Zuhören als bester RatgeberDiese Grundsätze gelten in allen Telefonseelsorgen

Zuhören als bester RatgeberDiese Grundsätze gelten in allen Telefonseelsorgen

Saarpfalz-Kreis. Die ökumenische Telefonseelsorge Pfalz in Kaiserslautern sucht auch im Saarpfalz-Kreis weitere ehrenamtliche Mitarbeiter. Ab September werde ein Ausbildungskurs für Frauen und Männer ab 20 Jahren angeboten, teilte die Einrichtung der Evangelischen Kirche der Pfalz und des Bistums Speyer mit

Saarpfalz-Kreis. Die ökumenische Telefonseelsorge Pfalz in Kaiserslautern sucht auch im Saarpfalz-Kreis weitere ehrenamtliche Mitarbeiter. Ab September werde ein Ausbildungskurs für Frauen und Männer ab 20 Jahren angeboten, teilte die Einrichtung der Evangelischen Kirche der Pfalz und des Bistums Speyer mit. Die Ausbildung dauere eineinhalb Jahre und finde an 25 Wochenenden jeweils freitagabends sowie samstags von zehn 18 Uhr überwiegend in den Räumen der Telefonseelsorge in Kaiserslautern statt.Die Ausbildung hat den Angaben zufolge zum Ziel, die eigenen Fähigkeiten der Mitarbeiter zu fördern, damit sie mit anderen hilfreich umgehen können. Sie beinhalte Selbsterfahrung und das Einüben von psychologischer Gesprächsführung mit Anrufern, die sich in Krisen und belastenden Lebenssituationen befinden. Die Ausbildung sei kostenfrei, verpflichte aber dazu, im Anschluss mindestens zwei Jahre lang 17 Stunden im Monat mitzuarbeiten. Rund 30 000 Anrufe gingen jährlich bei der Telefonseelsorge Pfalz ein, bei der auch Ehrenamtliche aus Homburg und Umgebung Dienst tun.

Die Teilnahme an der Ausbildung ist nur nach einem Auswahlgespräch möglich, heißt es. Termine dafür würden nach Absprache vereinbart. Ein Einführungswochenende sei für den 14. und 15. September vorgesehen.

Über der Seele liegt ein grauer Schleier. Innere Leere macht sich breit, Hoffnungslosigkeit raubt jede Kraft. Für vier Millionen Deutsche wird das Leben zur Last. Sie leiden unter einer Depression. So stand jüngst die bundesweite Konferenz der Telefonseelsorge-Stellen aus gutem Grund unter dem Motto: "Schlecht drauf oder depressiv?" "Depressionen entwickeln sich zur Volkskrankheit", sagte Heiner Seidlitz, Leiter der Telefonseelsorge Pfalz in Kaiserslautern. "Das stellen auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fest. In einem Drittel der Gespräche, die sie führen, geht es mittlerweile um psychische Störungen." Viele der Betroffenen fühlen sich leer, freudlos, kraftlos. Sie schildern Schlafprobleme und Antriebslosigkeit. Alles wird ihnen zu viel. Symptome, die anscheinend nicht mit den Ansprüchen der Leistungsgesellschaft zu vereinbaren sind. "Deshalb ist Depression leider oft noch ein Tabuthema. Die Menschen schämen sich, weil sie nicht mehr wie gewohnt 'funktionieren'. Darüber verlieren sie ihr Selbstwertgefühl, kapseln sich von der Umwelt ab", erklärt der Diplom-Psychologe weiter. Rund 90 Prozent der Anrufer wollen anonym bleiben. Zehn Prozent würden ihren Namen nennen. Die meisten Hilfesuchenden seien zwischen 40 und 60 Jahre alt, rund 15 Prozent seien Jugendliche. Die meisten Anrufe kämen an "ruhigen und einsamen Feiertagen, wie etwa Weihnachten", heißt es bei Seelsorge-Experten. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefonseelsorge unterliegen selbstverständlich der Schweigepflicht.

Die Evangelisch-Katholische Telefonseelsorge Saar sucht nach Angaben von Helmut Paulus, Pressechef der rheinischen Kirchenkreise an der Saar, ebenfalls ehrenamtliche Beraterinnen und Berater für den Dienst am Telefon. Geboten wird ein Team, in dem es viel Freude macht mitzuwirken, eine eineinhalbjährige Ausbildung und Praxisbegleitung. Erwartet wird die Bereitschaft, sich rund 20 Stunden pro Monat zu engagieren.

Der neue Ausbildungskursus beginnt im August. Wer mitarbeiten möchte, kann sich bis noch bewerben.

"Erst durch den ehrenamtlichen Einsatz ist es möglich, dass Menschen rund um die Uhr einen Ansprechpartner für ihre Sorgen und Nöte finden können. Unser Seelsorgetelefon ist das ganze Jahr hindurch besetzt, wenn auch - je nach Nachfrage - nicht immer erreichbar," erklärt Heidrun Mohren-Dörrenbächer, Leiterin der katholischen Stelle. Sie gibt gleich noch einen Tipp für die Ratsuchenden: "Bitte versuchen Sie, uns auch zu unterschiedlichen Tageszeiten zu erreichen."Dank sei auch all denen gesagt, "die uns jedes Jahr durch ihr Eintreten für unsere Anliegen oder durch zugewiesene Bußgelder und private Spenden unterstützt haben," so Mohren-Dörrenbächer.

Die Evangelische/Katholische Telefonseelsorge Saar und Pfalz ist gebührenfrei erreichbar unter den bundeseinheitlichen Rufnummern: (08 00) 1 11 01 11 und (08 00) 1 11 02 22 oder im Internet. Dort wird auch eine Beratung per E-Mail oder Chat angeboten. Anmeldungen für die Auswahlgespräche zur ehrenamtlichen Mitarbeit sind möglich unter Telefon: (06 31) 6 77 00, Fax (06 31) 6 36 47, Postfach 2550, in 6 76 13 Kaiserslautern, E-Mail: pfalz@telefonseelsorge.de.

Die Unterlagen für die die Telefonseelsorge Saar, bei die Gespräche auch aus der Region Saarpfalz ankommen, können unter Tel. (08 00) 1 11 01 11 angefordert oder im Internet runtergeladen werden.

telefonseelsorge-pfalz.de

telefonseelsorge-saar.de

Anonymität: Ratsuchende werden nicht nach ihrem Namen gefragt, sondern können anonym bleiben. Auch die Telefonseelsorger bleiben anonym.

Verschwiegenheit: Alle Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht.

Erreichbarkeit: Die Telefonseelsorge-Stellen sind Tag und Nacht erreichbar, an allen Tagen des Jahres.

Kompetenz: Die Mitarbeiter werden durch Supervision von Fachleuten begleitet.

Offenheit: Die Telefonseelsorge ist offen für alle Probleme. Sie ist da für alle Anrufenden - unabhängig von Konfession, Ideologie, Nationalität oder Geschlecht.

Gebührenfreiheit: Für die Ratsuchenden entstehen keine Kosten außer den Verbindungsentgelten. In Deutschland übernimmt die Telekom als Partner der Telefonseelsorge die Kosten. jkn

"Viele der

Betroffenen fühlen

sich leer,

freudlos, kraftlos."

Heiner Seidlitz, Psychologe

und Seelsorger

Meinung

Ein Angebot für Menschen

Von SZ-RedakteurJürgen Neumann

Das Leben vieler Menschen wird von Tag zu Tag schwieriger. Arbeitsplatzverlust, wirtschaftliche Not, Partnerschafts-Probleme, Mobbing in der Schule oder am Arbeitsplatz, Sucht, Krankheit, Einsamkeit oder Sinn- und spirituelle Krisen, Sorgen um die Kinder. Solche Ereignisse und Verletzungen bringen uns oft an unsere Grenzen, Tag für Tag. Und dies nimmt in unseren Landen immer mehr zu. Das Gefühl, nirgendwo mehr dazuzugehören, lässt sie ihre Welt als brüchig, unsozial, inhuman, unberechenbar und unkalkulierbar erleben. Die Folgen reichen von Einsamkeit, Tablettensucht, Drogenrausch, Alkoholismus über unkontrollierte Gewalt bis zum Selbstmord. Unsoziale Verhältnisse sind negative Begleiter in unserer ach so modernen Gesellschaft. Die so Ausgegrenzten brauchen dringend Rat und Hilfe. Sie brauchen Unterstützung: seelische und geistige. Und sie brauchen ihre Würde wieder. Deshalb nimmt in unserer immer anonymer werdenden Gesellschaft der Anruf bei der Telefonseelsorge permanent zu. Es gibt kaum einen Bereich, auf den sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht unmittelbar einstellen müssen. Sie können aber nicht auf Dauer die Reparatur-Werkstatt für eine ziellose und gleichzeitig hetzende Gesellschaft sein. Die Lebenssituation muss generell positiv verändert werden - und zwar auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Da sind vor allem Wirtschaft und Politik gefordert. Auch in der Saarpfalz.

Hintergrund

Die Idee einer Telefonseelsorge entstand zuerst in protestantischen Pfarrhäusern: 1892 erstmals in New York und dann 1953 in London wurden Pfarrer auf die steigende Zahl von Suizidversuchen und Selbsttötungen in ihren Großstädten aufmerksam. Sie boten ihre Telefonnummern in Zeitungsinseraten an, um diesen Menschen noch ein Gespräch, ein menschliches Ohr, ein Angebot zur Hilfe in ihrer Verzweiflung geben zu können. So gab der anglikanische Pfarrer einer Londoner Innenstadtgemeinde, Chad Varah, am 2. November 1953 in der Times die Anzeige auf: "Before you commit suicide, ring me up. Telephone Mansion House 9000" ("Bevor Sie Selbstmord begehen, rufen Sie mich an"). Diese Begebenheit wird als die Geburtsstunde der Telefonseelsorge angesehen.

Aus der Initiative Einzelner wurde in England die Bewegung der Samaritans, die sich ausbreitete. In Deutschland und Österreich sind zumeist Kirchen Träger der Telefonseelsorge. Die erste Telefonseelsorge in Deutschland wurde von der Telefonseelsorge Berlin als Verein 1956 in Berlin gegründet. jkn