Wald-Wirtschaft muss sein

Kaum eine Behörde steht bei ihren Aktivitäten so unter Beobachtung wie der Forst. Insbesondere das Einschlagen von Holz wird von der Bevölkerung immer wieder kritisiert. Zu Unrecht, finden die Förster der Reviere rund um St. Ingbert. Sie wollen noch mehr aufklären.

Wer liebt es nicht, durch den Wald zu schlendern, die Natur zu genießen. Da der Wald jedermann offen steht, ist er auch immer wieder in aller Munde. Genauer gesagt ist es die Waldbewirtschaftung, die die Bürger umtreibt. Das zeigt sich auch in Form von Leserbriefen in unserer Zeitung. Die heutige Waldwirtschaft wird zuhauf kritisiert. Grund genug für die Förster der Region, einige Betroffene zusammenzutrommeln und gegenüber unserer Zeitung zu erklären, wie viel Mühe sich Förster und Waldarbeiter mit unser aller Wald geben, wie viel Arbeit dahintersteckt. Bei einem Termin im Rohrbacher Wald in der Nähe des Glashütter Weihers erklären die Fachleute, federführend Förster Bodo Marschall, warum die Bürger mit den Förstern unzufrieden sind.

Marschall berichtet: "Die Bürger kritisieren, dass wir sinnlos Bäume abholzen, dass die Zustände im Wald desolat seien, dass der Wald unaufgeräumt sei und so weiter und so weiter." Er versucht, gemeinsam mit seinen Kollegen, mit den Vorurteilen aufzuräumen. Er sagt: "Forst und Unternehmer müssen sich ständig für ihre Arbeit von Bürgern anfeinden lassen. Wir wünschen uns, dass die Bürger uns als kompetente Fachleute anerkennen. Wir machen die Arbeit für die nächsten Generationen, für unsere Kinder." Marschall und seine Kollegen erklären, dass das Gebiet um den Warndt, Saarbrücken, St. Ingbert und Kirkel das waldreichste Ballungsgebiet Deutschlands sei. Dadurch sei die Lebensqualität hoch, es gebe aber auch jede Menge Konfliktpotenzial. Die Förster betonen: "Der Wald ist eine Lebensgemeinschaft mit besonderer Tier- und Pflanzenwelt und besonderem Klima und Boden." Vor allem sei Wald eine Ressource. "Wir arbeiten nachhaltig. Wir müssen sozial, ökonomisch und ökologisch handeln und zwar gleichrangig. Das ist nicht einfach und vor allem nicht im Bewusstsein der Bevölkerung", so Marschall weiter. Dass die Förster und ihre Waldarbeiter das gut machen, bescheinigte der Nabu dem Saarforst. Er verlieh eine Urkunde für vorbildliche Forstwirtschaft. Ein sensibles Thema im Gespräch mit dem Bürger ist laut der Fachleute auch die Holzernte, die Frage, warum Förster Bäume fällen. Marschall erklärt: "Fast 50 Prozent des deutschen Holzbedarfs muss importiert werden. Die nachhaltige Nutzung von heimischem Holz ist also ökologisch sinnvoll." Die Förster betonen zudem, dass der Bürger sich alleine schon deswegen keine Sorgen machen müsse, weil im Saarland das Holz einen jährlichen Zuwachs von acht Kubikmetern pro Hektar hat. Der jährliche Einschlag liege bei sechs Kubikmetern pro Hektar, so dass immer noch genügend stehen bleibe. Zudem müssen sich die Förster auch um die Verkehrssicherung kümmern. "Wir Förster unterschreiben zwei Mal im Jahr, dass wir alle Bäume im Randbereich untersucht und Gefahrenbäume beseitigt haben", so Marschall weiter. Für den Bereich St. Ingbert seien das 1000 Hektar Kontrollfläche. Zum Thema unaufgeräumter Wald sagt Förster Michael Weber: "Ein aufgeräumter Wald ist ein kranker Wald." Abgesehen davon zeigt Bodo Marschall bei einem kleinen Rundgang, dass der Wald nach allen erledigten Arbeiten nicht wie Kraut und Rüben aussehe. Auch bemühe man sich gemeinsam mit den Forstunternehmern, die Wege nach getaner Arbeit schnellstmöglich wieder in Ordnung zu bringen.

Auch Stadt-Pressesprecher Peter Gaschott bricht eine Lanze für die Förster und ihre Teams: Er sagt: "Die St. Ingberter haben ein sensibles Verhältnis zum Wald. Das ist gut so. Sie kümmern sich. Allerdings denken die Förster langfristiger als die Bürger. Deren Fachwissen brauchen wir."

Ähnliches sagt Förster Marschall, auch im Namen seiner Kollegen: "Es ist gut, dass die Bürger sich mit der Materie Wald auseinandersetzen. Bei Fragen stehen wir Förster gerne zur Verfügung."