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Tag der offenen Gartentür : Schauen, staunen und klasse Ideen sammeln

Tag der offenen Gartentür : Schauen, staunen und klasse Ideen sammeln

Tag der offenen Gartentür: Unzählige Menschen suchten blühende Paradiese auf. Und dann gab’s auch noch eine Taufe.

„Ein wunderschöner Wohlfühlgarten.“ „Tolle Tipps, das versuche ich zu Hause auch.“,„Ein Garten wie gemalt.“ So und so ähnlich lauteten die Kommentare der Besucher, die am Sonntag die Aktion „Tag der offenen Gartentür“ genutzt haben, um sich einmal in aller Ruhe in fremden Gärten umzusehen und deren besonderen Zauber auf sich wirken zu lassen. Hunderte waren auf den Beinen und genossen die Gelegenheit, einen Blick hinter die Gartenzäune zu werfen. Diese landesweite Aktion bietet bereits seit über 30 Jahren einmal im Jahr privaten Gartenbesitzern die Möglichkeit, ihre sonst oftmals verborgenen kleinen Paradiese mit Nachbarn und anderen Gartenfreunden zu teilen. Durch die schier unendlichen Möglichkeiten zur Gestaltung ist jeder Garten stets ein Unikat. Und dass ein schöner Garten der Seele gut tut, das bestätigen auch die rund 150 Gäste, die teilweise nach längerer Fahrt beispielsweise nach Wolfersheim in den blumenreichen, biologisch-organischen Selbstversorger-Garten von Bernadette Baumann gekommen sind. So wie Familie Schmitt-Poppe aus Primstal. Sie suchen sich jedes Jahr einen anderen Garten aus, um von den Besitzern eine Vielzahl von Ideen und Anregungen einzuholen. Die Gartenbesitzerin und ihr Lebensgefährte Stefan Hartfuss erklären ihnen gerne ihr Konzept und geben Tipps zu Auswahl und Pflege der Pflanzen.

„Als wir 2014 hierher gezogen sind und begonnen haben, den Garten zu gestalten, war der lehmige Muschelkalkboden hart und kaum zu bewirtschaften.“ Geholfen hat ein einfacher Trick: Baumann verteilte übrig gebliebene Pappe von den Umzugskisten über den Boden und setzte Kartoffelpflanzen an, die den harten Boden sprengten. Mikroorganismen taten ihr Übriges. „Die Bodenqualität hat sich schlagartig verbessert“ erklärt die ausgebildete Ernährungsberaterin. Ausgezupftes Unkraut, Rasenschnitt oder verwelkte Pflanzen werden nicht weggeworfen, sondern bleiben als Bodenbedeckung liegen und werden verteilt. „Das schützt vor Flüssigkeitsverlust, gibt den Pflanzen und den Würmern Nahrung, und wir brauchen viel weniger Wasser, als man vielleicht vermutet.“ Ein wertvoller Ratschlag, das finden auch Carla Gehring und Sven Steuer aus St. Ingbert. „Wir waren im letzten Jahr schon einmal hier und neugierig, ob sich etwas verändert hat.“ Sie sind auch und vor allem am Holzbackofen auf der Terrasse interessiert, in dem Bernadette Baumann seit einiger Zeit jeden Freitag 12 Brote backt, die man bei ihr bestellen kann. Ihr ganzer Stolz ist neben dem Ofen eine alte 5oo Kilogramm schwere Knetmaschine für den Sauerteig. Neu seit letztem Jahr ist auch der Stall und das Gelände für die Ziegen, die sich die passionierte Gartenfachwartin zugelegt hat, um zusätzlich Mist zu kompostieren. Dabei handelt es sich um eine alte lothringische Rasse, die kaum noch zu finden ist.

Dass sich so viele Menschen für Gärten interessieren, ist nicht verwunderlich, gelten sie doch als Orte der Ruhe, als Wellness-Oasen oder gar mitunter im Sommer als zweites Wohnzimmer.

In Mimbach wurde der barocke Bauerngarten der protestantischen Kirchengemeinde am Sonntagnachmittag zu einem Ort, um Gott nahe zu sein und im Rahmen eines Freiluftgottesdienstes die kleine Jule Buchinger zu taufen.

Im ehrenamtlich vom Presbyterium gepflegten ehemaligen Pfarrgarten fanden sich zahlreiche Gäste ein, um unter schattenspendenden alten Bäumen und Pavillons die ausgestellten Keramikwaren und handgenähten Textilien zu betrachten oder zu kaufen und um beim gemeinsamen Gottesdienst das Tauffest zu begehen. In ihrer Predigt nahm Pfarrerin Ines Weiland-Weiser Bezug auf das alte Wissen um Heilkräuter und auf Klostergärten, die nicht nur medizinischen Nutzen haben, sondern auch Orte der Ruhe, Meditation und Einkehr sind, in denen man in allem, was wächst und blüht, die schöpferische und heilende Kraft Gottes ganz besonders erkennen kann. Die Idee, die kleine Jule an diesem Tag im Rahmen der zwanglosen Aktion taufen zu lassen, war ihr während des Taufgesprächs gekommen und die Familie Buchinger/Vogelgesang hatte den Vorschlag begeistert angenommen.

Das sind Bernadette Baumann und Stefan Hartfuss in ihrem wunderschönen Garten in Wolfersheim. Foto: Petra Pabst

Bei sehr sommerlichen Temperaturen freute sich die kleine Jule nun über die kühle Erfrischung, die das geweihte Wasser ihr brachte. Und so vermischten sich die Musik des Gottesdienstes und Kinderlachen mit dem Blätterrauschen der alten Bäume und den Rufen der Schwalben am Himmel.