Was brauchen wir wirklich?

Ein Kulturort kann auch Lernort sein. In der Wintringer Kapelle hat sich der Münchner Holzbildhauer Hermann Bigelmayr Gedanken gemacht über Nachhaltigkeit. Entstanden ist ein dreiteiliges Werk dazu.

 Peter Lupp (l.) und Hermann Bigelmayr. Foto: Birkelbach
Peter Lupp (l.) und Hermann Bigelmayr. Foto: Birkelbach Foto: Birkelbach

Die Faszination hält an. Der Münchner Holzbildhauer Hermann Bigelmayr arbeitet im dritten Jahr in der Wintringer Kapelle und gerät noch immer ins Schwärmen. "Es gibt auch anderswo schöne Landschaften, schöne Architektur dahinter. Was hier so besonders ist: dieser sakrale Raum, das Biosphärenreservat und die biologische Landwirtschaft. Das geht alles wunderbar zusammen. Das gibt es nirgendwo sonst. Ich weiß nicht, wie weit das in den Köpfen angekommen ist." Größer könnte das Lob für den Kulturort im Biosphärenreservat nicht ausfallen.

Was unter dem Titel "Grenzen des Wachstums" 2011 begann, 2012 mit "Saatgut" fortgesetzt wurde, findet jetzt seinen Abschluss mit "In der Schwebe". Beginn und Grundlage des dreiteiligen Werkes ist ein neun Meter hoher Weizenhalm, den Bigelmayr aus einem Ahornstamm geschaffen hat. Sich mit Weizen künstlerisch zu beschäftigen war nahe liegend, denn die Kapelle steht im alten Teil des Wintringer Hofes. Der neue Teil, ein Bioland-Betrieb, wird von der Lebenshilfe gemeinsam mit behinderten Menschen bewirtschaftet.

Hermann Bigelmayr ist durch Andreas Kuhnlein auf die Kapelle als Kulturort aufmerksam geworden. Kuhnlein hatte 2010 dort seinen Pilgerzyklus ausgestellt. Nachdem Bigelmayr die Kapelle gesehen hatte, entwickelte er erste Ideen.

Die engagierte Begleitung durch Kurator Peter Michael Lupp und dessen Vision, mittels Kunst und Kultur größeres Bewusstsein für das Biosphärenreservat Bliesgau und für Nachhaltigkeit zu entfachen, hätten ihn sehr motiviert, sagt Bigelmayr. So wurde aus einem einzelnen Kunstwerk eine dreiteilige Installation mit unterschiedlichen Positionen dazu, wie man ungebremstem Wachstumsdenken begegnen könnte. Der Zyklus begann mit einem riesigen Weizenhalm. Er ist gebrochen, und von seinem Blatt ist ebenfalls ein Stück abgebrochen; auf der Erde liegt ein großes hölzernes Weizenkorn samt Spreu: So sieht Bigelmayr die Folgen einer Gesellschaft, die rein auf Wachstum ausgerichtet ist. Teil zwei des Zyklus' "Saatgut" hängt an der Kapellenwand. 64 Weizenkörner auf einem Quadrat sollen die Gefahren des exponentiellen Wachstums verdeutlichen.

Teil drei heißt "in der Schwebe". Das abgebrochene Weizenblatt ist mit einem dünnen Stahlseil an der Decke befestigt, bewegt und verändert sich. Es verdeutlicht, dass die Zukunft der Menschheit "am seidenen Faden" hängt, in der Schwebe ist. Perspektivenwechsel bleibt jedoch möglich.

Hermann Bigelmayr hat sein Werk eigens für die Kapelle entwickelt, die, wie Kurator Peter Lupp sagt, Denkort und Lernort im Biosphärenreservat Bliesgau sein soll. Der Ort reagiere mit dieser künstlerischen Reflexion auf die Frage, wie man Lebensräume bewahren, ästhetisch gestalten und ihre Impulse nutzen könne, um der Schlüsselfrage der Nachhaltigkeit nachzugehen: Was brauchen wir wirklich?

Führungen und Vorträge zum Werk auf Anfrage per E-Mail an peter.lupp@rvsbr.de

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