Wochenkolumne für St. Ingbert : Der Spatenstich - ein Dauerbrenner

Nach gefühlt 100 Spatenstichen sehnt sich unserer Autorin nach einer neuen Art der Neubau-Einweihung.

Anfang März sollen sie losgehen, die Tiefbauarbeiten in Blieskastel zur Verlegung der L113. Das wird zwar für die Bürgerinnen und Bürger ein paar Monate ungemütlich, doch das Ergebnis wird ein Quantensprung für die Barockstadt sein. Viel Fläche wird frei, um dort das Biosphärenhaus, eine neue Veranstaltungshalle und einiges andere mehr zu errichten. Nun hörten wir neulich aus dem hier tätigen Landesbetrieb für Straßenbau, dass es – den gerade sehr seltsamen Zeiten geschuldet – als Startschuss einen „Spatenstich light“ geben soll. Donnerwetter, da sind wir aber gespannt.

Seit dem Jahr 1984 (da nahm das journalistische Leben seinen Anfang) habe ich unzählige Spatenstiche erlebt. Da stehen die am Neubau-Projekt beteiligten Herrschaften vor einem üppigen Sandhaufen, jeder nimmt frohgemut eine Schippe zur Hand, langt mit dem Gerät beherzt ins Baumaterial und schleudert es in die Luft. Hei, was für ein Spaß! Welch ein Vergnügen für die Zuschauer! Nach dem etwa 100. Spatenstich, da dachte ich mir: Mensch, es muss doch mal was anderes geben als diese sich seit Jahrzehnten haltende Zeremonie. Vielleicht sollte man die Rathaus-Chefs zur Abwechslung mal mit einer Vierläufer-Sänfte rund um die Baustelle tragen – mit Schaufelchen und Eimerchen in der Hand. Lasst Euch mal was einfallen, Ihr Bauherren im Land, das Volk schreit nach panem et circenses – nach Brot und Spielen. Wo schon die Faasenacht ins irdische Jammertal bugsiert wurde.

Vor wenigen Tagen war ich in Ummerschumm, auf dem Biolandhof Wack. Eier, Hähnchenschlegel und ein Suppenhuhn nahm ich mit. Trug erst die Palette mit Eiern ans Auto und vergaß das Suppenhuhn auf der Mauer vorm Hofladen. Dorthin hatte ich das Federvieh vorübergehend abgelegt, damit der nächste Kunde den Laden betreten konnte. Darf ja gerade nur immer einer rein. Nackt, tiefgefroren, wehr- und geräuschlos, adrett verpackt, Eierlegebetrieb eingestellt – hat vielleicht jemand was gesehen? Nun, die Hofbesitzerin hat das Tier schnell dingfest gemacht. Demnächst hole ich es ab. Andere Leute verlieren Schirme und Schlüssel – und ich ein Hühnchen.

Im Übrigen hat er es wieder getan: mein Coiffeur, dieser Goldschatz, dieser Feund in der Not. Hat mir die Haarfarbe gemixt, und zu Hause hat die Schwester sie aufgetragen. So eine Erleichterung beim Blick in den Spiegel. Ich habe dem Maestro nach erfolgreicher Färbung gesagt: „Wenn ich nicht wüsste, dass Sie schon vergeben sind – ich würde glatt um ihre Hand, äääh um ihren Kamm anhalten. Bleiben Sie weiter negativ. Und positiv gestimmt in Hinblick auf den nächsten Friseurtermin.