Solidarische Landwirtschaft in Limbach: Kosten, Ernte und Verantwortung teilen

Bioland-Hof Auf dem Kore : Die Solawi Limbach wächst und gedeiht

Seit einem Jahr ist der Bioland-Hof Auf dem Kore in Limbach eine Solidarische Landwirtschaft. Und das Konzept ist aufgegangen.

Das Wetter ist perfekt an diesem Dezembermorgen. Kalt ist es, der Boden auf dem Feld in Limbach noch leicht gereift. Bestens für den Rosenkohl – der schmeckt besonders gut, wenn er nach dem Frost geerntet wird. Die Erntehelfer der Solawi Limbach ziehen warm eingepackt und mit den Gemüsekisten in der Hand los aufs Feld. Rosenkohl, Schwarzkohl, Wirsing sind „dran“ - auch diese Woche werden die rund 150 Mitglieder der Solawi Limbach mit frischem Gemüse, mit Fleisch und Eiern versorgt. „Nach den ersten 9 Monaten solidarischer Landwirtschaft kann man sagen: Es ist ein gutes Gefühl, gemeinsam mit vielen für die Notwendigkeit der Kleinbäuerlichkeit einstehen zu können und an tragfähigen Wegen in die Zukunft der Landwirtschaft basteln zu können“, bilanziert Bärbel Hock. Die Familie Hock hat vor einem Jahr den familieneigenen Hof umgestellt auf solidarische Landwirtschaft, kurz Solawi.

Um nicht ständig um das Überleben ihrer Höfe bangen zu müssen, setzen immer mehr Landwirte auf das Modell der solidarischen Landwirtschaft. Sinkende Preise für Milch und Getreide, der Preiskampf der Discounter und die Forderungen der Verbraucher, die möglichst billige Endpreise wollen, führen in einen Teufelskreis, in dem viele Bauern entmutigt aufgeben (müssen). Oder sie finden – wie die Familie Hock – alternative Wege.

Gemeinsam geht die Arbeit schneller von der Hand: Viele Mitglieder schätzen an der Solawi auch, dass sie mitanpacken und auf dem Feld mithelfen können. Foto: Jennifer Klein/Jennifer klein

Auf dem Biolandhof in Limbach wurde auf Anfrage einer St. Ingberter Initiativgruppe vor knapp einem Jahr die Solawi gegründet. Rund 150 Menschen wurden Mitglied in der Solidargemeinschaft. Sie zahlen pro Monat einen bestimmten Betrag, dafür können sie regelmäßig ihren Ernteanteil auf dem Hof abholen. Zugleich ist das Einkommen der Landwirte über die regelmäßigen Beiträge gesichert. Und die Mitglieder wissen, woher ihre Lebensmittel stammen.

Allerdings heißt es nicht einfach „Geld gegen Ware“. Die Solawi-Mitglieder helfen, wenn es möglich ist, auch bei der Ernte auf „ihrem“ Hof mit. So wie zum Beispiel die Limbacher Astrid Hilt und ihr Mann, die die Bildhauerei Formenpark in Homburg betreiben. Für sie war es „gar keine Frage, bei der Solawi Limbach mitzumachen. Zum einen ist es ein gutes Gefühl, zu wissen, woher die Lebensmittel kommen. Aber auch die Gemeinschaft, die sich zwischenzeitlich auf dem Hof gebildet hat, ist ein wichtiger Aspekt“, erklärt Astrid Hilt. Spannend sei es, neue Erfahrungen zu sammeln – nicht nur mit dem Projekt als solchem, sondern auch ganz konkret bei der landwirtschaftlichen Arbeit. Und es gehe auch um Wertschätzung, nicht nur finanziell gesehen, betont Astrid Hilt: Mit dem Beitrag für ihren Ernteanteil und dem Engagement in der Gemeinschaft zahlen die Solawi-Mitglieder nicht nur das Produkt, sondern honorieren zugleich die Arbeit der Landwirte.

Rosenkohl auf dem Feld des Solawi-Hofes in Limbach. Foto: jennifer klein

„Du bist, was du isst“, sagt eine Redewendung. und auch wenn es unzählige Ernährungsratgeber gibt und immer wieder neues „Superfood“ angepriesen wird – bei vielen Menschen sei der Bezug zu den Lebensmitteln und ihrer Erzeugung verloren gegangen, erklärt auch Solawi-Mitarbeiter Norbert Grunder, und ein gesellschaftliches Umdenken entstehe nur langsam. „Auch wenn inzwischen Initiativen wie unsere hier in Limbach keine ‚Exoten‘ mehr sind – in Deutschland, aber auch weltweit gibt es viele solcher Gemeinschaften, jede mit ihrer eigenen Geschichte und Ausprägung.“ Sie eint jedoch der Ansatz, dass man sich mit dem System der Solidargemeinschaft auch unabhängig macht von einem von Großkonzernen beherrschten Markt und einer zunehmend anonymen, industrialisierten Erzeugung von Lebensmitteln, die der Verbraucher kaum übersehen, kontrollieren oder beeinflussen kann.

„Es ist schön zu sehen, wie sich aus unserer Idee so ein lebendiges Projekt entwickelt hat“, sagt Bärbel Hock. Das Konzept ist aufgegangen: „Seit Start des Solawi-Jahres am 1. April haben wir jede Woche etwas zu ernten gehabt“ – auch in den extrem kalten und trockenen Anfangswochen. In den heißen Sommermonaten konnten sich die Mitglieder über eine wahre „Gemüseschwemme“ freuen.

Per Newsletter informiert die Familie Hock regelmäßig über das, was auf dem Hof los ist, Erntefeste, Aktionstage, Mitgliedertreffen. Freitags und am Samstagvormittag können die Mitglieder ihren Anteil an Gemüse, Eiern, Fleisch auf dem Hof abholen; zudem gibt es noch ein Depot im Weltladen in St. Ingbert. Die Mitglieder kommen dabei durchaus nicht nur aus Limbach, sondern überwiegend aus einem Umkreis von bis zu 15 Kilometern – quer durch alle Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen. Die sind keineswegs idealistische Weltverbesserer, sondern stellen sich den Realitäten. Denn beide Seiten haben mehr Verantwortung zu tragen als beim simplen, oft schon automatisierten Griff ins Supermarkt-Regal. Denn die Solidargemeinschaft meint ja nicht nur Bauernhof-Idyll und Rezepte-Austausch, sondern bedeutet auch handfeste Verantwortung  schließlich tragen beide Seiten das betriebswirtschaftliche Risiko.

Ernteanteilsvergabe für das nächste Solawi-Jahr ist bei der Versammlung am Sonntag, 13. Januar, 14 Uhr, im Theobald-Hock-Haus in Limbach, Theobald-Hock-Platz 1 (hinter der evangelischen Kirche). Dabei wird die Solawi vorgestellt, in einer Bieterrunde werden die Ernteanteile vergeben, und es gibt ein Mitbring-Buffet. Alle Interessierten sind willkommen. Infos: E-Mail info@korer-kornspeicher.de

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