Zukunft des Rathauses bleibt offen

Geballte Informationen rund um die aktuelle Flüchtlingslage bot die jüngste Sitzung des Ortsrates in Rohrbach. Keine Antwort gab es jedoch auf die auch viele Bürger brennend interessierende Frage, ob das ehemalige Rathaus demnächst als Unterkunft für Migranten genutzt wird.

Der Rohrbacher Ortsrat fand bei seiner ersten Sitzung im Jahr 2016 am Donnerstag Asyl im Verwaltungsgebäude der Stadtwerke St. Ingbert. Da die etatmäßige Sitzungsstätte im Bürgerhaus derzeit restauriert wird, tagte der Rat im ehemaligen Rathaus. Das war insofern bemerkenswert, als diese Örtlichkeit selbst Teil der gegenwärtigen Diskussion um die Unterbringung von Flüchtlingen in St. Ingbert ist. Wegen dieses Themas war die Sitzung außergewöhnlich gut besucht.

Das Publikum bekam an dem Abend die Gelegenheit, Informationen aus erster Hand zu hören: Als Gast war Mike White von der Stabsstelle Integration geladen, der über die aktuelle Lage aufklären und sich den Fragen von Rat und Bürgern stellen sollte. Die im letzten Jahr geschaffene Stabsstelle ist für Sozialarbeit mit Migranten zuständig und kümmert sich insbesondere um deren Wohnsituation.

Zunächst wollte White aber ein paar Zahlen klarstellen: Aktuell gibt es in St. Ingbert 774 Asylbewerber und Migranten , davon sind 126 durch Familiennachzug gekommen. Im Jahr 2015 wurden 487 Personen aufgenommen, 76 davon durch Familiennachzug . In diesem Jahr kamen bisher 78 Personen (16 durch Familiennachzug ). Es handele sich um Menschen aus Eritea und Afghanistan, hauptsächlich aber um Syrer. Erfreulich sei, dass vor allem Familien nach St. Ingbert kämen, da sich die Stadt Homburg bereit erklärt habe, Alleinstehende aufzunehmen. Dies habe auch den Vorteil, dass sich die Wohnungssuche einfacher gestalte, denn für eine achtköpfige Familie bräuchte man oft nur eine Wohnung statt acht Einzelwohnungen. Bevor die Emigranten allerdings in Privatwohnungen unterkommen könnten, sei die Unterbringung in Ersteinrichtungen ein entscheidender Schritt, so White. Denn nur hier würden die Grundregeln des Zusammenlebens und die deutschen Gepflogenheiten vermittelt: "Wie verhalte ich mich als Mieter? Warum wird in Deutschland etwa die Heizung nachts ausgemacht, obwohl es dann kalt ist?" Fehlte diese Eingewöhnungsphase, würden sich daraus im Nachhinein große Probleme ergeben. Ziel sei daher eine "kontrollierte Dezentralisierung", so White.

Bei der Frage, welche Gebäude zukünftig als Ersteinrichtungen in Frage kommen könnten, erhoben sich in der Runde eine Reihe von Bedenken, die allerdings in einem sehr sachlichen Ton geäußert wurden. Die SPD-Fraktion , die das Thema eigentlich auf die Tagesordnung gehoben hatte, um endlich verlässliche Informationen über Schadstoffbelastung und Sanierungsbedarf der TG-Halle zu bekommen, äußerte große Zweifel, ob dieses Gebäude dafür in Frage komme. Diese teilte auch Ortsvorsteher Roland Weber. Im Publikum zeigte sich hingegen Unbehagen bei der Aussicht, das alte Rathaus dafür einzurichten. Ein Anwohner drückte es so aus: "Das ist hier ein verdammt großer Komplex. Reden wir also von 20, 50 oder 70 Personen? Und wie ist die Durchlaufzahl? Ist das ein ständiges Kommen und Gehen? Und das über Jahre?" Dabei treibe die Menschen auch Sorgen über etwaige Wertminderungen ihrer Grundstücke um. Falls es tatsächlich so komme, müsse man eher mit mehr als 80 Personen rechnen, antwortete White. Denn wirtschaftlich habe es keinen Sinn, ein Gebäude halb leer stehen zu lassen.

Sichere Antworten zu diesem Thema konnte der Integrationsbeauftragte allerdings noch nicht liefern. Man sei noch in der Prüfungsphase und müsse vor allem erst die weitere Entwicklung der Flüchtlingszahlen abwarten. Hier könne keine Prognose gegeben werden, da sie wesentlich von politischen Entscheidungen abhingen. Aber man rechne Stand jetzt erst einmal mit einem weiteren Anhalten des Zuzuges. Denn selbst bei einer Schließung der Grenzen sei es wie mit einem Öltanker : "Man leitet den Bremsvorgang ein, aber bis das Ding steht, dauert es noch eine gehörige Weile."

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