Warum ein Minister den Wald umbaut

Viele Fichten mussten erst kürzlich wegen Borkenkäferbefalls gefällt werden. Doch kahl bleiben sollen diese Stellen nicht. Der Saarforst und der Umweltminister des Saarlands, Reinhold Jost, pflanzten nun neue Bäume, um aktiven Klimaschutz zu betreiben und den Wald für den Wandel zu rüsten.

"Es ist Pflanzwetter." Da waren sich Joachim Stelzer, stellvertretender Betriebsleiter des Saarforstlandesbetriebes, und Forstrevierleiter Bodo Marschall an einem eher trüben Spätherbst-Tag einig. Schauplatz war der St. Ingberter Wald bei Schüren, wo der saarländische Umweltminister Reinhold Jost einen Baum pflanzte. Denn während in Paris seit Montag beim Klimagipfel über das Weltklima verhandelt wird, hat der Minister vor Ort einen Beitrag zur Erhaltung der Wälder geleistet. "Der Klimawandel ist schon lange in Deutschland angekommen", sagte Jost.

Der diesjährige Sommer sei ein Beleg für Wetterextreme. Durch wärmere Sommer, so erklärte es Joachim Stelzer, geraten Wälder unter Stress. Durch Stress verstärke sich das Risiko der Massenvermehrung von Schädlingen wie Borkenkäfern - wie dieses Jahr in St. Ingbert geschehen (wir berichteten). Heißt, es mussten jede Menge kranke Fichten gefällt werden. Diese Stellen gilt es nun wieder aufzuforsten. Förster und Minister Jost pflanzten nun vermehrt Baumarten, die den erwarteten klimatischen Bedingungen besser standhalten, als die betroffene Fichte.

In St. Ingbert sollen künftig an den Stellen, an denen die Borkenkäfer gewütet haben, die klimaresistentere Eichen wachsen. Stelzer betonte auch, dass je stabiler ein Wald sei, desto besser könne er Veränderungen verkraften. Der Umweltminister wies darauf hin, dass man mit solch einer Pflanzaktion zeigen wolle, wie man aktiven Klimaschutz betreiben könne: "Der Saarforst gibt 100 000 Euro jährlich für Neuanpflanzungen aus."

Und damit die Neuanpflanzungen nicht direkt vom Wild "verbissen" werden, dienen so genannte Wuchshüllen zum Schutz. "Nach einigen Jahren zersetzt sich diese Hülle dann von alleine", erklärt Förster Marschall. Insgesamt setze man auf jene Fläche von 2,5 Hektar, die wegen des Borkenkäferbefalls hatte gerodet werden müssen, zirka 50 bis 60 neue Pflanzen.

Damit der Wald stabil genug ist, um den künftig häufig auftretenden Klimaschwankungen zu trotzen, pflanze man laut Stelzer neben der Eiche auch Ahorn und Edelkastanie, die in wärmeren Gegenden gut gedeihen - aber auch durchaus Tanne und Douglasie.

Wichtig sei aber auch, die natürliche Verjüngung der Waldbestände zu nutzen. Also kämen auch Baumarten wie die Buche, die Birke und die Eberesche hinzu, die ihre Samen ohne menschliches Zutun verbreiten. Mit diesem seit Jahren praktizierten "Waldumbau" verfolge man das Ziel, den Wald dauerhaft zu erhalten. Stelzer abschließend: "Idealerweise sieht die Forstwirtschaft kritische Entwicklungen voraus und versucht, ihnen schon im Vorfeld entgegenzuwirken."Umweltminister Reinhold Jost (vorne) pflanzte mit Joachim Stelzer Buchen und Eichen im St. Ingberter Forst. Foto: Jörg Jacobi