Kolumne Unsere Woche : „Ferien for future“ hilft dem Klima

Seit einer Woche sind Sommerferien. Rund um die Bildungseinrichtungen auch in St. Ingbert und den Bliestal-Gemeinden ist es still geworden. Lediglich in und vor einem Teil der Kitas ist tagsüber noch etwas Bewegung festzustellen.

Ferien macht damit auch das aktuelle gesellschaftspolitische Engagement, das unter der Bezeichnung „fridays for future“ vor allem von Schülern, sympatisierenden Lehrern und Eltern getragen wird, und mit dem junge Menschen von den politischen Entscheidern mehr Einsatz für eine gesündere Umwelt einfordern. Hämische Kommentare von Kritikern der Bewegung sind dabei völlig unangebracht. Urlaub kann und muss auch protestbewegten (jungen) Menschen gestattet sein.

Aber die aktuelle Schul- und Protestpause könnte manchem Berufstätigen, der in den Ferien keinen Urlaub macht, die Augen für bemerkenswerte Phänomene öffnen. Die 60-minütige An- und Abreise mit dem fast schon verpönten Auto zum Arbeitsplatz (mit öffentlichen Verkehrsmitteln würde das mehr als doppelt so lange dauern), ist zum Beispiel wesentlich entspannter als in Schulzeiten. Kaum Staus, kaum Zähfluss morgens vor acht Uhr auf Bundes- und Landstraßen, kaum dicke Luft auf der Autobahn. Auch die Parkplatzsuche ist in Ferienzeiten wesentlich einfacher, vor allem im direkten Umfeld von schulischen Einrichtungen. Parklücken gibt es den ganzen Tag über, nicht nur, wenn nachmittags die Schule aus ist oder die Abiturienten gegen Schuljahrsende nicht mehr jeden Tag in der Schule erscheinen müssen. Auf dem kurzen Fußweg vom Park- zum Arbeitsplatz könnte der Blick auf den ein oder anderen der riesigen Linien-Busse fallen, in denen sich nur wenige Menschen umweltgerecht verlieren. Warum sind die Busse nicht grundsätzlich kleiner? Ein Busunternehmer hatte da mal ein beeindruckendes Argument: Die Busse müssen wegen der Schüler-Beförderung zwei Phasen am Tag diese hohen Kapazitäten haben. Und da sie nun mal da sind, fahren sie auch den Rest des Tages, trotz wesentlich weniger Fahrgästen. Diese schlichten Beobachtungen, die natürlich nicht auf überprüfbaren wissenschaftlichen Daten basieren, könnten zu einem frech-verwegenen Schluss führen: Schulferien sind offenbar ziemlich gut für das Klima. Wenn also Schüler den Freitags-Schulboykott auf das ganze Jahr ausdehnen würden, könnte das Klima noch viel mehr profitieren. Greta Thunberg, die junge Schwedin, die „fridays for future“ überhaupt erst ins Rollen brachte, hat sich übrigens vorerst mal von der Schule verabschiedet. Wer dem entgegenhält, dass wir uns dann mangels Bildung wieder zu Steinzeit-Menschen zurückentwickeln würden, den könnte man daran erinnern, dass die Jäger und Sammler damals in einer ziemlich intakten Umwelt gelebt haben.