jedoch auch wechselnde Ausstellungen mit Werken namhafter anderer Schriftkünstler. Zugleich wird die Galerie als Atelier und Seminarraum bei Workshops genutzt.

Denn Schriftkunst ist derzeit im Trend. Ob mit spitzer Feder und Tinte akribisch gezogene, mittelalterlich anmutende Frakturlettern oder schwungvoll mit dem Pinsel getuschte, asiatisch inspirierte Schwünge, ob Zitate aus Literatur oder Philosophie, ein persönliches Motto oder Mantra  – „Form und Inhalt sollen zusammenpassen“, sagt Pieper, ein professioneller Anspruch: „Das ist auch meinem Partner Jean Larcher stets wichtig gewesen.“ Seine Werke verbindet eine klare Form- und Farbgebung, meist schwarz auf weiß mit roten Akzenten. Die Fülle der Arbeiten zeigt eine schier unglaubliche Vielfalt in Stil und Ausdruck.

Das barocke Gut Königsbruch wurde aufwendig saniert. Foto: Katharina Pieper

Ein ganz persönlicher Schatz aus Papier ist eine über Jahre entstandene Sammlung mit Kuverts von Briefen, die Jean Larcher an Katharina Pieper geschickt hat, jeder Briefumschlag ein liebevoll gestaltetes Kleinod – mal schlicht schwarz auf weiß, mal verspielt mit Herzen, mal eine leuchtende Farbsymphonie.

Viele von Larchers Werken waren Auftragsarbeiten, Veranstaltungsplakate oder Buchcover etwa, die  ästhetisch gestaltet sein sollten, aber in erster Linie auch „funktionieren“ mussten, sprich lesbar sein. In seinen freien Arbeiten zeigt sich ein facettenreiches Spiel mit Rhythmus und Ausdruck der verschiedensten Schriftarten.

Gleiches gilt für Katharina Piepers Arbeiten, die Malerisches und Kalligrafie zu einem Gesamtkunstwerk verbinden. Die klassische Kalligrafie ist in der Hauptsache eine schwarz-weiße Kunst. „In meiner Arbeiten kommt der Farbe eine stärkere Bedeutung zu“, sagt Pieper. Sie lotet auf Papier oder Leinwand dieses Spannungsfeld aus. Oft wird Schrift dabei zunächst als gestalterisches Element wahrgenommen, die Bedeutung des Textes eröffnet sich erst bei näherem oder längerem Hinsehen.

Die aktuelle Schau widmet sich dem Thema „Kalligrafische Art Culinaire – Essen, Genießen, Versuchungen“. Übrigens gibt es auch ein Kalligrafisches Kochbuch, für das Piepers Workshopteilnehmer individuell gestaltete Rezeptseiten zusammengetragen haben – der heimliche Verkaufsschlager im Museumsshop. Hier verkauft sie auch ihre eigenen Fachbücher zum Thema Schriftkultur, die aus vielen Jahren der Praxis entstanden sind.

Schrift trifft auf Malerei: Künstlerin Katharina Pieper mit einer ihren Leporello-Arbeiten Foto: Jennifer Klein
Wenn der Briefumschlag zum Kunstwerk wird ... Foto: Jennifer Klein

Sie nutzt gerne Gelegenheiten, sich mit Schriftkünstlern auszutauschen, unter anderem aus Asien, den USA, England, Frankreich. „Die Kalligraphie wird in vielen Ländern und Kulturen gepflegt“, erzählt Katharina Pieper, die mit ihren Arbeiten auch international schon oft zu Ausstellungen eingeladen wurde. „Und zum Beispiel in den asiatischen Ländern hat die Schriftkunst einen höheren Stellenwert, während sie hierzulande eine eher unterschätzte Kunst ist.“

Was möglicherweise daran liegen mag, dass Schönschreiben für viele weniger eine Kunstform und ein Kulturgut, als vielmehr ein ungeliebtes Schulfach war … Und im Alltag wird immer weniger von Hand geschrieben, allenfalls Weihnachts- oder Geburtstagskarten schreibt der moderne Mensch von Hand, vielleicht mit dem edlen Füllfederhalter, der sonst eher Dekoration auf dem Schreibtisch ist.

Katharina Piepers Lieblingswerkzeuge sind übrigens zwei ganz gegensätzliche: die Ziehfeder und der Pinsel. „Gerade die Vielfalt der Ausdrucksmittel macht die Kalligrafie ja so interessant“, sagt sie. Im Museum ist auch eine Sammlung von Werkzeugen wie Federn, Pinsel, Farben und Tinten, zu sehen. Und ein Gebetbuch im Millimeterformat, eine Faksimile-Seite aus dem Stundenbuch des Duc de Berry, Tafeln zur Entwicklung der Schrift von ägyptischen Bilderschriften bis zur lateinischen Schrift – Katharina Pieper weiß viel zu den Exponaten erzählen. Dass Reibetusche auf Reisen praktischer war als ein Tuschefässchen zum Beispiel; oder wie man Geheimtinten herstellt, die beim Trocknen verschwinden. Oder dass Schreiben bisweilen lebensgefährlich sein konnte: „Bestimmte Farben reagieren miteinander, sodass giftige Dämpfe entstehen. Saßen die Mönche Tag um Tag im Skriptorium über ihre Handschriften gebeugt und atmeten die Dämpfe ein, vergifteten sie sich schleichend“, erzählt sie.

Piepers Leidenschaft für die Schriftkultur wurde geweckt durch ihr Studium in Kommunikationsdesign. „Die meisten Studienkollegen damals gingen in die Werbung, ich bin bei der Schrift geblieben.“ Und wenn sie unterwegs ist, kann Katharina Pieper gar nicht umhin, Schriften jeder Art wahrzunehmen. „Zeitungen, Weinetiketten, Buchcover oder Werbetafeln, Kassenzettel – wir sind ja überall von Schrift umgeben.“ Oft genug macht man sich im Alltag gar keine Gedanken darum. Es sei denn, man steht zum Beispiel vor kyrillischen oder chinesischen Buchstaben – und fühlt sich ziemlich verloren, wenn man nichts versteht. Dann wird einem erst bewusst, wie wichtig das Kulturgut Schrift ist. Für Katharina Pieper ganz besonders. Sie sagt schlicht: „Die Schrift ist mein Leben.“

Alle Serienteile finden sich im Internet auf der Online-Plattform:

Die Bibliothek beherbergt Werke zu Typografie und Schriftkultur. Foto: Jennifer Klein

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