Streit um Reden eskaliert: Gondwana-Investor Kuhl beleidigt IKS

Erlebnisort Reden : Reden-Streit eskaliert: Kuhl nennt IKS „arrogant“ und betrügerisch

Diplomatie ist nicht die Stärke von Gondwana-Betreiber Matthias Michael Kuhl, dementsprechend rüde fiel mitunter der Umgangston aus, den er in den zahlreichen öffentlichen Konflikten mit der Landesregierung pflegte.

Das ist noch steigerungsfähig, weiß man seit Freitag. Beweis dafür ist eine seitenlange Stellungnahme, mit der der Dresdner Rechtsanwalt auf Nachfrage der SZ auf Gerüchte reagiert, er werde den Dino- und Urzeit-Park noch in diesem Jahr aufgeben. Sinngemäß zusammengefasst lautet Kuhls Botschaft wie folgt: Wenn er sich zurückziehe, sei dies ausschließlich die Schuld der aus seiner Sicht betrügerisch agierenden landeseigenen Entwicklungsgesellschaft Industriekultur Saar (IKS) sowie der Landesregierung, die die IKS schalten und walten lasse. „Trotz Kenntnis der desaströsen Leistungen der IKS-Geschäftsführung“ würden deren „rechtswidrige und Gondwana schädigende Aktionen“ nicht gestoppt. Der IKS wirft Kuhl „bräsige Arroganz“, „Wortbruch“ und „pflichtwidriges und verantwortungsloses Verhalten“ vor. Er fordert ein Eingreifen und Durchgreifen – wohl des Ministerpräsidenten, wobei er Tobias Hans (CDU) nicht namentlich nennt.

Neue Argumente zur Untermauerung dieser Pauschalanklage führt Kuhl nicht ins Feld. Schon immer hieß es, die IKS habe ihn mit falschen Zusagen nach Reden gelockt. Freilich benutzte Kuhl bisher nie juristisch relevante Begriffe wie jetzt: „treuwidriges Verhalten“, „Eingehungsbetrug“. Als nicht gehaltene Versprechen führt er unter anderem wieder die im Redener Masterplan ausgewiesene, aber nie gebaute Fußgängerbrücke zwischen Bahnhof und Standort an oder die nie erfolgte Präsentation der im Zechenhaus untergebrachten naturhistorischen Sammlungen des Saarlandes, die Reden in Kooperation mit Gondwana zu einem außerschulischen Lernort für Naturkunde/Biologie hätte machen sollen. Ob all dies jemals vertraglich festgehalten wurde, hat weder der Gondwana-Investor selbst noch die Landesregierung bisher transparent gemacht.

Dennoch enthalten Kuhls jüngste Einlassungen das ein oder andere aufschlussreiche Detail. Unter anderem heißt es, die IKS habe verkündet, „dass sie nicht daran denke, Gondwana für die von der IKS begangenen groben Täuschungen und Unterlassungen zu entschädigen, sondern die Entwicklung in Reden abbrechen und Gondwana am liebsten in ein Logistikzentrum verwandeln wolle“. Diese Darstellung stützt Ergebnisse von SZ-Recherchen im Umfeld der Lokalpolitik. Dort geht man davon aus, dass die Landesregierung bewusst nicht eingreift, weil sie kein Interesse mehr an einer Rettung von Gondwana hat. Grund dafür: Es gebe massive Zweifel an der langfristigen wirtschaftlichen Überlebens- und Zukunftsfähigkeit eines Freizeitangebotes dieses Zuschnitts in Reden. Das Kuhlsche Urzeit-Park-Konzept sei ohne Modernisierungs-Investitionen ein Auslaufmodell. Doch wie die verschachtelten Eigentums- und Pachtverhältnisse zwischen Land und Kuhl klären? Kuhls Schluss-Satz lautet, dass, wenn die Landesregierung nicht handele, Gondwana „wird schließen müssen und der Standort endgültig verkommen.“

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