Wirtz wirft das Handtuch

Paukenschlag am Freitagabend zur Eröffnung des Alt-Rohrbachfestes: Ortsvorsteher Martin Wirtz will bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr das Ehrenamt nicht mehr anstreben. Damit steht fest, dass Rohrbach einen neuen Ortsvorsteher bekommt.

Martin Wirtz (Familien-Partei) steht, unabhängig vom Ausgang der Kommunalwahl im nächsten Jahr, nicht mehr als Ortsvorsteher Rohrbachs zur Verfügung. Mehr noch: Der 45-Jährige, der im Sommer 2012 das Amt von Hans Wagner übernahm, beendet seine politische Laufbahn. Das erklärte Wirtz am Freitag in einem offenen Brief, der unserer Redaktion vorliegt.

Darin führt er drei Gründe auf, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Erstens: der Zeitaufwand. Wirtz erklärte, dass die rund 360 Termine pro Jahr als Ortsvorsteher mit einem normalen Berufs- und Familienleben kaum vereinbar seien.

Als zweiten Grund nennt Wirtz die allgemeine politische Situation in St. Ingbert und Rohrbach und kritisiert, dass die meisten politisch handelnden Personen nach seiner Beobachtung in jüngster Zeit fast nur noch damit beschäftigt waren, "dem politischen Gegner, oder, noch schlimmer, dem eigenen Parteifreund Schaden zuzufügen, was das politische Klima sehr vergiftet hat". Der eigentliche Wählerauftrag, argumentiert Wirtz weiter, "sich nämlich um die Sorgen und Anliegen der Bürger zu kümmern, verliert bei vielen immer mehr an Bedeutung."

Drittens sah sich Wirtz mehrfach persönlichen Angriffen ausgesetzt. Die Allermeisten hätten zwar einen angemessenen Umgang gepflegt, einige wenige jedoch "offenbar ihre gute Kinderstube vergessen". Selbstkritisch gestand er auf SZ-Nachfrage ein: "Wenn ich gewusst hätte, dass ich eines Tages Ortsvorsteher werde, hätte ich die Finger vielleicht ganz von der Politik gelassen." Eine Frust-Entscheidung sei es nicht gewesen. "Ich habe sie nach wochenlanger Überlegung getroffen."

In seinem Brief betont er aber auch, dass nicht alles schlecht gewesen sei. Gerne werde er sich an die gute Zusammenarbeit im Organisationsteam für den Weihnachtsmarkt und das Alt-Rohrbachfest erinnern. Jetzt, teilte er mit, sei er aber froh, dass er jedem, der ihn auf seine Zukunft anspreche, die Wahrheit ins Gesicht sagen könne.

Wie es ohne Martin Wirtz weitergeht, ist eine Frage, die sich jetzt vor allem die Familien-Partei stellt. Für Petra Baltes, Fraktionssprecherin im Ortsrat, kam Wirtz' Schritt überraschend. Auf Nachfrage sagte sie: "Wir bedauern sein Ausscheiden, denn er hat für den Ort und für die Partei gute Arbeit geleistet." Wie geplant soll im Herbst die Liste mit den Wahlkandidaten stehen. Wirtz wird darauf fehlen.