Wenn Nachbarn Brücken bauen

Mit einem Ferienbesuch in der Reichenbrunner Ferienwohnung von Rosi und Josef Meiser hat alles angefangen. Inzwischen sind die einstigen französischen Feriengäste Michel Pesnel und Marie-Cèline Jacq selbst Bürger von Reichenbrunn – und glückliche Nachbarn ihrer ehemaligen Gastgeber.

. Als Lydia Schaar, die Ortsvorsteherin von Oberwürzbach, im April vergangenen Jahres zu den französischen Feriengästen von Rosi und Josef Meiser sagte, dass man sie vielleicht irgendwann als Neubürger im schönen Oberwürzbach begrüßen könne, ahnte sie noch nicht, dass das schon 2014 Realität werden würde. Michel Pesnel und Marie-Cèline Jacq waren damals bereits zum 15. Mal zu Besuch in der Reichenbrunner Ferienwohnung und bekamen von ihren Gastgebern eine Ehrenurkunde in "Anerkennung für 15 wertvolle Besuche zur Freude der Oberwürzbacher Bürger und der ortsansässigen Gaststätten und Geschäfte".

Schon diese scherzhafte Formulierung durch "Gastvater" Josef Meiser ließ erahnen, dass hier aus Gästen bereits Freunde geworden waren. Die beiden Franzosen fühlten sich in Oberwürzbach so wohl, dass sie mehrmals im Jahr kamen, gemeinsam mit Meisers auf Feste gingen oder auch zusammen Silvester feierten. Michel Pesnel gefiel alles in Oberwürzbach, die Menschen, der Ort und die Umgebung, die er sich mit seiner Lebensgefährtin erwanderte. Doch das reichte dem Franzosen, dessen Mutter aus Güdingen stammt, nicht. Er identifizierte sich dermaßen mit diesem St. Ingberter Ortsteil, dass er sich das Buch "So schwätze mir" mit saarländischem Wortschatz kaufte, mit dem er fortan lernte. Doch auch das war ihm nicht genug. Irgendwann Ende 2013 stand die Entscheidung fest. Dieses Jahr dann der Anruf bei den Meisers, dass er und Marie-Cèline ihre beiden Wohnungen in Paris gekündigt hätten, um nach Deutschland umzuziehen. Familie Meiser fragte nach, ob sie denn schon eine Wohnung hätten, was die beiden verneinten. Die Ferienwohnung war frei, also zogen die zwei Anfang Oktober vorerst bei Meisers ein.

Für Rosi und Josef Meiser war es selbstverständlich, ihren Freunden, die nun auch bald Nachbarn sein sollten, unter die Arme zu greifen. Das fing damit an, dass der mitgebrachte Hausrat, der sich allein auf 160 Bücherkisten belief, auf drei Häuser oder Garagen verteilt wurde, ging über die Unterstützung bei Behördenangelegenheiten, Anrufen bei Versicherungen bis hin zur Suche nach einer dauerhaften Bleibe.

Michel Pesnel machte Nägel mit Köpfen, hatte seine Lebensgefährtin noch kurz zuvor zu seiner Frau gemacht, kann immer besser Deutsch sprechen, einiges sogar im Dialekt, und pendelt aus Liebe zu Oberwürzbach auf seine Arbeit in der Nähe von Paris. Auch Marie-Cèline fühlt sich im neuen Domizil, einem Haus in der Hochscheidstraße in Reichenbrunn , sehr wohl. Obwohl sie kein Deutsch spricht, genießt sie ihr neues Dasein.
Sprachkursus besuchen

Im Frühjahr will sie einen Sprachkursus an der Volkshochschule besuchen, denn sie hat als Pensionärin Zeit. Familie Pesnel sieht die Übersiedelung als ihr persönliches Abenteuer. Sie sind stolz, den Schritt in ihr geliebtes Oberwürzbach gemacht zu haben, sind aber im Haus von Erinnerungsstücken aus ihrer ersten Heimat umgeben. "Ich hatte Michel sogar am zweiten Tag, als er hier war, schon beim Sargtragen dabei", so Josef über die "Integration" des Neu-Oberwürzbachers, der stolz auf das "druckfrische" St. Ingberter Nummernschild seines Autos zeigt.

Dass Oberwürzbach das Rennen gegen die Normandie gewonnen hat, verwundert nicht wirklich, denn dort hätte es zwar eine tolle Landschaft gegeben, aber die Freunde waren eben hier. "Die Hilfe von Rosi und Josef ist unglaublich gut", lobt Pesnel. Traurig sind die beiden Franzosen, dass es die Autobahnschilder mit der Aufschrift "Schön, dass du da bist" nicht mehr gibt.

Davon fühlten sie sich angesprochen. Doch der Liebe zu Oberwürzbach, die bei Michel Pesnel und seiner Frau "wie ein Blitz eingeschlagen hat" tut das keinen Abbruch. Mit dem Umzug schließt sich ihr persönlicher Kreis. "Und als ich ihm nach dem Besuch des Einwohnermeldeamtes gesagt habe, dass er nun ein St. Ingberter ist, flossen sogar ein paar Tränchen", zeigte sich Josef Meiser über so viel Heimatgefühl des französischen Oberwürzbachers gerührt.