Wie man im Beruf nicht ausrutscht

Wer Erfolg im Beruf haben möchte, kommt an gutem Benehmen nicht vorbei. Das Problem daran: Frauen, die ständig daneben liegen, werden selten darauf aufmerksam gemacht. Protokoll-Expertin Heidemarie Müller war mit Anke Michalsky zu Gast in unserer Redaktion.

Sie sei eigentlich keine "Benimm-Expertin", stellt Heidemarie Müller gleich zu Anfang klar. Zusammen mit der Homburger Frauenbeauftragten Anke Michalsky war sie zu Gast in unserer Redaktion, um einen besonderen Termin vorzustellen: Business-Etikette für Frauen . Von 1999 bis 2011 leitete Heidemarie Müller als Protokollchefin die Stabsstelle Protokoll und Auswärtige Angelegenheiten der Staatskanzlei. Das habe nichts damit zu tun, wie man Messer und Gabel handhabe, sondern es gehe dabei um Rangfragen, um Begrüßungsrituale, um Abfolgen bei Einladungen von Gästen - kurzum, es seien die formalen Dinge, deren Ablauf eine Protokollchefin festlegen müsse, erklärte sie anlässlich ihres Besuchs in Homburg.

Das hat natürlich auch mit gutem Benehmen zu tun, denn was nützt die beste Rangfolge bei Tisch, wenn gewisse Gäste sich anschließend die Suppe reinschlürfen? Zumal Heidemarie Müller über die "Sicherheit auf glattem Parkett" sogar ein Buch geschrieben hat. Und das Parkett kann manchmal sehr glatt sein, vor allem für Frauen , die gerne nach oben wollen, aber dabei ausrutschen.

Um souveränes Auftreten im Beruf geht es deshalb in dem Tagesseminar, das am 16. April stattfindet, erklärt Anke Michalsky: "Es werden Kleiderfragen, die Kunst der Unterhaltung und das schicke Essen thematisiert."

Viele Menschen machten den Fehler, Benimmfragen auszublenden, weil keine deutliche Reaktion erfolge, erklärt Heidemarie Müller: "Niemand sagt der betreffenden Person ins Gesicht, sie sei ungepflegt, könne nicht anständig essen oder rede zu viel." Stattdessen sage man es hinter vorgehaltener Hand, denn das Thema sei heikel. "Und dann wundern sich die Frauen , dass sie trotz besserer Qualifikation nicht weiterkommen und wissen oft nicht, was sie falsch machen", ergänzt Anke Michalsky. Ganz wichtig: die Kleiderfrage. Natürlich gibt es viele Frauen , die sich in Schlabberpulli und Jeans am wohlsten fühlen, aber muss das auch am Arbeitsplatz sein? "Man repräsentiert mit seinem Auftreten auch immer den Arbeitgeber", betont Heidemarie Müller.

Banken täten sich da leichter als viele Firmen, "denn bei Banken ist von Anfang an klar, dass korrekte Kleidung Pflicht ist." Warum haben gerade die Deutschen oft ein gespaltenes Verhältnis zu gutem Benehmen und halten es für überflüssig? Es gelte wohl oftmals noch als Relikt aus vergangenen Zeiten, die man als überwunden ansehe, vermutet Michalsky.

Nichtsdestotrotz schwebt dieses Menetekel über vielen Menschen, sobald eine ungewohnte Situation eintritt: Wie esse ich im Sternerestaurant? Über was rede ich mit meinem Tischnachbarn aus der Geschäftsführung? Fragen über Fragen. Auf die Heidemarie Müller Antworten geben will. Gutes Benehmen könne keinen "anderen Menschen" aus einem machen, aber sicheres Auftreten könne man trainieren. Wer beim Essen aufs Handhaben von Besteck fixiert ist, kann kein nettes Gespräch führen. Wer nicht weiß, wem er zuerst die Hand geben soll, ist schon bei der Begrüßung verunsichert. Und Unsicherheit suggeriert nun mal Schwäche und kommt nicht gut an - egal, wie gut die Zeugnisse sind, die man vorweisen kann. Eine Falle, in die Frauen nicht tappen müssen, betonen Anke Michalsky und Heidemarie Müller.

Wer unsicher ist, wie man sich am Büfett korrekt bedient, hält sich besser zurück, dann sind zwar die besten Häppchen weg, aber Höflichkeit ist ja gerade nicht das Recht des Stärkeren. Foto: Lars Reusch. Foto: Lars Reusch

Zum Thema:

Auf einen BlickDas Tagesseminar Business-Etikette für Frauen findet am 16. April von 10 bis 17 Uhr statt. Es kostet 70 Euro inklusive Essen. Es wird veranstaltet von der Frauenbeauftragten der Stadt, vom Frauenbüro des Kreises und vom "Club Business and Professionell Women" (BPW) Saarpfalz. Die Expertin und Autorin des Buchs "Sicher auf glattem Parkett", Heidemarie Müller, gibt wertvolle Tipps zum Umgang im Berufsleben, zum Outfit, zur hohen Kunst des Smalltalks und darüber, wie man positiv auf andere Menschen wirkt. Anmelden kann man sich bei der Frauenbeauftragten der Stadt Homburg, Anke Michalsky, per E-Mail: Anke.michalsky@homburg.de. maa