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Zwei Barden teilen sich nach 36 Jahren wieder die Bühne

Zwei Barden teilen sich nach 36 Jahren wieder die Bühne

Wegen schlechten Wetters fand die Matinee in der neuen Taverne statt. Doch drinnen herrschte gute Stimmung: Die Liedermacher Hans Bollinger und Eckhard Fischer brachten beim ersten gemeinsamen Auftritt seit 36 Jahren das Publikum zum Kochen.

"Gar nicht schlecht nach 36 Jahren", zog Hans Bollinger am Sonntagmittag Bilanz. Der Musiker gab sich nach der ersten Matinee für diese Saison im Europäischen Kulturpark Bliesbrück-Reinheim sichtlich zufrieden. Die Gemeinschaftsveranstaltung des Vereins Begegnungen auf der Grenze, der Gemeinde Gersheim und der Stiftung Europäischer Kulturpark hatte am vergangenen Sonntag eine zweifache Premiere: Zum einen fand die Matinee wegen der schlechten Witterung in der neuen Taverne statt. Und dann war es der erste gemeinsame Auftritt der Sänger Hans Bollinger und Eckhard Fischer nach fast vier Jahrzehnten. Letzterer ist in unserer Region eher unter dem Namen "Eckes" bekannt. Bollinger und Fischer haben sowieso etliches gemeinsam: Beide sind 1949 geboren, entstammen der Liedermacherbewegung und spielen beide Gitarre. Ein weiterer Aspekt kommt bei ihnen unabhängig voneinander hinzu: Bollingers Gruppe "Espe", deren Mitbegründer er war, löste sich 1993 auf. Auch beim Liedermacher "Eckes" war dies ähnlich: Kein Fest, kein Folkfestival und keine Kulturkneipe in unserer Kante kam bis etwa Ende der Achtziger ohne den Barden aus. Danach wurde es ruhig um ihn. Dafür, dass man nur drei Mal geprobt hatte, klappten die Abläufe am Sonntag gut. Das Experiment gelang: Wie man beispielsweise am Titel "500 Miles" sehen konnte. Beide Musiker entstammen der Liedermacherbewegung Mitte der 60er auf Burg Waldeck im Hunsrück. So sind Stücke von Bob Dylan oder Peter, Paul und Mary aus dieser Zeit obligat. Inspiriert durch zahlreiche Auslandswanderreisen des Jugendbundes Nerother Wandervögel hatten die beiden Sänger Lieder im Gepäck, die man sonst kaum zu hören bekommt: "Auf den Straßen der Welt" etwa oder den Pete-Seger-Titel "If I had a Hammer", den man eigentlich in der verschlagerten Version Trini Lopez zuordnet. Dabei handelt es sich um ein Lied der Freiheitsbewegung, wie Hans Bollinger informierte. Das Publikum ging gerade bei diesem Song direkt wippend mit. Jugenderinnerungen wurden wach, wie ein Besucher spontan von sich gab. So war es sicherlich auch beim Handwerksgesellenlied "Es, es, es und es", welches direkt von den Besuchern mitgesungen wurde und für die ersten Bravo-Rufe sorgte. Es war wohl für viele Besucher eine Reise in die musikalische Vergangenheit. Hin zu Liedern, mit denen man groß geworden war. Positiv verklärt auch die Gesichtsausdrücke bei "Was wollen wir trinken" (Bots) oder beim Degenhardt-Titel "Fiesta Peruana". Doch auch die lustigen Aspekte kamen nicht zu kurz. Ob bei Tucholskys "Das Leibregiment" in der Version von Hein und Oss Kröher oder bei der Eigenkomposition "De Hausdierschlissel-Blues" von "Eckes". Letztere übrigens komponiert nach der feuchtfröhlichen Rückkehr eines Mannes von einem Dorffest. Irgendwann mussten die beiden Barden auf der Tavernen-Bühne im positiven Sinne kapitulieren. Auf mehr als drei Zugaben waren sie nicht vorbereitet.