Wo mittlerweile Metall auf Sandstein trifft

Wo mittlerweile Metall auf Sandstein trifft

Gitterstäbe und Gerüst sind äußere Zeichen für die neue Verwendung des Gefängnisses, in dem seit Jahresbeginn Flüchtlinge untergebracht sind. Für den Denkmalschutz kein Problem, da die Unterkunft ein Provisorium sei.

Es ist ein etwas ungewöhnlicher Anblick, der sich derzeit vor dem Gebäude mit der Hausnummer 11 in der Alten Bahnhofstraße in St. Ingbert bietet. Das Metallgerüst an seiner linken Seite macht fast den Eindruck, als wären dort Bauarbeiter an der Fassade des denkmalgeschützten Anwesens zugange. Doch dem ist nicht der Fall. Das spartanische Gerüst soll auch nicht schmücken. Es ist eine reine Notfalltreppe, die sich dort an zwei neu eingebaute Brandschutztüren anschließt. Sie dient einzig und allein dem Zweck der Rettung aus dem Gebäude, sollte ein Feuer ausbrechen.

"Das Gerüst ist ein Provisorium", berichtet Georg Scherf vom Landesdenkmalamt. Durchaus denkbar wäre also, dass man in Zukunft, etwa wenn dem Gebäude eine neue Bestimmung zuteil werde, dies in eine "ansprechendere Lösung überführt", sagt er. Derzeit sei die Treppe eben ein Kompromiss, der dadurch entstanden sei, dass man möglichst zügig möglichst viele Flüchtlinge in St. Ingbert unterbringen müsse. Durch die "Materialwahl" habe die Stadt sichergestellt, dass es sich nicht um eine "Veränderung des ursprünglichen Bestandes" handele, erklärt Scherf.

Nach Angaben des Denkmalschützers hat es bislang keinerlei Eingriffe gegeben, die in die historische Bausubstanz eingreifen. Alle Renovierungen seien "unter Schonung des Bestandes" erfolgt. Auch die Brandschutztüren griffen den Sandstein nicht an. Im Inneren wurde der Anstrich erneuert, Waschmaschinen wurden installiert, "und das ist nichts, was wir nicht auch im Rahmen einer normalen Sanierung vorgenommen hätten", sagt Scherf.

Das Haus sei "von seiner Bestimmung her bereits in seinem Grundriss relativ kleinteilig strukturiert" - also sowohl für die Unterbringung von Flüchtlingen als auch für die geplante Musikschule gut geeignet. Die frühere Bestimmung als offene Justizvollzugsanstalt hat hingegen Spuren hinterlassen: An wenigen Fenstern an der Rückseite sind noch Gitterstäbe angebracht. Und da das 1882 erbaute Haus erst 1997 unter Denkmalschutz gestellt wurde - nachdem bereits die meisten Gitter schon entfernt waren - gehören auch die wenigen verbleibenden Stäbe zu dem Einzeldenkmal. Eine Entfernung bedürfe einer Genehmigung, erklärt Scherf.

"Allgemein sollte das Ziel einer jeden Planung von Maßnahmen in Denkmälern die weitgehende Erhaltung der historischen Substanz sein, wobei man meist erst nach der Besichtigung des Denkmals die auf das jeweilige Objekt passende Vorgehensweise festlegen kann," sagt Scherf.

Bevor das ehemalige Gefängnis nach der temporären Nutzung von vorerst auf drei Jahre festgelegten Unterbringung von Flüchtlingen letztlich zur Musikschule wird, müsse der Denkmalschützer dann wieder herangezogen werden. Denn dann stünden Veränderungen, wie Türen oder Schalldämmung von Räumen an, die während der Zwischennutzung nicht nötig seien, aber einer Genehmigung bedürfen.

Zum Thema:

HintergrundAktuell wohnen insgesamt noch 36 Flüchtlinge im ehemaligen Gefängnis in der Stadt St. Ingbert , teilt der Leiter der Stabsstelle Integration, Mike White, mit. Die Zahl der Bewohner sei derzeit jedoch eher rückläufig. Denn im Laufe der Woche werden voraussichtlich sechs von ihnen in private Wohnungen ziehen. In der vergangenen Woche waren drei neue Flüchtlinge St. Ingbert zugewiesen worden. Auch sie zogen bereits in Privatunterkünfte. pam