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Wildschweine wüten auf dem Waldfriedhof in St. Ingbert

Tiere wüten rund um die Gräber : Waldfriedhof zieht wilde Schweine an

An einigen Stellen wurden vor kurzem Brach- und Gräberflächen auf dem Waldfriedhof von Wildschweinen umgepflügt. Derzeit prüft die Stadt, mit welchen Mitteln derartige Schäden verhindert werden können.

Immer wieder wurden auf dem Waldfriedhof bis zu drei Wildschweine gesichtet, die sich auf Brachflächen und unter den Bäumen ihr Abendbrot in der Erde unter dem Moss suchten. Doch am vergangenen Wochenende hat wohl eine Rotte ganze Arbeit geleistet. Das Werk ihrer Engerling-Suche lässt sich nicht nur auf den Wiesen und nicht belegten Gräberflächen begutachten, sondern auch unmittelbar an und auch auf den Bestattungsplätzen.

Ist das Ergebnis der Wühlarbeit schon in der Nähe der Einsegnungshalle eindrucksvoll, zeigt sich das ganze Ausmaß der Schweinearbeit ebenso auf rund 2000 Quadratmetern Brachfläche im unteren Teil des Friedhofs an der Kohldell. Friedhofsmeister Andreas de Groot bezeichnet diesen Bereich als „Hauptschlachtfeld“ des nächtlichen Wildschwein-Einsatzes. Er habe ab und zu mit Wildschäden auf den Friedhöfen der Stadt und ihren Ortsteilen zu tun, aber so etwas wie diesmal lässt auch ihn staunen. Schon seit Februar seien die Wildschweine, die aber keinen wesentlichen Schaden anrichteten, dort gesichtet worden. Aber da sie weder auf dem Friedhof noch im Stadtgebiet bejagt werden dürfen, beschränkte sich die Stadt auf die regelmäßige Kontrolle der Zäune, um die Tiere vor dem Eindringen auf den Friedhof abzuhalten.

„Die ganze Zeit haben wir sie gelassen, weil sie nur auf den Wiesen unterwegs waren. Sie suchen Engerlinge und das dürfen sie auch. Wir haben genug Eicheln, die sie fressen können. Jetzt sind sie auch auf den Gräbern und das macht die Leute zu Recht nervös“, sagt Andreas de Groot. Nun ist der Friedhof schön gelegen, seine Attraktivität resultiert auch aus dem alten Baumbestand und der Nähe zum Wald. Von dort scheinen die Wildschweine auch aus Richtung Kompostieranlage auf den Begräbnisort zu gelangen. Die Nebenwirkungen dieser Ausflüge sind derzeit deutlich sichtbar – die auf „links gemachten Rasenflächen“, wie es de Groot nennt, Fährten und auch reichlich Losung, also Kot der Tiere.

„Man müsste prüfen, ob sie irgendwie rechtlich konform vertrieben werden können“, so der Friedhofsmeister, „und wenn das passiert ist, müssen wir den Zaun nochmal richtig dicht machen.“ Die Beseitigung der Schäden wird viel Aufwand erfordern, denn auch die Brachflächen müssen wieder halbwegs eben und damit in einen mähbaren Zustand überführt werden. Wie der Stadtpressesprecher mitteilt, werde aktuell geprüft, ob der Friedhof tatsächlich als befriedete Fläche gilt, wo nicht gejagt werden darf. „Aber das Problem ist er- und bekannt. Wir beobachten solange die Situation und passen unsere Maßnahmen an“, so Florian Jung.

Am Mittwochmorgen sah der städtische Mitarbeiter Christian Lambert auf eben diesem Friedhof mehrere der schweinischen Übeltäter, die durch diese Begegnung vertrieben wurden. Ein intakter Zaun kann bei der „Wildtierabwehr“ schon viel helfen, so die Erfahrung, die in Hassel und Oberwürzbach gemacht wurde. „Es ist dort ruhiger geworden, wie eigentlich auch auf den restlichen Friedhöfen im Stadtgebiet“, berichtet Andreas de Groot. In anderen Bereichen waren es aber eher Rehe, die die Blumen zum Fressen schön fanden.

Diebische „Elstern“ gebe es unter den Krähenvögeln, die sich auf dem Waldfriedhof sogar weiterbilden. So habe eine Vogelmutter mit Appetit auf Paraffin ihren Jungen beigebracht, die roten Grablichter zu stibitzen, diese auf die Einfahrt zur Kompostieranlage zu stellen und solange zu warten, bis ein Autoreifen drüberfuhr.