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Zusammen über Fenster und Türen musizieren hilft gegen die triste Stimmung

Musik mit Nachbarn : „Glück auf!“ gegen die Einsamkeit

Musik an Fenstern zusammen machen – eine der wenigen Möglichkeiten von „Gemeinschaft auf Distanz“.

In ganz Deutschland wurde am Sonntag, 22. März, aus den Fenstern, Balkonen und an Haustüren musiziert. Alle, die ein Instrument spielen, waren dazu aufgefordert, der Quarantäne mit gemeinsamem Musizieren den „Kampf anzusagen“. Nach dem Motto: Wenn wir uns alle nicht sehen dürfen, dann hören wir uns wenigstens – Musik verbindet einfach und lässt eine so schwere Zeit erträglicher erscheinen.

Das dachte sich schon vor dem deutschlandweiten Aufruf Andreas Theis, stellvertretender Ortsvorsteher von St. Ingbert-Mitte: „Wir können hier getrost von einer Vorreiterrolle St. Ingberts sprechen, denn ich hab’ das gemeinsam mit dem Oberbürgermeister Ulli Meyer geplant – schon vor dem Aufruf in ganz Deutschland, ‚Ode an die Freude’ zu spielen. Daher haben wir uns auch für die St. Ingberter Hymne ‚Glück auf!’ entschieden“, sagt Andreas Theis schmunzelnd. Er habe das bereits mal in Tirol mitbekommen, dass sich Musiker aus der Nachbarschaft an Fenster und Türen stellen und gemeinsam Musik in den heimischen Straßen erklingen lassen. Das schaffe nicht nur Zusammengehörigkeitsgefühle, sondern mache auch einfach Spaß. Nachdem schon im Gespräch war, eine solche Aktion nach St. Ingbert zu bringen, war der OB dann aber schon im Dauereinsatz wegen der Corona-Krise und hatte kaum Zeit, die Idee weiterzuverfolgen. „Ich hab’ ihn dann angerufen und gesagt: ‚Ulli, du hast so viel um die Ohren. Ich werd das einfach selbst organisieren.’ Was ich dann auch gemacht hab’“, berichtet der stellvertretende Ortsvorsteher.

„Sonntag, 18 Uhr, spielen wir in St. Ingbert ‚Glück auf der Steiger kommt’“, war dann die Ansage, der einige St. Ingberter mit Freude gefolgt sind. Nicht nur ein Großteil der Mitglieder der Bergkapelle reihten sich in das Straßenkonzert ein, auch einfach Nachbarn mit Instrument waren dabei. „Ich denke, bei uns in der Gegend waren so 20 bis 30 Leute“, freute sich Andreas Theis über die rege Teilnahme, „aber vor allem gab es viele Zuhörer. Die Leute haben an ihren Türen und Fenstern gestanden, sind vorbei spaziert, und es gab sogar Autofahrer, die spontan gehalten und gelauscht haben.“

Natürlich wurde dabei Abstand zueinander gehalten und darauf geachtet, keinen Menschenauflauf entstehen zu lassen. Trotzdem ließen es sich einige Zuhörer nicht nehmen, ihre Dankbarkeit für die musikalische Überraschung auszudrücken: Andreas Theis, der seine Saxophon-Klänge gespendet hatte, wurde mit einer Flasche Bier belohnt, die ihm ein vorbeifahrender Fan auf der Straße stehen ließ. So konnte er sie dort ohne Berührungsgefahr einsammeln. „Es war eine tolle Stimmung. Ich habe dann sogar kleine Gläschen Schnaps auf der Straße bereitgestellt, natürlich im gebotenen Abstand. So konnten wir zumindest aus der Ferne mit den Zuhörern und den anderen Musikanten anstoßen“, sagt der Organisator.

Der Initiator, Andreas Theis, spielt Saxophon. Foto: Richard Martin
Der St. Ingberter Felix Derschang am Akkordeon. Foto: Andreas Theis

Da es so gut angekommen ist und auch so viel Spaß gemacht hat, will er nun regelmäßig dazu aufrufen. Bereits am vorvergangenen Sonntag (29. März) gab es die zweite Musikeinlage in St. Ingbert, auch diesmal wieder mit großem Zuspruch. Alle zwei Wochen wäre sein aktueller Vorschlag, zumindest so lange trübe Stimmung wegen des Virus herrscht und „wir eine Ablenkung vom aktuell sehr grauen Alltag brauchen“. Die Uhrzeit wurde auf 17.30 Uhr gelegt, da man sich dann nicht mit den Kirchenglocken um 18 Uhr in die Quere kommt. Zunächst wurde auch diesen Sonntag wieder gemeinsam das „Steiger-Lied“ gespielt, danach durfte jeder eigene Musikwünsche einbringen. Einen besonderen Wunsch hat Andreas Theis auch für die nächsten Musik-Aktionen: „Ich würde mir wünschen, dass auch Chöre und Sänger daran teilnehmen. Und dass wir spontan verschiedene Songs zusammen spielen. Die Leute sollen sich, was den Songtitel angeht, ausleben dürfen, zum Beispiel auch junge Leute, die mit einer E-Gitarre mitmachen wollen und eher auf Rock stehen. In Zeiten wie diesen, wo jeder täglich strenge Regeln beachten muss, soll wenigstens hierbei nichts vorgeschrieben werden.“