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Wanderweg endet plötzlich im Unterholz

Wanderweg endet plötzlich im Unterholz

Eine unangenehme Überraschung erlebte SZ-Leser-Reporter Artur Schöpp bei seiner jüngsten Wanderung durch St. Ingberts Wälder. Ein neu ausgeschilderter Waldweg, der zum Saarland-Rundwanderweg zählt, endete plötzlich im Gestrüpp. Abenteuerlich gestaltete sich die Suche nach der Antwort, wie so etwas passieren kann.

Jeden Samstag schnürt Artur Schöpp mit Freunden und Bekannten seine Wanderschuhe. Bei der Route hat der 69-jährige Dudweiler die Qual der Wahl - das Saarland ist laut Tourismus-Zentrale nämlich auch ein Wanderland, die Zahl der Wege scheinbar grenzenlos. Auch am Tag der Deutschen Einheit war Schöpp unterwegs. Von Dudweiler aus sollte es über den Rundwanderweg zur Kahlenberghütte gehen. Zwischen Sengscheid und Hassel dann die böse Überraschung: Der Wanderweg ist zugewachsen und unpassierbar. Die Gruppe, der Wanderer aus Rheinland-Pfalz und Niedersachsen angehörten, musste drei Kilometer zurück nach Sengscheid laufen. "Die anderen haben mich natürlich ausgelacht", sagt Schöpp.

Der erfahrene Wanderer ist sich sicher: "In der Pfalz wäre uns so etwas nicht passiert." Es ist nicht das erste Mal, dass er an dieser Stelle Probleme feststellte. Also setzte sich Schöpp ans Telefon, sagte der Stadt St. Ingbert Bescheid, die ihm versprach, sich zu kümmern. Er rief auch bei der Tourismus-Zentrale des Saarlandes an, erhielt aber eine überraschende Antwort. "Die Rundwanderwege werden nicht mehr gepflegt", hieß es von dort. Auch am letzten Oktoberwochenende gab es zwischen Hassel und Sengscheid kein Durchkommen. Dass sich nicht mehr um den Wanderweg gekümmert werde, kann sich Schöpp kaum vorstellen, denn auf Hasseler Seite steht ein Wegweiser, den es aufgrund seiner makellosen Erscheinung dort noch nicht lange geben dürfte. Das wirft zwei Fragen auf. Erstens: Wer kümmert sich um den Rundwanderweg? Als "ganz schwieriges Thema" bezeichnet es die Saarpfalz-Touristik, St. Ingberts Ex-Oberbürgermeister Georg Jung, der dem Pfälzerwald-Verein vorsteht, nennt die Wegepflege eine "Grauzone". Der Pfälzerwald-Verein ist laut Jung für die Markierung zuständig. An den zahlreichen rot-weißen Quadraten erkennt der Wanderer, dass der Verein seine Hausaufgaben weitgehend erledigt hat. Die Pflege des Rundwanderweges in St. Ingbert habe zu Jungs Amtszeit die von ihm gegründete Gesellschaft für Beschäftigung und Qualifizierung (GBQ) übernommen, "weil die Vereine dafür einfach keine Kapazitäten mehr haben". Auch Jung wurde darauf angesprochen, dass einiges im Argen liege. Damit liegt er absolut auf einer Linie mit dem Vorsitzenden des St. Ingberter Heimat- und Verkehrsvereins, Rainer Henrich. Auch er bedauert: "Einige Wege mussten aus den Wanderkarten gestrichen werden. Hätten die Wandervereine mehr Nachwuchs, könnten wir viele Probleme in den Griff bekommen."

Revierförster Michael Weber nimmt die Vereine sogar ein Stück weit aus der Verantwortung. "Sie sind gar nicht befugt, einen Weg instand zu halten, sie dürfen also nicht einfach mit einer Säge kommen und freischneiden." Der Saarforst sei allerdings auch nicht zuständig. Weber: "Wir achten nur auf Mega-Gefahren wie tote Bäume oder aggressive Pilze." Die Vereine könnten jedoch beim Besitzer Anfragen, ob dieser eine Art Aktionstag gestatte, an dem die Wege von den Vereinsmitgliedern wieder auf Vordermann gebracht werden dürften. Im konkreten Fall handelt es sich um ein Waldstück in privater Hand.

Die zweite Frage: Weshalb wird ein Wanderweg neu ausgeschildert, der offenbar schon seit Jahren nicht mehr passierbar ist? Hier sind sich die Experten einig: Es könne sich nur um ein Versehen handeln. Über den Auftraggeber gibt es nur Vermutungen.

Den Tipp zu dieser Geschichte bekamen wir von Leser-Reporter Artur Schöpp aus Dudweiler. Wenn Sie auch Interessantes zu erzählen haben, wenden Sie sich entweder per SMS/Fax an Tel. (0681) 5 95 98 00 oder per E-Mail an leser-reporter@sol.de.