1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. St. Ingbert

Wochenmarkt in St. Ingbert in Corona-Zeiten

Kostenpflichtiger Inhalt: Einkaufen in Corona-Zeiten : Der Wochenmarkt als Konstante im Alltag

Auch in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen wegen der Eindämmung von Coronavirus-Infektionen gibt es Lichtblicke.

Am Samstagmorgen in der Fußgängerzone. Eine St. Ingberterin gibt ihrem „telefonischen“ Gesprächspartner bekannt: „Mir sind maximal 20 Personen begegnet“, so ihre Mitteilung. Tja, das Wetter oder private Unternehmungen als Gesprächsthema haben erstmal ausgedient. Viel interessanter scheint für manche zu sein, wo es noch Klopapier, Milch oder Hefe gibt. Oder was die St. Ingberter so machen. Die Frage war an diesem Tag für einige Städter schnell beantwortet. Kaum bog man aus der Rickertstraße auf den Marktplatz ein, bot sich ein anderes als das einsame Straßenbild, bei dem schon jeder Mensch eine Erwähnung wert ist. Hier fand wie immer samstags der Wochenmarkt statt und trotz Corona-Ausgangsbeschränkung waren die Warentische gut gefüllt und alle Händler am Start.

Wahrscheinlich gerade wegen der derzeitigen Situation. „Die Leute sind nicht weniger als sonst, aber sie kaufen mehr. Schließlich müssen viele jetzt für ihre Kinder kochen, die nicht in Kita und Schule gehen können, und sonst vielleicht in der Betreuung essen. Oder viele von den Erwachsenen machen Home Office und essen nicht in der Kantine, sondern zu Hause“, vermutet Franz-Josef Vogelgesang. „Die meisten Anbieter hier dürften deshalb derzeit mehr Umsatz haben.“ Der Obst- und Gemüsehändler aus Aßweiler ist guten Mutes, er hat keine Engpässe beim Angebot. Außer beim Blumenkohl, der war aus. Aber das hätte auch zu anderen als den Corona-Zeiten passieren können. Es gebe noch alles, aber manche Menschen hätten Angst, dass sich das ändern könnte und bunkerten Kappes und „kaufen mehr, als sie brauchen“, so seine Beobachtung. Kohl also, der auch bei längerer Einlagerungszeit nicht schlecht wird. Manche Kunden seien besorgt, weil sie so eingeschränkt sind: „Manche der Älteren haben gesagt, im Krieg ging es ihnen besser, da durften sie wenigstens noch vor die Tür.“ Er selbst sieht das Ganze pragmatisch. „Man muss das Beste draus machen, so wie die meisten hier. Keiner will Corona haben“, so der Mann aus dem Bliesgau.

Viele der Samstagseinkäufer sind Stammkunden. Sie kaufen auch jetzt gern und aus Überzeugung auf dem Markt ein, bezeichnen ihren Besuch und den Kauf als „Erlebnis“, „Ritual“ und ein „Stück Normalität in Corona-Zeiten“. Die St. Ingberter auf dem Wochenmarkt sind gut gelaunt und halten sich an die Vorgaben. Einige haben Tücher oder Masken vor Nase und Mund und die Abstandsregeln werden eingehalten, auch im persönlichen Gespräch mit Freunden und Bekannten. Man ist froh, wenigstens hier soziale Kontakte zu haben und trinkt, mit einer Armlänge Abstand versteht sich, den leckeren Kaffee von St. Ingberts Rösterei „Comame“. Wer noch keine selbstgenähte Maske hat, wird selbstlos mit welchen aus dem eigenen „Nähkästchen“ versorgt.

Am Stand der Keramikerin Stephanie Keller tauscht man sich nicht nur über deren Osterware aus, sondern gibt sich auch Tipps zum Schutz vor dem Virus. Für viele St. Ingberter gehört der Marktbesuch zum Wochenablauf dazu. „Die Leute halten größtenteils Distanz und sind sehr diszipliniert“, sagte ein regelmäßiger Marktkäufer, „hier auf dem Markt sind sie wahrscheinlich sicherer vor Ansteckung als beim Aldi.“ Für die Blumenhändler sah es ebenfalls gut aus, denn viele Kunden nutzen den Frühling und die wärmeren Tage gerade jetzt für Arbeiten im Garten, wozu auch das Pflanzen gehört. „Ich hatte meinen Garten noch nie so zeitig in Schuss wie jetzt“, so eine St. Ingberterin, die allerdings extra wegen der Besorgung von Spargel in die Stadtmitte gekommen ist. Normalerweise schaut sie schon auf den Preis, „aber jetzt ist es mir gerade egal, was er kostet“. Sie genieße ihn dann einfach und schaffe sich damit Wohlfühlmomente und einen Hauch von Luxus. Auch das ist eine Strategie in dieser Ausnahmesituation. Dieser kann eine St. Ingberterin, die ihren Einkauf per Fahrrad erledigt, auch Gutes abgewinnen: „Ich habe Zwangsurlaub und gedacht, ich muss das alles kombinieren – das Einkaufen und das Sportliche.“ Gilt der St. Ingberter Markt bei vielen Händlern und Kunden seit jeher als der schönste im Saarland, wird er diesem Ruf gerade jetzt mehr als gerecht. Denn dort gibt es nicht nur ein hervorragendes Frischeangebot, sondern einige Sozialkontakte kostenlos obendrauf.