Zoff um Kléber-Gelände in St. Ingbert

St. Ingbert : Weiter mächtig Zoff um Kléber-Gelände

Der Bebauungsplan des „Gewerbegebiet Kléber-Nord“ lasse Sorgfalt vermissen, sagten die Anwohner bei einer Infoveranstaltung.

Das Gewerbegebiet „Kléber Nord“ soll neu entwickelt werden. Anwohner meldeten ihre Bedenken an, die in einem neuen Bebauungsplan mündeten. Doch es gibt noch Informationsbedarf, dem die Verwaltung am Dienstag mit einer Bürgerinformationsveranstaltung im Rathaus nachkam. Der Einladung folgten zahlreiche St. Ingberter aus der Blieskasteler Straße und der Hasseler Chaussee.

Gleich zu Beginn setzte sich der Oberbürgermeister zur Wehr. Die Hallen würden, wie von den Betroffenen vorgeworfen, nicht höher als zulässig, und sie würden auch nicht näher an die Wohnbebauung heranrücken. Auch, dass man einen Logistiker übers Hintertürchen einschleusen wolle, entspreche nicht der Wahrheit. „Die Ansiedlung von Lidl wurde schon vor Wochen beschlossen“, so Hans Wagner. Das Verfahren laufe schon seit zwei Jahren. Zu jeder Zeit sei der Stadtrat im Bild gewesen. „Sie beschließen den Bebauungsplan als Stadtrat, nicht der OB oder die Stadt“, sagte er an dessen Mitglieder gerichtet.

Um mit Gerüchten aufzuräumen, standen der Investor, das Planungsbüro, der Verkehrsplaner und die betreffenden Mitarbeiter der Stadtverwaltung für Fragen zur Verfügung. Oliver Knebel vom Planungsbüro Firu erläuterte viele Pläne, stellte die alten Planungen dem aktuellen Bebauungsplan gegenüber. Wer sich nicht eingehend mit der Materie befasst hatte, verlor den Überblick. Schnell sprang der Laser-Pointer zwischen Wald- und Baugrenzen hin und her, zeigte das Regenrückhaltebecken, den Standort von Hallen, so dass der Planer sich von den Bürgern die Aussage gefallen lassen musste, er wisse wohl selbst nicht, welcher Plan denn jetzt der sei, über den man diskutiere. Fakt ist, dass man mit der Hallenbebauung rund 20 Meter von der Grundstücksgrenze wegbleiben wolle, elf Meter mehr als ursprünglich vorgesehen, wofür sie im Süden näher ans Wohngebiet heranrücke.

Diskussionen entzündeten sich vor allem an einem an einem Wäldchen, dass zweimal abgeholzt wurde, obwohl es vom Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz als ökologisch wertvoll eingestuft wurde. Hier wussten weder Planer noch Stadt Genaueres. Planer Knebel stellte auch die Untersuchungen zur Lärmemission vor. Er sprach von Lärmkontingenten, mit denen die anzusiedelnden Firmen selbst planen müssten. Im Klartext: Die künftigen Mieter bekommen einen Dezibel-Wert genannt, den sie einzuhalten haben. Wie sie das machen, ist ihnen überlassen. Der Gutachter hob die Bedeutung der Fläche fürs Gewerbe hervor. Es handele sich nicht um eine grüne Wiese, auf der Neues entstehen soll, sondern um eine moderne Fortschreibung einer im Landesentwicklungsplan als Industriegebiet mit Gewerbe und Dienstleistungen vorgesehene, rund 25 Hektar großen Fläche. Das hätten die Anwohner, die ihre Häuser später erwarben, gewusst. Man halte sich außerdem an die rechtlichen Vorgaben. Anlass zur Sorge gibt den Anwohnern vor allem das zu erwartende Verkehrsaufkommen. Sie zweifeln an, dass das Verkehrsgutachten als „unkritisch“ zu bewerten sei, wie es der Verkehrsplaner formulierte.

Das Herstellen der Einspurigkeit des Kreisels habe nichts mit dem beabsichtigten Bau zu tun. Dieser bekäme im Falle der Bebauung die schlechteste Note. Ob mit oder ohne Ampelregelung oder Stauprognose bei 750 Lkw mehr am Tag. „Die Stadt muss wissen, ob sie die Qualitätseinbußen zugunsten der Entwicklung des Kléber-Geländes in Kauf nimmt“, so Nico Schmitt vom Ingenieurbüro Vertec. „Der Kreisel ist keine Kleinigkeit“, so ein Bürger, der nicht hinnehmen wollte, dass Wagner das zu erwartende Problem mit dem Verkehrsengpass nicht sah. Uneinigkeit herrschte beim Stadtrat darüber, ob das Verkehrsgutachten Bestandteil der Entscheidungsvorlage war. „Politik ist das Ringen um Kompromisse. Die vermisse ich hier“, so ein Bürger. Doch Jörg Schröder, Sprecher des Grundstückseigentümers Alpha Industrial, war bereit für Zugeständnisse. So solle die westlichste zu errichtende Halle als Lärmschutzwand fungieren, die Gebäude noch weiter nach Osten rücken. Lidl sei als Mieter gesetzt, alle Unklarheiten in Zusammenhang mit den Bebauungsplänen würden geprüft, so der OB.

Mehr von Saarbrücker Zeitung