Zwischen Poesie und Jazz

Trotz des warmen Wetters kamen zahlreiche Besucher in die St. Ingberter Christuskirche zum Konzert „Lieder der Poesie“. Das Trio um Amby Schillo, Michael Marx und Nino Dedo vertonte verschiedene Gedichte.

. "So gut hat dieses Lied noch nie ins Programm gepasst", sagte Michael Marx am Sonntagnachmittag. Der Musiker des Trios Amby Schillo, Michael Marx und Nino Dedo brachte mit dieser Bemerkung die Stimmung in der Christuskirche auf den Punkt. Trotz des prächtigen Wetters waren zahlreiche Besucher zu "Lieder der Poesie" erschienen. Und mit dem vertonten Gedicht "Frühling" von Theodor Fontane hatte man nicht nur mit dem Text, sondern insbesondere mit der Musik den Nagel auf den Kopf getroffen. So beschrieb die Komposition nicht nur zufällig den ersten wirklichen Frühlingstag des Jahres 2013, sondern auch die Stimmung in der von Helligkeit strahlenden Kirche in der Wolfshohlstraße.

Auch das Publikum ging vom ersten Augenblick an mit. Auch die dritte CD der drei Männer verspricht weiterhin viel Tiefgang und Spannung und dennoch die besondere Prise Marx'schen Humors sowie enorm viel Lebensfreude. Nach einem Konzert geht es einem hinterher immer besser. Selbst, wenn die Laune vorher gar nicht schlecht war. Verantwortlich hierfür ist sicherlich die gewisse Mischung aus Gedichttexten - teilweise aus anderen Zeiten - und der Arrangements, die meist Marx und Deda zu verdanken sind. Dabei springt man gekonnt zwischen den Stilrichtungen. Es kann durchaus passieren, dass bei einem Text von Marie von Ebner-Eschenbach a-cappella angesagt ist und bei Rainer Maria Rilkes Liebesgedicht "Alles ist eins" jazzige Töne angesichts des Gitarrensolos von Michael Marx zu vernehmen sind.

Höhepunkt war zweifelsohne "Die schlesischen Weber". Ein Text von Heinrich Heine, welcher sich kritisch mit dem Aufstand im 19. Jahrhundert auseinander setzt. Dabei geht Heine hart mit der Obrigkeit ins Gericht. Dank der Akkordeonmusik von Nino Deda gewann das Stück auf den Punkt an Dramatik. Beeindruckend war auch, als Marx das armenische Duduk spielte. Das Instrument sieht zwar aus wie eine Flöte, klingt aber wie ein Saxophon. Mit ihm spielte er das erste Lied, welches die drei in der Formation "Lieder der Poesie" überhaupt vor Jahren spielten, nämlich "Die Mondnacht" von Joseph von Eichendorff. Das hatte phasenweise schon richtig romantische Züge.

Und dann erfuhr man auch noch was Neues. "Wenn die Börsenkurse fallen" wird landläufig Tucholsky zugeschrieben. Dem ist jedoch nicht so. Der Text stammt aus der Feder von Richard Kerschhofer und wurde erst 2008 veröffentlicht, klärte Michael Marx in seiner Moderation auf. Komplett ausschließlich gesungen von drei Männern, das kam an.