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Wenn der Sechszylinder auf der Stadthallenbühne vorfährt

Wenn der Sechszylinder auf der Stadthallenbühne vorfährt

St. Ingbert. Hausfrauen haben es mit dem ganzen Kram, um den sie sich kümmern müssen, nicht immer leicht. Wie gut, dass es da Künstler gibt, die dieser Zunft mit einem Lied ihren Respekt erweisen. So geschehen am Donnerstagabend, als in der Stadthalle das Münsteraner Quintett "6 Zylinder" auftrat. Die fünf Herren widmeten sich der Hausfrauenarbeit

St. Ingbert. Hausfrauen haben es mit dem ganzen Kram, um den sie sich kümmern müssen, nicht immer leicht. Wie gut, dass es da Künstler gibt, die dieser Zunft mit einem Lied ihren Respekt erweisen. So geschehen am Donnerstagabend, als in der Stadthalle das Münsteraner Quintett "6 Zylinder" auftrat.Die fünf Herren widmeten sich der Hausfrauenarbeit. Mit ihrem Lied "Abtau'n girl" besangen sie den Ausfriervorgang mit all seinen Details. Ohne Musik. Obwohl? Eigentlich doch. Denn die machen sie nämlich selbst zu ihrem Gesang dazu. Ohne Instrumente. Dafür ebenfalls mit ihrer Stimme. Normalerweise nennt man so was a-cappella. Uiii. Nee. Das mögen die Männer aber gar nicht. Darauf wiesen sie gleich zu Beginn ausführlich hin. A-cappella war nämlich gestern. Und von gestern sind die Fünf keinesfalls. Heute sagt man zur rein gesanglichen Darbietung: Acapulco.

So heißt auch die aktuelle CD. Das jedenfalls würde das heutige Lebensgefühl viel besser treffen. Meinen die Jungs. Und die texten eben sehr gerne um. Gleich zu Beginn etwa. Statt "Let's get loud" von Jennifer Lopez konnte man da "Jetzt geht's ab" hören. Ja, da war was dran. Gute Laune pur war angesagt. Sonne, Strand und auch Kakteen. Da dämmert's doch, oder? Richtig: Das klingt nach "Mexiko" von den Les Humphries Singers.

Die Zuschauer merkten sehr schnell, da ist noch mehr im Hintergrund. Genau: Irgendwann merkt man beim Zusehen, dass dies von Henrik Leitreider kommt. Er haucht quasi ein ganzes Orchester ins Mikrofon, damit die übrigen Vier in den verschiedensten Tonlagen schmettern können. Die Texte können dabei heikel sein. So sehr, dass man sich das bislang nie traute aufzuführen. "Wir tun doch nichts, wir wollen doch nur spielen" etwa, als man auf eine ganz spezielle Art und Weise Annette Louisan huldigte. Wie gesagt - gleiches Lied, keine Musik und anderer Text. Und dazu gibt es dann feminine Tanzbewegungen, helle Stimmen und vom Publikum "Bravo!"-Rufe.

Dann gab es noch einen "Gast": Holtzebrink Karlheinz (Thomas Michaelis). Der Münsteraner Fachmann für Mastschweine und Kartoffeln. Er wollte mit dem Publikum das Westfalenlied trällern, was man nur mit Hand auf der Brust und im Stehen macht. Das musste er abbrechen. "Kollektive Verweigerung" nannte Holtzebrink, der irgendwie an Heinz Becker erinnerte, das Verhalten der Zuschauer. Die blieben nämlich sitzen und sangen nicht.

Dafür gerieten sie aus dem Häuschen, als die fünf Münsteraner Sänger auf einem Heurechen, mit einem Klappstuhl und dem Ende eines Schippenstiels Musik machten. Und auch bei "Ich wär so gern bei Roberto Blanco", merkte man, was den Leuten gefällt. "St. Ingbert lebt" stellten die fünf Münsterländer mit Hüftschwung fest. Münsterländer? Nicht ganz: Jos alias Hermann-Josef Gerritschen ist Holländer. Dafür kann er nix. Gut. Doch seine Bruce-Springsteen-Interpretationen reißen einen vom Hocker. Bei dem Charme waren Zu-gaben obligatorisch. jma