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So laufen die Abiturvorbereitungen in Zeiten der Corona-Pandemie

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Pandemie und das Abitur : Viel ist ungewiss bei Abi in Coronazeiten

Bei den Reaktionen auf die Corona-Pandemie überschlagen sich die Ereignisse, auch an den Schulen. Nun stecken die Abiturienten in einer Vorbereitungszeit mit vielen Unsicherheiten. Klar ist: Die Prüfungen wurden verschoben. Zeugnisse gibt es diesmal per Post oder für jeden einzeln im Fünf-Minuten-Takt.

Es ist gerade einmal eine gute Woche her, als der Schulalltag aus den Fugen geriet, da wegen der Coronakrise alle Schülerinnen und Schüler nach Hause geschickt wurden. Schon da war es für die Abiturientinnen und Abiturienten ein Schock: Der Unterricht, die normale Schulzeit, war für sie zwei Wochen früher beendet als gedacht. Das bedeutete schließlich auch, Freunde, die man jahrelang fast täglich traf, nicht mehr zu sehen. Aber das Abi sollte stattfinden.

Jetzt ist wieder alles anders, denn auch die Abiturprüfungen wurden im Saarland verschoben, zunächst einmal auf Ende Mai.

„Total bescheuert“ sei die Situation, sagt eine 17-jährige Abiturientin aus St. Ingbert. Auch wenn sie natürlich Verständnis hat für diese Entscheidung: „Ich hätte es schon gerne so gehabt wie geplant“, sagt sie. Man stelle sich ja darauf ein. Die Reaktionen sind aber unterschiedlich. Eine Freundin freue sich zum Beispiel darüber, dass sie mehr Zeit zum Lernen habe. Genaue neue Termine für die Prüfungen gab es bis Montagmorgen erst einmal nicht.

Immerhin das: Die Zeugnisse sollten im Zehn-Minuten-Takt in der Schule vergeben werden, jeweils einzeln sollte man den Raum dafür betreten. Kurz später erreichte sie dann die Info: Auch das ist abgesagt, das Zeugnis kommt per Post. Und neben Dingen wie dem Abiball, den Abifahrten, die für alle ausfallen, ist zusätzlich ungewiss, wie es denn dann mit den Bewerbungen für die weitere Ausbildung laufen wird. „Da hängen wir in der Luft.“ Und wie sie das nun mit dem Lernen aus in so ungewissen Zeiten? Sie will die Zusatzzeit nutzen, um sich die Vorbereitung für die Abiprüfung besser aufzuteilen. „Es ist ja für alle eine neue Situation.“

 Das gilt auch für diejenigen, die das Abitur vorbereiten. Vor drei Wochen war es noch völlig undenkbar, dass von der Corona-Krise tatsächlich das Abitur betroffen sein könnte. Es sei eine Situation, an die man gar nicht denken wolle, hatte Wolfram Peters, der Schulleiter des Homburger Mannlich-Gymnasiums, Anfang März noch gesagt. Nun ist sie eingetreten, allerdings landesweit, was die Sache etwas erträglicher macht, da alle Gymnasien gleichermaßen betroffen sind. Wann die Abitur-Termine sein werden, „das weiß ich nicht, aber ich denke mal, es werden die Termine Ende Mai sein, die normalerweise für die Nachschreibe-Kandidaten festgesetzt worden sind,“ so Peters.

Bis dahin können die rund 80 Abiturienten noch lernen, „die Möglichkeiten sind alle vorhanden, wir sind komplett vernetzt, die Lehrer erreichbar“. Aber wegen der spürbaren Gereiztheit, die derzeit überall herrsche, sei es den meisten jungen Leuten sicherlich lieber gewesen, die Prüfungen seien wie geplant über die Bühne gegangen, vermutet der Schulleiter.  „Wir haben eine Telefon-basierte Zeugniskonferenz abgehalten und werden die Zeugnisse in den nächsten Tagen an die Abiturienten ausgeben.“  Auch die offizielle Anmeldung zum Abitur muss vorliegen: „Ich möchte nicht, dass hier etwas verloren geht. Deshalb kommen die Abiturienten persönlich zu Zeugnis-Abholung und zur Abgabe der Anmeldung.“

Das sei ein organisatorischer Aufwand, weil Peters weder eine Warteschlange vor dem Schultor noch mehrere Schüler zusammen stehen sehen will. So wird es einen genauen Zeitplan und einen Fünf-Minuten-Takt geben, damit die Abi-Kandidaten alle Unterlagen ordnungsgemäß entgegennehmen beziehungsweise abgeben können, ohne sich dabei nahe zu kommen.

Im Gymnasium Johanneum ist Schulleiter Oliver Schales froh, dass die Abi-Zeugniskonferenz am vergangenen Freitag bereits stattgefunden hat. Wie die Zeugnisse nun verteilt werden, stand am Montagmorgen noch nicht fest. Man warte noch ab, was das Kultusministerium weiter mitteile, sagt er. Es sei für die Abiturienten alles „sehr belastend“. Doch es werde ein Weg gefunden werden. Das Gebot der Stunde sei die Information, gerade über formale Abläufe wie die Anmeldung zur Abiprüfung. Der Oberstufenleiter berate die Schülerinnen und Schüler in einer Sprechstunde über die Schul-Cloud und am Telefon. Und in dieser Schul-Cloud finden sie über den Kanal „Abiturienten 2020“ auch immer alle aktuellen Infos, verspricht er.

Der Schulleiter des Saarpfalz-Gymnasiums, Jürgen Mathieu, hatte schon vor drei Wochen befürchtet, dass das Abitur an seiner Schule dem Virus zum Opfer fallen könne, zumal ein Corona-Verdacht aufgetaucht war, der sich aber als negativ erwiesen hatte. Danach überschlugen sich die Ereignisse. Mathieu ist derzeit täglich in seinem Büro, um den Verwaltungsaufwand zu erledigen, die meisten Lehrkräfte sind zu Hause und versorgen die Schülerinnen und Schüler mit Lernstoff. Um die Kontakte auf ein Minimum zu begrenzen, erfolgte die Ausgabe der Zeugnisse an die 94 Abiturienten per Post. Ebenso wird die „Einholung der Meldungen zum Abitur“ per Post erledigt: Die Schülerinnen und Schüler müssen diesen wichtigen Zettel ans Saarpfalz-Gymnasium senden, „bei den 17-Jährigen müssen auch die Eltern unterschreiben“.

Mathieu vermutet, dass die Termine fürs schriftliche Abitur auf Ende Mai fallen könnten, „ich würde mich nicht wundern, wenn sogar die Ferientermine nach hinten verschoben würden“, sagt er. Aber das sei nur eine Vermutung, da der Termin der großen Ferien die letzte Bastion ist, die derzeit noch steht. Aber wer wisse das schon in diesen Zeiten. Dass die Abiturienten mit Hilfe der schuleigenen Lernplattform jetzt etwas mehr Zeit haben, sich vorzubereiten, sieht er einerseits positiv, „aber ich gehe davon aus, dass es den meisten lieber gewesen wäre, wir hätten die festgesetzten Termine behalten und wären von diesem Virus verschont geblieben.“

Der Schulleiter des Homburger BBZ, Hans-Jörg Opp, hat mit der überschaubaren Anzahl der Abiturienten das geringste Problem: „Wir warten ab, welche Daten das Ministerium beschließt, dann geht alles seinen Gang.“ Kopfzerbrechen bereiten ihm eher die vielen Abschlusszeugnisse, die seine Schulform außer dem Abitur noch ausstellt und die alle jetzt erledigt werden werden müssen, damit sich die Absolventen rechtzeitig bei verschiedenen Betrieben bewerben können. Eines steht jedenfalls fest: der Abi-Jahrgang 2020 wird dieses Abitur so schnell nicht vergessen.