Wochenkolumne : Von Pferdefuhrwerken und dem Dolce Vita

Doo hucke unn gucke: der Sommer macht’s möglich. Und weil das so ist, saß ich diese Woche nach vielen, vielen Jahren abends mal wieder „beim Fath“. Sie wissen schon, das Ausflugslokal mit dem Biergarten unter gewaltigen Kastanienbäumen in Sengscheid.

Erinnerungen werden wach: von Saarbrücken durchs Grumbachtal mit dem Fahrrad vor rund 30 Jahren. Um dann, bei besagtem Gasthaus, eine Rast einzulegen. „Du haschd noch was vom Lääwe“ pflegt heute gern ein Freund zu sagen – in solch lauschigen Stunden, die man so sehr genießt – auch nach der Arbeit. Von Work-Life-Balance reden die Leute, die gerade dabei sind, unsere Sprache zu verlernen. Oder sich für sie zu schämen. Denn dieser Wortungetüm-Anglizismus bedeutet nichts anderes, als dass man Arbeit und Dolce Vita der Gesundheit wegen in Einklang bringt. Also nicht all zu viel arbeiten, das schon mal vorausgesetzt.

Den hehren Leitsatz im Gepäck traf ich zufällig diese Woche auch einen St. Ingberter Ureinwohner, den ich schon über drei Jahrzehnte kenne. Da sitzen wir also an einem Tisch vorm „Times“, und schon kommt das zur Sprache, was unter unseren Schuhen ruht: die Fußgängerzone Der Ureinwohner weiß über sie interessante Geschichten zu erzählen. Einst Hauptverkehrsader wurde sie 1988 nach mehreren Bauabschnitten eingeweiht. An das, was diesem Procedere voranging, kann er sich heute noch gut erinnern. Grob zusammengefasst kam es – auf der Suche nach dem am meisten geeigneten Bodenbelag – zu einer Rundreise. Zu einer Besichtigung von Städten außerhalb des Saarlandes, um mal zu ergründen, wie es in St. Ingbert aussehen könnte. Und just in einem schmalen Gässchen fand man das Kopfsteinpflaster, das bei der Verwaltung und anderen Beobachtern – von heißen Gefühlen der Nostalgie übermannt – höchstes Entzücken hervorrief. Nun wurde also dieses Pflaster verlegt, das eher Pferdefuhrwerken standhielt, die einst die Straßen entlang klapperten. Und nicht den Paketzustellern sowie anderen Anlieferern mit ihren tonnenschweren Fahrzeugen. Was wiederum zur Folge hat, dass die Fußgängerzone heute, nach relativ kurzer Zeit, in Teilen sanierungsbedürftig ist. Mein alter Freund weiß auch zu erzählen, dass das ortsansässige Baustoffwerk Sehn einen Stein eigens für die St. Ingberter Fußgängerzone entwickelt hatte, am Ende aber nicht zum Zuge kam, weil die Stadtväter einem auswärtigen Produkt den Vorzug gaben.

Nun denn, dann saniert mal schön, aber bitte nicht im Sommer. Da sitzen wir gern in der lauschigen Zone. Und stören uns kaum an den Stolperfallen.