Kolumne : Wahlkampf ist willkommen

Parteien und Gruppierungen stellen derzeit ihre Kandidatenlisten auf und garnieren die Infos zu den Namen mit dem obligatorisches Hinweis, eine ausgewogenen Mischung aus Jung und Alt, Erfahrung und frischem Wind gefunden zu haben.

Oder es werden in aktuellen Stellungnahmen Sätze verfasst, wonach die Stimmung jetzt wieder angeheizt und zu Wahlkampfzwecken ausgenutzt wird, oder das Grauen dräut, sprich „der Wahlkampf lässt grüßen“. Wer das liest, wird förmlich mit der Nase darauf gestoßen, dass es jetzt richtig losgeht und der 26. Mai als der Tag näher rückt, an dem bei uns Bürgermeister, Stadt- und Ortsräte gewählt werden.

Die Wochen vor Wahlen reizen halt ganz besonders die typischen Reflexe im Streit um die Wählergunst. Schwarz wird schwärzer und weiß weißer, Grautöne stören. Und nie darf verschwiegen werden, dass die bösen Anderen die falschen Argumente haben und man selbst hingegen nur hehre Ziele ganz im Sinne der Bürger verfolgt. So fällt es leicht, seine Vorurteile gegen den Politikbetrieb bestätigt zu sehen. Doch dem Wahlkampf kann man aber auch seine gute Seiten abgewinnen. Ohne den Glauben an die eigene Überzeugungen und die Hoffnung, dass es besser gehen und Schlimmeres verhindert werden kann, würde wohl kaum jemand in einer politischen Gruppierung mitmachen wollen. Und statt die Vielfalt in den kommunalen Gremien als den Hort immer währenden Streits abzutun, kann man dort auch den Kern unsere Demokratie und Freiheit verorten. Keiner kann sich in St. Ingbert beklagen, dass es nicht genügend unterschiedliche Meinungen und keine Auswahl auf den Stimmzetteln gibt. So gesehen verliert der Wahlkampf ein wenig von seiner politischen Plumpheit und kann mit Positionen und Programmen den Stimmberechtigten durchaus Orientierung bieten.

Plattform für den Wahlkampf sind aber längst nicht mehr nur die traditionellen, sondern zunehmend auch die sogenannten sozialen Medien, und das bis in die Niederungen der kommunalen Urnengänge. Dort stößt allerdings auch mein Wohlwollen für beherzte Positionierung an seine Grenzen. In der größten lokalen Facebook-Gruppe tobt nämlich schon seit Jahren geradezu ein Dauerwahlkampf um Stammtisch-Mandate. Dessen wenige Akteure schmähen Wahlergebnisse, lieben den Kampf ums Prinzip und verwechseln allzu oft persönliche Verunglimpfungen mit dem Recht auf Meinungsfreiheit.